30: Silben-Anatomie und Betonung

Hier möchte ich noch ein wenig tiefer auf den generellen Auf­bau von Wörtern bzw. der Sprache einge­hen, der auf Sil­ben basiert. Sofern ihr euch durch bish­er alle Lek­tio­nen durchgewühlt habt, ist euch sicher­lich aufge­fall­en, dass die Sil­bengliederung von Wörtern teil­weise anders als erwartet ver­läuft — und mit­tler­weile dürfte euer Sprachver­ständ­nis tief genug sein, um die hier behan­delte Materie zu verstehen ;)

 

Sil­ben­tren­nung

Ganz zu Anfang wurde auf NumeKo bere­its kurz gezeigt bzw. erk­lärt, wie Wörter in geläu­fi­gen Wörter­büch­ern dargestellt wer­den, darunter auch ihre Sil·ben·tren·nung und die Markierung der be·'ton·ten 'Sil·be (hier bis­lang immer unterstrichen dargestellt, auf Na'viteri.org wer­den be·TON·te SIL·ben generell in Großbuch­staben dargestellt). Eine kurze Auf­frischung:

Das Kern­stück ein­er jeden Silbe ist ihr Vokal. In jed­er Silbe kann jew­eils nur ein Vokal (inkl. Diph­thonge aw, ay, ew, ey und Pseudovokale rr, ll) vorkom­men. Beste­ht ein Wort aus mehreren nebeneinan­der­ste­hen­den Vokalen, wie z.B. au oder meuia, wer­den aus den einzel­nen Vokalen daher automa­tisch eigene Sil­ben ( a·u, me·u·i·a).

Generell kann man sagen, dass Sil­ben ein­er gewis­sen Har­monie unter­ste­hen, die sich zumeist wie fol­gt äußert: Kon­so­nant, Vokal, Kon­so­nant, Vokal, usw.
Und auch wenn Sil­ben nur aus Vokalen beste­hen kön­nen, wie z.B. in o·e, a·u oder u·o, oder sich mehrere Vokale aneinan­der­rei­hen, wie z.B. in me·o·a·u·ni·a·e·a oder le·i·o·a·e, so ist das geläu­figere Muster jedoch "Konsonant+Vokal", wie in z.B. 'rr·ta, ka·ngay, ka·me, pll·txe, ta·re oder ya·yo.
Oft wird dieses Muster noch um einen Kon­so­nan­ten am Ende ergänzt, wie in z.B. 'ang·tsìk, ye·rik, nan·tang oder a·to·ki·ri·na'.

Generell kann man davon aus­ge­hen, dass bei "Vokal, Kon­so­nant, Vokal" (kurz VKV) die Sil­ben­tren­nung wie fol­gt erfol­gt: V.KV anstelle von VK.V.
Zusam­men­fassend kann man also sagen, dass die fol­gen­den Sil­ben­tren­nungss­chema­ta geläu­fig sind: V.V, KV.KV(K) oder V.KV.

Es gibt aber auch hier Aus­nah­men. Manche Sil­ben haben eher fol­gende Struk­tur: VK.VK bzw. Vokal+Konsonant.
Beispiel: kxang·ang·ang

Achtet daher in Wörter­büch­ern immer auf die Sil­ben­tren­nung und ver­sucht diese zu verin­ner­lichen bzw. mit jedem Wort mitzuler­nen (neben sein­er Beto­nung und Infix­po­si­tio­nen bei Verben) ;)

 

Jeden­falls ist es genau dieser rhyth­mis­che Wech­sel zwis­chen Kon­so­nan­ten und Vokalen das, was diese Sprache so wohlk­lin­gend macht.

