10: Besitzformen "mein" & "haben" — Genitiv (YÄ-Endung) + Dativ

"Haben"

In Lek­tion 4 haben wir diese Vari­ante bere­its aus­re­ichend ken­nen gel­ernt. Wir erin­nern uns:

Wenn man "etwas hat", ist die Kon­struk­tion rel­a­tiv ein­fach; lu + ‑ru:
Oeru lu puk. Mir ist ein Buch. = Ich habe ein Buch.
Diese Kon­struk­tion kann man aber auch noch erweit­ern, wenn man zum Beispiel fol­gen­des sagen möchte:
Oeru lu puk ngaru. Mir ist dir ein Buch. = Ich habe ein Buch für dich.

So weit so gut, jet­zt schauen wir uns weit­ere "For­men des Besitzes" an.

 

 

Der Gen­i­tiv (-Endung)

Neben dem Dativ ken­nt Na'vi auch den uns bekan­nten Gen­i­tiv. Ihn erken­nt man an -yä oder . Er kommt wie fol­gt zum Einsatz:

oe puk mein Buch
nge palukantsyìp deine Katze
pe tsko sein/ihr Bogen
Neytiri tsngal Neytiris Becher
Tsyeykä 'eylan Jakes Freund

 

Ngar smon oe 'ite. Dir ist meine Tochter bekan­nt / Du kennst meine Tochter.
Tsatute lu 'eveng nge. Jene Per­son ist dein Kind.

 

Wie ihr sehen kön­nt, ändert der Gen­i­tiv das Erschei­n­ungs­bild manch­er Per­son­al­pronomen; aus einem A oder O macht er plöt­zlich ein E: Aus  nga + yä wird nicht ngayä, son­dern nge und so weiter.

Die Gen­i­tiv­for­men der Pronomen wer­den übri­gens Pos­ses­sivpronomen genannt.

Hier eine Über­sicht darüber was der Gen­i­tiv mit (Personal-)Pronomen anstellt:

Pronomen Pos­ses­sivpronomen Pronomen Pos­ses­sivpronomen
oe
moe
pxoe
ayoe
oeyä
moeyä
pxoeyä
ayoeyä
nga
men­ga
pxen­ga
ayn­ga
nge
menge
pxenge
aynge
oeng
pxo­eng
ayo­eng /
awnga
oenge
pxo­enge
ayo­engeyä /
awnge
po
mefo
pxe­fo
(ay)fo
pe
mefe
pxefe
(ay)fe
fko fke sno sne

Zu fko und sno bzw. fkeyä und sneyä später mehr.

Die -Endung wird wie fol­gt gebildet:

Sub­stan­tive, die auf ein… enden, bekommen:

Kon­so­nant / LL / RR / O / U / Dop­pel­laute:

Vokal: -yä

Sub­stan­tive, die auf ein O oder U enden, bekom­men , nicht -yä ange­heftet! Beispiele: yay, tsk, kxut, re', hur.

Zudem gibt es einige wenige Aus­nah­men, bei denen der Gen­i­tiv noch ver­rück­ter spielt:
Neytiris Stamm, Omatikaya → Omatikayaä; die Fam­i­lie, soaia → soa. (Nomen, die auf ia enden, wer­den immer in umge­wan­delt, also z.B. auch tìftia → tìftiä oder aungia → aungiä.) Von diesen Aus­nah­men gibt es allerd­ings zum Glück nicht viele.

Beispiele:

auf … endend YÄ-Endung
Kon­so­nant Mo'at‑ä; payoang‑ä, 'angtsìk‑ä
Dop­pel­laut (AY, EY, AWEW) karyunay‑ä, Tsu'tey‑ä, taw‑ä, flew‑ä
Pseudovokal LLRR kxll‑ä, ngrr‑ä
Vokal 'ora-yä, fwäkì-yä, tute-yä
O, U yayo‑ä, kelku‑ä
IA soa, tìft, aung
-O und -A in Personalpronomen -e
Der Über­sicht und Ver­ständlichkeit zuliebe soll­ten Gen­i­tiv­for­men so nahe wie möglich am dazuge­höri­gen Sub­stan­tiv ste­hen; dies ist jedoch kein unbe­d­ingtes Muss, denn auch hier gibt es Aus­nah­men, zum Beispiel:
(Nga) Na'viyä lu hapxì. Anstatt: (Nga) Na'viyä hapxì lu.
Ich war mal so frei und habe den zer­e­moniellen Teil aus diesem Satz von Eytukan entfernt :P

 

Inter­es­sant wird's, wenn ein Satz mehrere Gen­i­tive bein­hält. Noch gibt es keine feste Regel dazu, in welch­er Rei­hen­folge man die in den Gen­i­tiv geset­zten Wörter platzieren muss, aber um unnötige Ver­wirrung zu ver­mei­den, sollte man sie in die gewollte bzw. logis­che Rei­hen­folge set­zen. Soll heißen, der­jenige, der etwas inne hat, wird direkt neben das entsprechende Wort gestellt, dann fol­gt der­jenige, der diesen inne hat, usw. — Beispiele:

Ich sehe die Frau meines Brud­ers.
Oel muntxateti tsmukanä oe tse'a.

Du kennst die Mut­ter des Fre­un­des mein­er Schwest­er.
Ngar smon sa'nok 'eylanä tsmuke oe.

Ich bin der Sohn des Klan­führers des Klans des schwarzen Flusses Pan­do­ras.
Oe lu 'itan olo'eyktanä olo'ä kil­vanä alay­on Eywa'evengä.

Je länger solche Gen­i­tivket­ten wer­den, desto ver­wirren­der wer­den sie in der Regel auch, also fragt euch immer, ob ihr das wirk­lich so aus­drück­en wollt oder ob es nicht geschick­ter wäre, das irgend­wie auf mehrere Sätze aufge­s­plit­tet zu for­mulieren oder wie auch immer :undecided: 

Das Ganze funk­tion­iert auch in die ent­ge­genge­set­zte Rich­tung, also nach ←links gerichtet anstatt nach rechts→:
Oe tsmukanä muntxatet oel tse'a.
Oe tsmuke 'eylanä sa'nok smon ngar.
Eywa'evengä lay­ona kil­vanä olo'ä olo'eyktanä 'itan oe lu.

 

Außer­dem gibt es noch eine andere Möglichkeit Besitz in Worte zu fassen — zumin­d­est was "unveräußer­lichen" Besitz (Kör­perteile, Seele, Stimme, Geschwis­ter, Eltern etc.) ange­ht. Wie man das anstellt ler­nen wir aber erst später.

 

Übung II:

Über­set­zt fol­gende (Teil-)Sätze ins Deutsche.

  1. Ngaru lu tìyawr.
  2. Pol zamunge tskoti oeyä.
  3. Oel peyä payoangit tse'a.
  4. Awngal mokrit poeyä stawm.
  5. tseng lu awngeyä.
Fìt­sko lu ngeyädieser Bogen ist dein­er. Das ist eine vierte Vari­ante, wie man Besitz aus­drück­en kann; je nach­dem, was man aus­drück­en möchte, hat man also mehrere Kon­struk­tio­nen zur Hand. :)

 

Übung III:

Über­set­zt fol­gende Sätze in die Sprache der Na'vi.

  1. Ihr drei habt ein Boot.
  2. Unser Heimat­baum ist groß.
  3. Du siehst deine Mutter.
  4. Ich esse ihre (ayfo) Frucht.
  5. Meine drei Kinder sind jung.
  6. Ich trage meines Vaters Becher.

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