11: "Kann man das so sagen?" — Modalverben + das Infix iv

Was sind Modalverben?

Wie ihr sich­er schon bemerkt habt, hat sich im Ver­lauf der let­zten Lek­tio­nen immer wieder das ein oder andere gram­matikalis­che Ele­ment eingeschlichen, was noch nicht für sich behan­delt wurde, darunter auch vor allem Modalver­bkon­struk­tio­nen (sie sind halt ein­fach mega prak­tisch und geläu­fig, tsun pehem, hrh). Um eben jene geht's nun endlich in dieser Lektion.

"Tsun pehem" ist eine Floskel, die so viel bedeutet wie "tja; da kann man nix machen; so ist das Leben nun ein­mal". Sie  stammt von fol­gen­dem Satz ab: Tsun fko pehem sivi? — "Was kann man (da schon) machen?"

Ihr fragt euch was Modalver­ben sind?

Modalver­ben ken­nen wir auch aus dem Deutschen: kön­nen, mögen, wollen, sollen, müssen, dür­fen, und so weit­er. In Na'vi-Wörterbüchern wer­den sie oft­mals durch vtrm. (tran­si­tives Modalverb) oder vinm. (intran­si­tives Modalverb) gekennzeichnet.
Ein Modalverb ist "ein Verb, das ein Vol­lverb dahinge­hend ergänzt, dass es aus­drückt, ob die Hand­lung zum Beispiel möglich, gewollt oder notwendig ist."

 

Über­sicht der Modalverben

Verb Bedeu­tung  Beispiel  
tsun vinm. kön­nen, in der Lage sein (etwas zu tun), dür­fen (Höflichkeit) oe tsun tivaron ich kann / darf jagen
zene vinm. müssen, sollen oe zene tivaron ich muss / soll jagen
zenke vinm. nicht dür­fen oe zenke tivaron ich darf nicht jagen
fmi vtrm. ver­suchen, probieren oe fmi tivaron ich ver­suche zu jagen
may' vtrm. ver­suchen, aus­pro­bieren, kosten, testen oe may' tivaron ich pro­biere zu jagen
var vinm. fort­führen (etwas zu tun), weit­er­ma­chen, einen Zus­tand beibehalten oe var tivaron ich führe fort zu jagen
new vtrm. möcht­en, wollen oe new tivaron ich möchte / will jagen
nulnew vtrm. lieber wollen, bevorzugen oe nul­new tivaron ich bevorzuge zu jagen
ftang vinm. aufhören, anhal­ten, stoppen oe ftang tivaron ich höre auf zu jagen
sngä'i vinm. begin­nen, anfan­gen, starten oe sngä'i tivaron ich fange an zu jagen
sto vtrm. weigern (etwas zu tun), ver­weigern, ablehnen, abschlagen oe sto tivaron ich weigere (mich) zu jagen
kan vtrm. zie­len, beab­sichti­gen (etwas zu tun) oe kan tivaron ich beab­sichtige / habe vor zu jagen
kom vinm. wagen (etwas zu tun) oe kom tivaron ich wage (es) zu jagen

 

Modalver­ben zu ver­wen­den ist gar nicht so schw­er, was das Ganze etwas kom­pliziert macht, ist, wenn die L&T‑Endung auf Na'vi mit ins Spiel kom­men. Aber dazu später mehr. Jet­zt erst­mal die Basics.

 

Ver­wen­dung als Vollverb

Man kann sie alleine ste­hend als nor­males Verb (Vol­lverb) verwenden:

Oe new. Ich will.
Oel tey­lu­ti new. Ich möchte Teylu.
Pol mau­ti­ti may'. Sie probiert/kostet eine Frucht.
Ngal fkx­en­it nul­new. Du bevorzugst Gemüse.
Nga tsun. Du darfst/kannst.
Po sngä'i. Er begin­nt.

An und für sich sind Modalver­ben also stin­knor­male Ver­ben, bei denen es erst ein­mal darauf ankommt, ob sie intran­si­tiv oder tran­si­tiv sind. Entsprechend kann man sie wie gewohnt verwenden.

