05: Einzahl und die 3 Formen der Mehrzahl + Lenition & "werden"

Die Mehrzahl-Prä­fixe

Die Na'vi nehmen das mit der Mehrzahl viel genauer als wir Men­schen. Wir unter­schei­den dazwis­chen, ob es z.B. nur ein Ding (Sin­gu­lar, Ein­zahl) ist oder mehr als eins (Plur­al, Mehrzahl). Die Na'vi unter­schei­den dage­gen dazwis­chen, ob man von einem Ding, zwei Din­gen, drei Din­gen oder vier (oder mehr) Din­gen spricht. Im Zusam­men­hang mit der Sprache der Blauen wer­den diese For­men generell Sin­gu­lar (1, "Ein­zahl"), Dual (2, "Zweizahl"), Tri­al (3, "Dreizahl") und Plur­al (4+, "Mehrzahl") genan­nt.

Sin­gu­lar: Ein­zahl, 1 von etwas
Dual: Zweizahl, 2 von etwas
Tri­al: Dreizahl, 3 von etwas
Plur­al: Mehrzahl, 4 oder mehr von etwas

Prä­fix: etwas, das direkt vorne an einem Wort ange­heftet wird

Der Plur­al verän­dert Sub­stan­tive auch im Deutschen, aus einem Vogel wer­den mehrere Vögel. Aus einem Buch wer­den mehrere Bücher. Na'vi macht das ein wenig anders, und zwar indem die Mehrzahlfor­men vor ein Sub­stan­tiv "getack­ert" wer­den (soge­nan­nte "Prä­fixe"):

 

SINGULAR DUAL TRIAL PLURAL
mikyun
das Ohr
memikyun
zwei Ohren
pxemikyun
drei Ohren
aymikyun
vier oder mehr Ohren
ato­kirina'
Saat des großen Baumes
meato­kirina' pxeato­kirina' ayato­kirina'
ikran
Ban­shee
meikran pxeikran ayikran

 

 

Übung I:

"Vogel" heißt auf Na'vi yayo. Was wäre dem­nach "zwei Vögel, drei Vögel und vier oder mehr Vögel" auf Na'vi? Wie schaut's mit "Baum", utral, aus? Oder "Auge", nari ?

1 / 9

ein Vogel — yayo; zwei Vögel — ?

2 / 9

ein Vogel — yayo; drei Vögel — ?

3 / 9

ein Vogel — yayo; 4 oder mehr Vögel — ?

4 / 9

ein Baum — utral; zwei Bäume — ?

5 / 9

ein Baum — utral; drei Bäume — ?

6 / 9

ein Baum — utral; 4 oder mehr Bäume — ?

7 / 9

ein Auge — nari; zwei Augen — ?

8 / 9

ein Auge — nari; drei Augen — ?

9 / 9

ein Auge — nari; 4 oder mehr Augen — ?

Prozentzahl richtiger Antworten:

0%

 

Nicht alle Wörter kön­nen auf Na'vi in den Plur­al geset­zt wer­den, d.h. es gibt einige wenige Aus­nah­men, die nicht zählbar sind und somit immer im Sin­gu­lar (Ein­zahl) bleiben!
Zum Beispiel rurur (Wasser­fall) oder syuve (Nahrung, Essen). Auch hier ist es immer hil­fre­ich zur Sicher­heit nochmal im Wörter­buch nachzuschla­gen, ob Nomen entsprechend gekennze­ich­net wur­den.

 

 

Leni­tion / Lenierung / Lenisierung

"Ja, was denn nun? Leni­tion, Lenierung oder Lenisierung?!" — Nun, im Englis­chen ist von "leni­tion" die Rede, im Deutschen ist eigentlich "Lenisierung" der kor­rek­te Begriff, jedoch hat sich "Lenierung" im Kreis der Na'vi-Lernenden irgend­wie einge­bürg­ert. Gemeint ist ein und das­selbe:

Lenisierung: Abschwächung der Aussprache von (bes­timmten) Laut­en; "Weich­spülung" bzw. "Erwe­ichen" bes­timmter Kon­so­nan­ten am Anfang eines Wortes.

