28: fìtsap & 'awsiteng & sno

fìt­sap

Fìt­sap (adv.) heißt so viel wie "einan­der, gegen­seit­ig". Bei sein­er Ver­wen­dung muss man fol­gen­des beacht­en:

 

Wie wir in Lek­tion 13 schon gel­ernt haben, kann man <äp> auch ohne fìt­sap ver­wen­den:

Po mäpeyam. Er/sie umarmt sich selb­st.

Warum ich das erwähne? Nun, wenn man fìt­sap ver­wen­den möchte, muss man gle­ich­sam auch <äp> ver­bauen:

Mefo fìt­sap mäpeyam. Die bei­den umar­men einan­der / sich gegen­seit­ig.

Zum gegen­seit­i­gen Umar­men braucht man min­destens zwei Indi­viduen, weswe­gen hier mefo ver­wen­det wurde. Mit po (Sin­gu­lar) allein würde das wenig Sinn machen ;) — die Vari­ante nur mit <äp> und ohne fìt­sap (s.o.) wäre dann die richtige Wahl.
Unter­suchen wir's mal: Was würde passieren, wenn man fìt­sap hier in dem Satz mit mefo wegließe?

Mefo mäpeyam. Die bei­den umar­men sich selb­st.

Jed­er der bei­den umarmt sich selb­st, anstatt dass die bei­den sich gegen­seit­ig umar­men. Geht auch, aber… ist biss­chen merk­würdig. Zwei Leute, die nebeneinan­der ste­hen und nur sich selb­st in die Arme schließen, nicht jedoch den anderen bzw. einan­der :fpil: Dann doch lieber die Ver­sion mit fìt­sap :cheesy:

 

Zusam­men mit fìt­sap sieht man den Dual (me+) am häu­fig­sten, jedoch ist der Tri­al (pxe+) und Plur­al (ay+) genau­so denkbar:

Ayfo fìt­sap mäpeyam. Sie (alle/4+) umar­men sich gegen­seit­ig. (Grup­penkuscheln, hrh!)

 

Kurzum: Kein fìt­sap ohne <äp>!

Weit­ere Beispiele:

 

Zìsì­to avol ke tsäpole'a fo fìt­sap. Acht Jahre lang haben sie einan­der nicht gese­hen. Sie haben sich acht Jahre lang nicht gese­hen.

Mefo fìt­sap mäpoleyam tengkrr tsngawvìk. Die bei­den haben sich gegen­seit­ig weinend ("während sie wein­ten") umarmt.

Tìs­raw letokx sì tìngusä'än pxìm täpare fìt­sap. Kör­per­lich­er Schmerz und Depres­sion ste­hen oft in Beziehung/Verbindung zu einander/miteinander.
Hier wird fìt­sap anstatt 'awsiteng (s.u.) ver­wen­det, auch wenn man aus dem Deutschen her­aus vielle­icht eher zu 'awsiteng greifen würde, was aber falsch wäre.

Moe sìlpey nìteng tsnì pxo­eng tsäpìyeve'a fìt­sap ye'rìn nìmun. Wir bei­de hof­fen eben­falls, dass ihr drei euch (einan­der) sehr bald wieder­se­hen möget/werdet.

Txilte Rin­isì täpare fìt­sap nìsoa­ia, slä tsal­sun­gay ke nìo­lo' takr­ra Rini muntxa slolu. Txilte und Rini sind (ver­bun­den) wie eine Fam­i­lie, aber den­noch nicht wie ein Klan, seit­dem Rini geheiratet hat.

Ulte wä sìkawng a fìtìwusemìri, zene awnga nìwotx fìt­sap släpivan. Und wir müssen uns einan­der ohne Aus­nahme gegen das Übel, das dieser Krieg ist, unter­stützen.

 

 

Und dann haben wir aber noch so etwas:

Mefo yawne lu (snor) fìt­sap. Die bei­den lieben einan­der. Die bei­den lieben sich.
Sno bezieht sich hier auf mefo zurück, da es das Reflex­ivpronomen der drit­ten Per­son ist.