 

Ver­wen­dung als Modalverb

Oder man ver­wen­det sie eben als Modalverb in ein­er entsprechen­den Kon­struk­tion aus Modalverb und Vol­lverb:

Ich möchte ler­nen. Oe new nivume.
Du willst jagen. Nga new tivaron.
Er muss gehen. Po zene kivä.
Sie dür­fen nicht ster­ben. Fo zenke tiverkup.
Sie begin­nt zu lesen.
Po sngä'i ivinan.
Du hörst auf zu schlafen. Nga ftang hivahaw.
Sie kön­nen malen. Fo tsun wiveyn.
Du darf­st essen. Nga tsun yivom.
Er wagt es zu fliehen. Po kom hivifwo.
Ich bevorzuge zu fliegen. Oe nul­new tswivayon.
Sie weigert sich zu gehorchen. Po sto livek.
Du beab­sichtigst zu töten. Nga kan tspivang.

Aber Momentchen mal, was ist dieses <iv>, das in dem auf das Modalverb fol­gende Verb einge­fügt wird?

 

 

Das Infix <iv>

Wie wir bish­er gel­ernt haben, gibt es gewisse Wort­teile, die man entwed­er vorne oder hin­ten an ein Wort "anheftet", also so genan­nte Prä­fixe oder Suf­fixe. War noch rel­a­tiv leicht, jet­zt kommt aber eine Kopfnuss: 

Infixe wer­den in Wörter einge­set­zt, aber allerd­ings nur in Ver­ben.

Der Hak­en an der Sache ist der, dass man Infixe nur in den dafür vorge­se­henen Stellen von Ver­ben ein­set­zen kann. Um dabei nicht den Überblick zu ver­lieren, da es so viele Infixe gibt (über 30!), teilt man Infixe generell in Posi­tions-Grup­pen ein, zumeist <0>, <1> und <2>.
Das hier gezeigte Infix <iv> nimmt Posi­tion <1> in Ver­ben ein.

Ver­wirrt? Mal wieder: "kein Wun­der", aber lasst uns ver­suchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen. :)

 

Ver­ben mit zwei Silben

Nehmen wir mal taron als Beispiel. Es beste­ht aus zwei Sil­ben: ta-ron. In jed­er dieser Sil­ben vor dem darin enthal­te­nen Vokal befind­et sich ein solch­er Posi­tion­s­mark­er bzw. die Stelle, wo die entsprechen­den Infixe einge­fügt wer­den wür­den: t<>a‑r<>on.
Jew­eils ein­er vor dem jew­eili­gen Vokal der bei­den Sil­ben, ein­mal vor a und ein­mal vor o. t<>a‑r<>on.

Mit den Posi­tion­s­markierun­gen sähe das Wort so aus:
t<0><1>ar<2>on.
Da hier und jet­zt aber erst ein­mal nur <1> wichtig ist, konzen­tri­eren wir uns auf die vere­in­fachte Darstel­lungsweise: t<1>aron, tivaron.

Bei hahaw sähe es nicht viel anders aus: h<0><1>ah<2>aw. — vere­in­facht: h<1>ahaw, hivahaw.
Weit­ere Beispiele:

slele — sl<0><1>el<2>e — sl<1>ele — slivele.
'efu — '<0><1>ef<2>u — '<1>efu — 'ivefu.
ran — t<0><1>ìr<2>an — t<1>ìran — tivìran.
plltxe — p<0><1>lltx<2>e — p<1>lltxe — pivlltxe.

Übri­gens, wenn man <iv> in Ver­ben ein­set­zt, wird daraus so etwas wie der Kon­junk­tiv im Deutschen. Sagt euch sich­er noch etwas aus dem Deutschunter­richt. Es ist generell eine Verb­form, die auch als Sub­junk­tiv bzw. Möglichkeits­form beze­ich­net wird, also etwas hypo­thetis­ches. Wik­tionary meint dazu folgendes:
"Aus­druck ein­er Aktion oder eines Zus­tandes, der nicht tat­säch­lich, son­dern hypo­thetisch und in ein­er alter­na­tiv­en Wirk­lichkeit möglich ist."