Die Regeln hin­ter Infix­en und Prä- bzw. Suf­fix­en haben let­ztlich auch diese Har­monie zum Ziel; deswe­gen wird z.B. zwis­chen auf Kon­so­nan­ten enden­den Sub­stan­tive und ein­er Fal­l­en­dung ein Vokal "gesteckt", um diese Har­monie zu erhal­ten. Auch Infixe erweit­ern Ver­ben um teils mehrere Sil­ben, ohne dabei eben diese Har­monie zu ver­nach­läs­si­gen. Ver­sucht in Zukun­ft selb­st mal darauf zu acht­en ;) Der­weil einige Beispiele:

Ver­ben + Infixe:
ka·me → k<ì·ye·v>a·me → kì·ye·va·me
pll·txe → pll·tx<ä·ng>e → pll·txä·nge
ta·ron → t<l>a·ron → to·la·ron
haw·nu → h<il·v>aw·nu → hil·vaw·nu
ron·srel·ngop → ron·srel·ng<i·v>op → ron·srel·ngi·vop
hang·ham → h<r>ang·ham → he·rang·ham

(Nicht vergessen, dass die Beto­nung in den meis­ten Fällen auf dem Vokal der beton­ten Silbe bleibt, selb­st wenn dieser durch Infixe im Wort ver­schoben wird.)

Adjek­tive + a:
txan·tslu·sam → txan·tslu·sam·a / a·txan·tslu·sam
txur → txur·a / a·txur
le·sar → le·sar·a / (a·)le·sar
kll
·vawm → kll·vawm·a / a·kll·vawm

Sub­stan­tive + Fallendungen:
tsa·hìk → tsa·hìk·ìl / tsa·hìk·it
u·ngi·a → a·u·ngi·al / a·u·ngi·at / a·u·ngi·a·ti
srung srung·ì·ri

 

 

Sil­ben­regeln

Dabei unter­ste­ht die Na'vi-Silbe aber selb­st eini­gen Regeln. Diese Sil­ben­regeln sind das Skelett der Sprache und nicht jede Kom­bi­na­tion aus Kon­so­nant und Vokal ist beliebig zusam­men­stell­bar, und manche Kon­son­tan­ten treten z.B. vorzugsweise bzw. auss­chließlich am Anfang ein­er Silbe auf. Vor allem mipa aynu­meyu zer­brechen sich daran spätestens dann den Kopf, wenn es darum geht, einen Na'vi-Namen für sich selb­st zu erfinden. ;)

Pamìrìk (er hat mich generell über­haupt erst zu dieser Lek­tion hier inspiri­ert) hat­te sich mal die Mühe gemacht, genau dies in ein­er knack­i­gen Ver­an­schaulichung zu erk­lären (ich war lediglich so frei es auf Deutsch zu übersetzen);

Die Tabelle dürfte zusät­zlich deut­lich machen, dass Vokale das Herzstück der Sil­ben bzw. der Sprache generell sind. ;3

Welche Kon­so­nan­ten auch am Ende ein­er Silbe vorkom­men dür­fen, ver­rät uns zum Großteil auch das gesproch­ene Alpha­bet der Na'vi:

tìF­tang, A, AWAY, Ä, E, EWEY, Fä, Hä, I, Ì, KeK, KxeKx, LeL, 'Ll, MeM, NeN,
NgeNg, O, PeP, PxePx, ReR, 'Rr, Sä, TeT, TxeTx, Tsä, U, Vä, Wä, Yä, Zä

 

Noch nicht durchge­blickt? Kein The­ma, ver­suchen wir's nochmal mit ein­er anderen Darstel­lungsweise, die direkt von Karyu Pawl selb­st stammt:

Analyse ini­tialer / vor­ange­hen­der Kon­so­nan­ten­clus­ter: KK___ *
* Entspricht "Prä-Kon­so­nant" und "Start-Kon­so­nant" aus der Tabelle von Pamìrìk (s.o.)

 

px tx kx
p t k '
ts
f s h
v z
m n ng
r, l
w y

 

Beispiele:

fngap
"Met­all"
fpxäkìm
"betreten, hereinkom­men"
skxom
"Gele­gen­heit, Chance"
stxeli
"Geschenk"
tskxe
"Stein"
tsngawvìk
"weinen, heulen"

 

 

Dieses Wis­sen ist vor allem dann enorm wichtig, wenn man beim LEP ("Lan­guage Expan­sion Project"; Mit­glieder unser­er Com­mu­ni­ty "erfind­en" neue Wörter, die Karyu Pawl dann entwed­er übern­immt und in die Sprache einpflegt oder ablehnt) mit­machen möchte. Um sin­nige und den Regeln entsprechende Wörter erfind­en zu kön­nen, sollte man die hier erwäh­n­ten Regeln beson­ders beherzi­gen und verin­ner­licht haben.