Fo smon (snoru) fìt­sap nìwotx. Sie alle ken­nen einan­der. Sie alle sind einan­der bekan­nt.

Moe smon (moeru) fìt­sap. Wir bei­de ken­nen einan­der. Wir bei­de ken­nen uns. Wir bei­de sind uns gegen­seit­ig bekan­nt.
Hier kann kein snoru statt moeru ver­wen­det wer­den, weil moe die erste Per­son ist — sno funk­tion­iert aber nur als Reflex­ivpronomen der drit­ten Per­son!

Ma muntx­atu, oeng yawne lu (oen­garu) fìt­sap, kefyak? Liebling, wir lieben einan­der, nicht wahr?
Das gle­iche Spiel hier wie im Satz ger­ade mit moe, nur mit oeng.

 

Also müsste der gelbe Kas­ten oben eigentlich fol­gen­des sagen:

Kurzum: Kein fìt­sap ohne Reflex­iv (z.B. <äp> oder sno)!

Auch wenn das Reflex­ivpronomen sno oder eine andere Ver­sion (moeru, oen­garu, etc.), die eben­falls auf das Sub­jekt des Satzes zurück spiegelt, in diesen bei­den Beispiel­sätzen aus­geklam­mert wurde (weil es rein the­o­retisch auch fall­en gelassen wer­den kann), heißt es nicht, dass fìt­sap diese nicht benötigt.
Also selb­st wenn ihr fìt­sap alleine ste­hend ohne <äp> vorfind­et, so heißt dies, dass irgend­wo ein ver­steck­tes reflek­tieren­des Pronomen oder der­gle­ichen ver­steckt sein muss!

Beispiel:

Fìt­sap, aber kein <äp> in Sicht?
Tsenu sì Loak fìt­sap ke ha' kaw'it. Tsenu und Loak passen über­haupt nicht zu einan­der.
Also bleibt nur, dass ein Pronomen (im Dativ) ver­steckt sein muss:
Tsenu sì Loak (meforu) fìt­sap ke ha' kaw'it. Tsenu und Loak passen über­haupt nicht zu einan­der.

 

Es ist zwar keine feste Regel, aber euch dürfte aufge­fall­en sein, dass fìt­sap und das dazuge­hörige (reflex­ive) Pronomen oder Verb mit <äp> immer recht nah beieinan­der ste­hen. Dies ist kein Muss, zumin­d­est ist mir keine entsprechende Regel bekan­nt, es macht aber dur­chaus Sinn dies so zu hand­haben, da es das Ver­ste­hen des Satzes erle­ichtert.

 

Zu sno gibt's weit­er unten noch mehr Infos.

 

 

'awsiteng

'awsiteng (adv.) heißt so viel wie "zusam­men, gemein­sam, miteinan­der". Bei diesem Wörtchen gibt es zum Glück nicht so viel zu beacht­en wie bei fìt­sap - es kann ohne viel Klim­bim ver­wen­det wer­den, um Ver­ben (Hand­lun­gen) oder Nomen etc. zu ergänzen:

 

Zene oe 'awsiteng tìkangkem sivi fohu. Ich muss mit ihnen zusam­men arbeit­en.

Oe new ngahu 'awsiteng tìkangkem sivi – ke new futa wäsivul oeng. Ich möchte mit dir zusam­men arbeit­en — ich möchte nicht, dass/und nicht, dass wir miteinan­der konkur­ri­eren.

Fwa Ìstawhu 'awsiteng tìkangkem si ke sunu oer; tìn­gongìri ke lu kaw­tu na po. Zusam­men mit Ìstaw zu arbeit­en gefällt mir nicht; nie­mand ist so faul wie er.

Koren a'awve tìruseyä 'awsiteng. Die erste Regel des Lebens zusam­men / Zusam­men­lebens.