Diese Möglichkeits­form find­et auch häu­fig Anwen­dung, wenn man sich etwas wün­scht, etwas möchte und so weit­er. Ein Wun­sch oder etwas haben wollen ist ja (noch) nicht Real­ität, also kein Fakt, also noch hypo­thetisch. Ergibt das Sinn? Keine Ahnung xD Daher ein­fach mal wieder ein paar Beispiele, die helfen meis­tens weiter ;D
Eywa ngahu lu. Eywa ist mit dir.Eywa ngahu l<iv>u. Eywa sei mit dir.
Oe txur slu. Ich werde stark.Oe txur sl<iv>u… Würde ich stark (wer­den)…

Das Infix <iv> wird auch noch für z.B. Befehle / Kom­man­dos ver­wen­det und ist in anderen Sit­u­a­tio­nen eben­falls zwin­gend notwendig. Aber diese Sit­u­a­tio­nen schauen wir uns zu gegeben­er Zeit an. Jet­zt erst ein­mal weit­er im Text…

 

Ver­ben mit Vokal beginnend

Aber Vor­sicht! Es gibt einige wenige zweisil­bige, unregelmäßige Ver­ben, die nicht in dieses Muster passen. omum zum Beispiel, oder inan. Die bei­den sähen so aus:
<0><1>om<2>um — <1>omum — ivomum,
<0><1>in<2>an
- <1>inan — ivinan.

Als generelle Faus­tregel (bei der aber auch Aus­nah­men die Regel bestäti­gen) kann man fol­gen­des zu Rate ziehen:
Infixe wer­den generell vor dem Vokal der entsprechen­den Silbe in Ver­ben platziert.
Da omum und inan mit einem Vokal begin­nen, wer­den entsprechend vor diesem Vokal passende Infixe platziert.

Zusam­menge­set­zte Ver­ben (die meis­tens aus zwei Ver­ben, einem Sub­stan­tiv und einem Verb etc. zusam­menge­set­zt wur­den) ver­hal­ten sich wiederum anders; dort kom­men die Infixe immer in den "Verb-Teil" des Wortes oder ihre Infix­po­si­tio­nen sind schlichtweg unvorhersehbar.
Wenn ihr euch mal nicht sich­er seid, schaut ins Wörter­buch — dort sind die Infix­po­si­tio­nen meist angegeben. Beispiele:
yomtìng, nutìng oder newomum.
Wie man in Wörter­büch­ern die Infix­po­si­tio­nen erken­nt, kön­nt ihr in der Lek­tion zu den Infix­en der Zeit­for­men nachlesen.

 

Ein­sil­bige Ver­ben

Und wie sieht es bei ein­sil­bi­gen Ver­ben wie z.B. tul aus? Nun ja, tul beste­ht zum Glück nur aus ein­er Silbe, was die Sache leichter macht:
t<0><1><2>ul bzw. t<1>ul — tivul.

Bei rol sieht's ähn­lich aus: r<0><1><2>ol — r<1>ol — rivol.

Oder tìng: t<0><1><2>ìng — t<1>ìng — tivìng.

 

Si-Ver­ben

Infixe kom­men immer in den "si"-Teil des Verbs — und dieser ist denkbar ein­fach struk­turi­ert, ähn­lich wie andere ein­sil­bige Verben:
s<0><1><2>i bzw. s<1>i — sivi.

 

Änderun­gen der Beto­nung von Ver­ben durch das Ein­fü­gen von Infixen

Übri­gens, die Beto­nung (bzw. die betonte Silbe) der (meis­ten) Wörter ändert sich nicht, wenn man Prä­fixe, Suf­fixe oder Infixe in/an das Wort klebt.
Soll heißen: Die ursprünglich betonte Silbe eines Verbs i.d.R. auch dann nicht ändert oder ver­schiebt, wenn man Infixe in das Verb ein­set­zt. Genauer gesagt: die Beto­nung bleibt auf dem Vokal der ursprünglich beton­ten Silbe (ka-me → ki-va-me):

Kame. KA-me. K<>ame. — Kivame, kamame, kìmame, kìyame, kayame.
Ta
ron. TA-ron. T<>aron — Tivaron, tamaron, tìmaron, tìyaron, tayaron.