Hier noch eine Liste der möglichen (8690) Sil­ben (ohne Gewähr auf Voll­ständigkeit): Na'vi Sil­ben .PDF (65,2 KB) - die orig­i­nale Liste wurde von Karyu Pawl höch­st­per­sön­lich erstellt und dann an Prrton oder wm.annis weit­erg­ere­icht, der diese .PDF-Datei hier erstellt hat.

Und hier kön­nt ihr euch selb­st testen, wie gut ihr betonte Sil­ben ken­nt oder erkennen/erraten kön­nt: http://tskxekeng.wimiso.nl — unbe­d­ingt empfehlenswert!

 

 

Übung I:

Markiert die Sil­ben (macht die Sil­ben­tren­nung sicht­bar) inner­halb fol­gen­der Haikus (Quelle; ein Haiku ist eine japanis­che Gedicht­form, beste­hend aus drei Zeilen; die erste und let­zte Zeile umfassen 5 Sil­ben, die mit­tlere Zeile umfasst 7 Sil­ben) und über­set­zt sie:

 

Haiku Nr.1 von Ezy Ryder:
Lolatem oe.
Swey­lu fwa tsakem soli.
Slä, srake nimvew?

 

Haiku Nr.2 von BlueElf:
Mrrtrr 'oli'a.
Nì'i'a! Tsun tsivurokx
fko vay trr'awve.

 

Haiku Nr.3 von 阿波:
Ngeyä flawmit oel
'eram­peiyi nìflrr,
Ta'lengit zerìm.

Swaw 'i'ängia,
Tätx­aw nek­ifkey oeyä,
A tsat ngal ke tok.

Slä zir ahewne
'erì'eiawn nìy­ol,
Na ke new txilvìng.

 

Haiku Nr.4 von EanaUnil:
Tseo lu reypay.
Fwa weyn sye­ha leiu,
ma relt­seo­tu.

 

 

Beto­nung / Wortakzent

Auf dieser Seite habe ich an mehreren Stellen beina­he schon mah­nend erwäh­nt, wie wichtig es ist die Beto­nung von Wörtern bzw. der beton­ten Silbe von Wörtern genug Aufmerk­samkeit zu wid­men und diese beim Vok­a­beller­nen etc. unbe­d­ingt mitzuler­nen x) Oder wie sich die Beto­nung von Wörtern verän­dert (bzw. eben wie nicht), wenn Wörter durch z.B. Affixe verän­dert werden.

Aber wie betont man richtig? Was genau passiert dabei bzw. wie sollte das Ergeb­nis ausse­hen bzw. sich anhören?
Wird die betonte Silbe lauter gesprochen? — Nein.
Der Vokal darin länger gezo­gen? — Eben­falls nein.
Die Silbe nur ange­hoben? — Jep!

Let­zteres ist richtig: Die betonte Silbe wird ange­hoben, auch genan­nt "Tonakzent" oder "pitch accent" im Englis­chen. Dabei entste­ht eine kleine Berg- und Tal­fahrt im Wort selbst:

ka·me, ↗↘
kì·ye·va·me, ➡️➡️↗↘
ron·srel·ngi·vop, ↗↘➡️➡️
me·o·a·u·ni·a·e·a, ➡️➡️➡️➡️➡️➡️↗↘

Es ist im Grunde der selbe Vor­gang wie in der deutschen Sprache:

Sil·be, ↗↘.
Da wird das "i" in "Sil" nicht länger gezo­gen, sodass daraus ein "ie" wird, also nicht "Sielbe". Son­dern die erste Silbe hat ein­fach mehr Wucht, mehr Stärke, ist die starke Silbe des Wortes.
Was aber nicht heißt, das "Sil" wesentlich lauter gesprochen wird. "Sil" wird ein­fach ange­hoben — egal ob man flüstert oder laut spricht, das Ergeb­nis der Sil­ben­melodie bleibt gleich.
Versucht's selb­st ein­mal, flüstert die hier vorgestell­ten Wörter — ihr werdet merken, dass man sog­ar beim Flüstern die betonte Silbe her­aushören kann. Bzw. man sollte sie her­aushören können ;)

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