Warum ich das anspreche? Nun, die Mehrzahlbil­dung kann dieses Phänomen her­vor­rufen.
Habt ihr euch noch nicht gewun­dert, warum es po in der Ein­zahl, aber (ay)fo in der Mehrzahl heißt? ;)
Das passiert, weil aus P ein F wird — dank Leni­tion. Diese tritt aber nur bei fol­gen­den Kon­so­nan­ten auf:

'   K   KX   P   PX   T   TS   TX

Durch diese Erwe­ichung mutieren diese Kon­son­tan­ten also qua­si zu ihrer jew­eils schwächeren bzw. weicheren Vari­ante: ' wird ein­fach wegge­lassen, aus K wird ein H, aus KX ein K, aus P ein F, aus PX ein P, aus T und TS ein S, aus TX ein T.

Hier nochmal etwas über­sichtlich­er:

' 'angt­sìk → meangt­sìk, pxeangt­sìk, (ay)angt­sìk
K H karyu → meharyu, pxeharyu, (ay)haryu
KX K kxutu → mekutu, pxekutu, (ay)kutu
P F payoang → mefayoang, pxefayoang, (ay)fayoang
PX P pxawpa → mepawpa, pxepawpa, (ay)pawpa
T S tute → mesute, pxesute, (ay)sute
TS S tsam → mesam, pxesam, (ay)sam
TX T txe'lan → mete'lan, pxete'lan, (ay)te'lan

 

Vor allem bei der Mehrzahlbil­dung tre­f­fen manch­mal gle­iche Vokale und zum Teil auch gle­iche Kon­so­nan­ten direkt aufeinan­der.
In der Regel ver­schmelzen gle­iche Vokale zu einem (e + e = e, a + a = a etc.), aus 'eylan (ein Fre­und) wird also meylan (zwei Fre­unde) und nicht meey­lan:
'eylan → me+'eylan → me'eylan → meeylan (Lenisierung, ' ver­schwindet, e+e=e) meylan.

Weit­ere Beispiele: ein Kind, 'eveng, zwei Kinder, meveng, drei Kinder, pxeveng. 'evi → mevi, pxevi. Eyk­tan → meyktan, pxeyktan. 'ewll → mewll, pxewll.

Dies gilt aber (meis­tens) nicht für Kon­so­nan­ten (y + y = yy, n + n = nn etc.)! Am häu­fig­sten lässt sich dies bei Wörtern beobacht­en, die mit einem Y anfan­gen: Aus einem Vogel, yayo, wer­den mehrere Vögel, ayyayo. Yerikayyerik.

Wenn Leni­tion auftritt, kann man ay+ auch weglassen (einzige mir bekan­nte Aus­nahme: 'u → ayu, niemals nur u), weil durch die Leni­tion eh klar ist, dass es sich um den Plur­al han­delt. me+ und pxe+ darf man aber niemals weglassen, wenn man sie schon benutzt; dafür sind sie zu spez­i­fisch! ;)

Ganz wichtig:  ay+ darf man nicht bei Wörtern im Plur­al weglassen, bei denen keine Leni­tion aufge­treten ist! Würde man dies tun, so würde aus bspw. 4 oder mehr Bäu­men wieder nur ein Baum (ayu­tral → utral).
' wird nicht leniert, wenn darauf direkt ein LL oder RR fol­gt, also z.B. bei 'rrta (Plan­et Erde; ay'rrta, Plan­eten Erde) oder 'lln­go (Hüfte; ay'llngo, Hüften). Diese Wörter benutzt man aber nicht sehr häu­fig, also keine Bange, soll­tet ihr es mal vergessen ;)

 

Leni­tion taucht nicht nur bei der Plu­ral­bil­dung auf, son­dern auch bei eini­gen Adpo­si­tio­nen. Sie lenieren nicht nur Sub­stan­tive, son­dern u.U. auch Adjek­tive. Diesem The­ma wid­men wir uns aber erst später.

 

Übung II:

Wäh­le die kor­rek­ten For­men für den Dual, Tri­al und Plur­al von fol­gen­den Wörtern:

1 / 9

puk (das Buch):

2 / 9

tsn­gal (der Bech­er, die Schale, das Gefäß):

3 / 9

uran (das Boot):

4 / 9

olo' (der Klan):

5 / 9

kilvan (der Fluss):

6 / 9

tsahìk (die Schamanin, die spir­ituelle Führerin):

7 / 9

pa'li (das Schreck­en­spferd):

8 / 9

'eylan (der Fre­und):

9 / 9

txele (das The­ma, die Angele­gen­heit):

Prozentzahl richtiger Antworten:

0%

 

Übung III:

Wäh­le die kor­rek­ten Über­set­zun­gen fol­gen­der Sätze aus:

1 / 6

2 / 6

Du isst drei Fis­che.