Wìntxu. wìn-TXU. W<>ìntxu — Wivìntxu, wamìntxu, wìmìntxu, wìyìntxu, wayìntxu.
'ongokx. 'O-ngokx. '<>ongokx. — 'ivongokx, 'amongokx, 'ìmongokx, 'ìyongokx, 'ayongokx.

Hier wur­den die Infixe <iv>, <am>, <ìm>, <ìy> und <ay> in die Ver­ben einge­fügt. <iv> ken­nen wir ja jet­zt, die anderen ler­nen wir in der Lek­tion zu Zeit­for­men kennen.

Aber auch bei der Beto­nungs­geschichte im Zusam­men­hang mit Infix­en gibt es Aus­nah­men, z.B. bei inan oder omum bzw. generell bei Ver­ben, die mit einem Vokal begin­nen. Dabei ver­schiebt sich die Beto­nung nach vorne, und zwar auf den Vokal der Silbe, die mit dem Infix zusam­men entsteht:

Inan. i-NAN. Achtung: <>inan. — ivinan, aminan, ìminan, ìyinan, ayinan.
Omum. o-MUM. Achtung: <>omum. — ivomum, amomum, ìmomum, ìyomum, ayomum.
Aho. a-HO. Achtung: <>aho. — ivaho, amaho, ìmaho, ìyaho, ayaho.

Bei ein­sil­bi­gen Ver­ben ist es rel­a­tiv vorherse­bar. Da eine Silbe nur die Silbe sein kann, die auch betont wird, bleibt der Vokal aus dieser einen ursprünglichen Silbe betont, sobald dank Infix eine weit­ere Silbe hinzu kommt (tul → ti-vul):

Tul. t<>ul. — Tivul, tamul, tìmul, tìyul, tayul.
Rol. R<>ol. — Rivol, ramol, rìmol, rìyol, rayol.
'em. '<>em. — 'ivem, 'amem, 'ìmem, 'ìyem, 'ayem.

Bei si-Ver­ben ist es ähn­lich, nur mit dem Zusatz, dass sich die betonte Silbe des ersten Wortes der si-Ver­ben nicht ändert (i-ra-yo si → i-ra-yo si-vi):

Irayo si. i-RA-yo si. Irayo s<>i. — Irayo sivi, irayo sami, irayo sìmi, irayo sìyi, irayo sayi.
Kaltxì si. kal-TXÌ si. Kaltxì s<>i. — Kaltxì sivi, kaltxì sami, kaltxìmi, kaltxìyi, kaltxì sayi.

Wichtig ist noch fol­gen­des: Wenn in Ver­ben, die nicht mit einem Vokal begin­nen, die betonte Silbe nicht von Infix­en direkt berührt oder verän­dert wird, passiert da nichts weit­er. Soll heißen, dass die betonte Silbe auch betont bleibt. Ein gutes Beispiel dafür ist tireapängkxo:

Tireapängkxo. ti-RE-a-päng-kxo. Tireap<>ängkxo. — Tireapivängkxo, tireapamängkxo, tireapìmängkxo, tireapìyängkxo, tireapayängkxo.

 

 

Übung I:

Wählt das Verb aus, in welch­es das <iv>-Infix kor­rekt einge­fügt wurde:

1 / 19

kame

(jeman­den spir­ituell sehen, hinein­se­hen, ver­ste­hen, erkennen)

2 / 19

txung

(stören, unter­brechen, beun­ruhi­gen, neg­a­tiv auswirken auf)

3 / 19

ftem

(vor­beige­hen an, eine Gren­ze überschreiten)

4 / 19

wou

(aufre­gend sein, faszinierend sein, ange­tan sein)

 

5 / 19

hek

(kurios sein, uner­wartet sein, komisch sein, selt­sam sein, bemerkenswert sein, bizarr sein, merk­würdig sein)

6 / 19

sa

(sich ein­er Her­aus­forderung stellen, ein­er Her­aus­forderung gewach­sen sein)

7 / 19

rou

(betrunk­en sein, sich betrinken)

8 / 19

pänutìng

(ver­sprechen, ein Ver­sprechen geben, zusagen)

9 / 19

penghrr

(war­nen)

10 / 19

pängkxo

(unter­hal­ten, schwätzen, plaud­ern, quatschen, chatten)

11 / 19

lipx

(tropfen, tröpfeln)

12 / 19

pom

(küssen)

13 / 19

kxange

(gäh­nen)

14 / 19

meyam

(umar­men, in den Armen halten)

15 / 19

tse'a

(sehen, erblick­en)

16 / 19

za'u

(kom­men)

17 / 19

ska'a

(zer­stören, vernichten)

18 / 19

hena

(tra­gen)

19 / 19

pamt­seo si

(musizieren, ein Musikin­stru­ment spie­len, Musik machen)

Prozentzahl richtiger Antworten: 

0%

 

Übung II:

Wählt das Verb aus, welch­es übrig bleibt, nach­dem ihr das <iv>-Infix daraus entfernt:

1 / 5

fmivong

2 / 5

kivame

3 / 5

'ive­fu

4 / 5

'awstengyivem

5 / 5

kxivukx

Prozentzahl richtiger Antworten: 

0%

 

 

Warum ist das alles wichtig?

Nun, wie ihr oben schon beobacht­en kon­ntet, wer­den Modalver­bkon­struk­tio­nen mit dem Infix <iv> im Vol­lverb gebildet. Dies ist eine fixe Regel der Sprache, daher kommt man nicht drumherum gle­ich­sam mit den Modalver­ben auch das Infix <iv> ken­nen zu ler­nen bzw. was Infixe generell sind und wie man sie ver­wen­det. Die bei­den gehören ein­fach zusammen ;)

In den Beispie­len oben hat man ja schon einige Modalverb­sätze gesehen:

Ich möchte ler­nen. Oe new nivume.
Du willst jagen. Nga new tivaron.
Er muss gehen. Po zene kivä.
Sie dür­fen nicht ster­ben. Fo zenke tiverkup.
Sie begin­nt zu lesen.
Po sngä'i ivinan.
Du hörst auf zu schlafen. Nga ftang hivahaw.
Sie kön­nen malen. Fo tsun wiveyn.
Du darf­st essen. Nga tsun yivom.
Er wagt es zu fliehen. Po kom hivifwo.
Ich bevorzuge zu fliegen. Oe nul­new tswivayon.
Sie weigert sich zu gehorchen. Po sto livek.
Du beab­sichtigst zu töten. Nga kan tspivang.

Im Deutschen wird in solchen Kon­struk­tio­nen das Modalverb kon­jugiert, soll heißen, entsprechend so verän­dert, dass es zum Sub­jekt (der­jenige, der die Hand­lung macht) auch passt (z.B. wollen → du willst) — das Vol­lverb nach dem Modalverb bleibt unverän­dert, also in sein­er Grund­form (jagen → jagen).
Bei den Na'vi ist es genau umgekehrt: Das Modalverb bleibt in sein­er Grund­form unverän­dert (new → new), aber das Vol­lverb wird entsprechend durch <iv> verän­dert (taron → tivaron).
Modalverb + V<iv>ollverb. So geht das bei den Na'vi. ;)

 

Modalver­ben und Wortstellung

Eine weit­ere Regelung gibt es auch noch im Bezug zur Wort­stel­lung bzw. ‑ord­nung mit Modalver­ben. Dabei wird das Modalverb immer vor dem Vol­lverb platziert — wie in den Beispie­len oben schon gese­hen wurde.
Also: Modalverb, V<iv>ollverb. Oe new nivume. Nga tsun hivahaw. Und so weiter.

Man kann das Ganze aber natür­lich auch entsprechend anders anordnen:
New oe nivume.
Tsun nga hiva­haw.
Hier haben sich oe bzw. nga zwis­chen die bei­den zusam­menge­höri­gen Ver­ben gequetscht.
Oder aber:
New nivume oe.
Tsun hiva­haw nga.