3 / 6

Ich will zwei Tey­lu!

4 / 6

5 / 6

6 / 6

Sawtutel meoau­niaeati txung.

Prozentzahl richtiger Antworten:

0%

Vok­a­beln: olo'eyktan = Klan­führer; ultxa si = (sich) tre­f­fen (geplant); = und (Aufzäh­lung von Dingen/Handlungen); pängkxo = sich unter­hal­ten, quatschen, plaud­ern; new = wollen, möcht­en; 'eko = angreifen, attack­ieren; tsray = das Dorf; trram = gestern; txele = die Angele­gen­heit, das The­ma; teri = über, betr­e­f­fend; taw­tute = Him­mels­men­sch; meoau­ni­aea = Har­monie, das Leben in Bal­ance mit der Natur; txung = stören, unter­brechen, sich auf etwas neg­a­tiv auswirken.

 

Übung IV:

Welche Über­set­zun­gen sind richtig?

1 / 4

Ich sehe drei Kinder.

2 / 4

Du hast zwei Geschwis­ter.

3 / 4

Die Na'vi jagen zwei Thana­tore.

4 / 4

Ich koche Speisen.

Prozentzahl richtiger Antworten:

0%

 

Übung V:

Kreuz­worträt­sel-Attacke! :D (ay- wird nicht wegge­lassen! Wenn zwei Zif­fern in einem Feld ste­hen, ist die erste Zif­fer waagerecht, die zweite senkrecht.)


1. zwei Bäume
2. mehrere Vögel
3. drei Boote
4. zwei Beine
5. mehrere Bögen
6. der Name
7. drei Kinder
8. das Wort
9. drei Kör­p­er
10. mehrere Stim­men
11. zwei Augen
12. die Haut
13. mehrere Fall­en
14. zwei Fam­i­lien
15. drei Dör­fer
16. das Essen, die Nahrung
17. zwei Flüsse
18. mehrere Mahlzeit­en
19. drei Tiere
20. mehrere Pflanzen
21. zwei Heimat­bäume
22. drei Väter
23. mehrere Wege, mehrere Pfade
24. zwei Mörder
25. drei alte Per­so­n­en

 

 

Wer­den — slu

Wir haben jet­zt schon einige hil­fre­iche essen­tielle Ver­ben ken­nen gel­ernt, z.B. lu oder tok und so weit­er. Ein weit­eres, was man auch am Anfang häu­figer gebrauchen kön­nte ist "wer­den". Das Schöne daran ist, dass es eigentlich fast genau so wie in der deutschen Sprache funk­tion­iert:

Oe slu taronyu. Ich werde (ein) Jäger.

Nga tsawl slu. Du wirst groß. = Du wächst.

Das funk­tion­iert wun­der­bar und ist her­rlich ein­fach, nicht wahr? ;) Dank der hier ver­wen­de­ten Per­son­al­pronomen "ich" oder "du", gibt es da auch keine Gefahr für Ver­wirrung oder Unklarheit.

Was ist aber, wenn ich fol­gen­des sagen möchte?

Tsam­siyu slu taronyu. Der Krieger wird Jäger. Oder… Der Jäger wird Krieger. :huh:

 

Denkt dran, Na'vi haben eine freie Wort­stel­lung, daher kann es bei­des heißen. Und weil es bei­des heißen kann, kann das für Ver­wirrung sor­gen. Diese Gefahr ist meis­tens dann gegeben, wenn man zwei gle­ich­w­er­tige Wortk­lassen (also z.B. Sub­stan­tiv + Sub­stan­tiv oder Pronomen + Pronomen) mit slu ver­wen­det, wie das hier in dem Satz gemacht wurde.

Um diese Ver­wirrung gar nicht erst aufkom­men zu lassen, haben wir für solche Fälle ein kleines Wörtchen, welch­es wir in dem Satz ver­bauen kön­nen: ne ("zu, nach, bis"). Dabei wird es vor dem "Ergeb­nis" platziert, wozu das "Aus­gangswort" wird:

Tsam­siyu slu ne taronyu. Der Krieger wird zum Jäger.

Ne tsam­siyu slu taronyu. Der Jäger wird zum Krieger.

Ver­wirrung und Missver­ständ­nisse aus­geschlossen! :D

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