Die einzige Regel dabei ist, dass das Modalverb immer vor dem Vol­lverb ste­hen muss. Wo genau im Satz ist rel­a­tiv flex­i­bel, sie soll­ten aber den­noch so nah wie möglich beieinan­der ste­hen. Alles andere ist nur Geschmackssache bzw. eine Sache der Her­vorhe­bung von einzel­nen Wörtern (siehe Abschnitt zu "Gewicht in Sätzen" in Lek­tion 03).

 

Modalver­bket­ten

Man kann Modalver­ben übri­gens auch beliebig oft aneinan­der­rei­hen und dadurch wahre Modalver­bket­ten erstellen. Dabei sollte man aber die logis­che Rei­hen­folge der Wörter bzw. Bedeu­tung ein­hal­ten. Beachtet dabei die Ver­wen­dung von <iv> in allen nach­fol­gen­den Modalver­ben und dem Vol­lverb:

Po ftang vivar fmivi hivahaw. Sie hört auf fortzuführen zu ver­suchen zu schlafen.
Tsun awnga vivar kivan fmivi srefpivìl futa tsun­slu tsaw. Wir kön­nen weit­er­führen zu beab­sichti­gen zu ver­suchen zu ver­muten, dass das möglich ist.

Darüber, wann der Ein­satz solch­er über­trieben lan­gen Modalver­bket­ten sin­nvoll ist (vor allem ohne dabei irgend­wann lächer­lich zu klin­gen), bleibt jedem selb­st über­lassen zu entschei­den. Kurze Modalver­bket­ten (beste­hend aus zumeist zwei Modalver­ben + Verb) kom­men jedoch ver­gle­ich­sweise häu­fig vor:

Oe new vivar nivume. Ich möchte fort­führen zu lernen.
Po tsun sngivä'i tivaron nì'i'a. Sie kann endlich anfan­gen zu jagen.

 

Fmi oder may'?

Und zu guter let­zt noch etwas zum Unter­schied zwis­chen fmi und may'; um den zu erk­lären bedi­ene ich mich ein­fach mal eines Zitats von Karyu Pawl, über­set­zt von xMine:

Das Verb may' bedeutet "aus­pro­bieren, pro­bieren, an etw. riechen, blick­en" – Ein­fach gesagt also etwas schnell mit allen Sin­nen zu beurteilen. Zusät­zlich umfasst may' nicht nur die sen­sorische Bedeu­tung (auch die des Geschmackssinns, Anm.v. EU), son­dern bein­hal­tet auch die Bedeu­tun­gen von "bew­erten, anpro­bieren, aus­pro­bieren". Man kön­nte zum Beispiel einen neuen Bogen may'-en, etwas neues zum Anziehen, ein unbekan­ntes pa'li, einen neu-gel­ern­ten Tanzschritt (…) Die Ermah­nung Mivay' oder May' ko ste­ht dabei für "Ver­suchs doch mal!". (…)

Aber wie es sich von fmi unter­schei­det bedarf wohl ein­er kleinen Erk­lärung. Fmi bedeutet so viel wie "aus­pro­bieren", man ver­sucht also, die besagte Aktion auszuführen. May' bezieht sich eher auf die Erfahrung, die man beim aus­führen ein­er Tätigkeit hat. (…)

Ver­gle­icht nun diese bei­den Sätze: Fmi mivak­to pa'lit! "Ver­such mal, das Schreck­en­spferd zu reit­en! (Ich wette, dass du das kannst!)" — May' mivak­to pa'lit! "Pro­bier mal, ein Schreck­en­spferd zu reit­en! (Vielle­icht wird dir das bess­er gefall­en, als ein Ikran zu reiten.)"

Kurz gesagt hat fmi etwas mit Fähigkeit zu tun, während may' sich eher auf Vor­liebe oder Geschmack bezieht.

 

Übung III:

Wählt die kor­rek­te Übersetzung:

1 / 7

Po sto 'iveyng.

2 / 7

Neytiri new tivaron.

3 / 7

Du musst putzen.

4 / 7

Oe ftang tivul.

5 / 7

Nul­new po slivele.

6 / 7

Mo'at begin­nt zu beten.

7 / 7

Er darf nicht singen.

Prozentzahl richtiger Antworten: 

0%

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