Oeyä ikran slivu nga, tsakrr oeng 'awsiteng mivak­to. Werde mein Ikran, (und) dann lass uns bei­de zusam­men reit­en.

Nìtr­rtrr yom Na'vil wut­sot 'awsiteng pxaw ylltx­ep. Die Na'vi essen nor­maler­weise zusam­men (das Essen) ums Lager­feuer herum.

Fwa tsol­un nga ziva'u moeyä kelkune fte tsivun pxoe 'awsiteng kiväteng nìmun oeru teya soleiyi nìn­gay. Dass du zu unser bei­der Heim kom­men kon­ntest, sodass wir drei wieder zusam­men Zeit ver­brin­gen kon­nten, hat mich wahrlich mit Freude erfüllt.

Oeng rewon­ay 'awsiteng tivaron ko. Lass uns bei­de mor­gen früh zusam­men jagen gehen.

Mengeyä tìreyìl 'awsiteng men­garu zamìye­vunge txana fpomit sì fpom­tokx­it. Möge euer bei­der Leben zusam­men euch bei­den viel Glück (Friede) und Gesund­heit brin­gen.

 

 

sno

Dieses Reflex­ivpronomen der drit­ten Per­son ("er/sie/es — sie/sie/sie") haben wir ja ger­ade nochmal aus­führlich unter "fìt­sap" betra­chtet. Bish­er ist es uns vor allem aber auch in sein­er Gen­i­tiv­form begeg­net, näm­lich sneyä (Lek­tion 7, Lek­tion 8). Da sno aber dur­chaus darüber hin­aus zu Ver­wirrung führen kann, schauen wir uns dieses kleine Pronomen noch mal etwas genauer an.

Es kommt immer dann zum Ein­satz, wenn sich etwas auf das Sub­jekt des Satzes zurück­beziehen soll, dieses Sub­jekt die dritte Per­son ist und die Ver­wen­dung von <äp> keine Option ist. Ob das Sub­jekt des Satzes in der Ein­zahl oder Mehrzahl ste­ht oder welche Fal­l­en­dung es hat spielt dabei keine Rolle; man muss dabei nur beacht­en, dass sno immer im Sin­gu­lar bleibt; mes­no, pxes­no oder aysno wären falsch, weil es gegen die Regeln der Sprache ver­stoßen wüde ;) Fal­l­en­dun­gen und adp. darf man aber dur­chaus an sno anhän­gen.

Mefo yawne lu (snor) fìt­sap. Die bei­den lieben einan­der. Die bei­den lieben sich.
Sno bezieht sich hier auf mefo zurück.

Fo smon (snoru) fìt­sap nìwotx. Sie alle ken­nen einan­der. Sie alle sind einan­der bekan­nt.
Sno bezieht sich hier auf fo zurück.

Pxìmun'i sam­siyul ayswiz­a­w­it snokip nì'eng. Die Krieger teilen die Pfeile fair/gleichmäßig untere­inan­der / unter sich selb­st auf.
Hier wurde kip an sno ange­hängt.

Man muss je nach Satz und Gegeben­heit­en abwä­gen, ob sno, oder <äp>, oder eine andere Kon­struk­tion die passende Wahl ist.

Ver­gle­ichen wir mal:

Pol snoti tspang. Er bringt sich selb­st um.

Jaaa, ok… funk­tion­iert the­o­retisch, aber kein Na'vi auf Pan­do­ra würde das so sagen. Stattdessen wür­den sie es so for­mulieren:

Po tspäpang. Er bringt sich selb­st um.

Sno ist hier also keine Option. Aber wie schaut's hier­mit aus?

Snori poru lu nrra. Bzgl. sich selb­st, ist ihm Stolz. Er ist stolz auf sich selb­st.

Jaaa, auch ok, kann man machen, wenn dieser Stolz etwas pos­i­tives ist, und nichts mit Eingebildetsein/Überheblichkeit/Arroganz zu tun hat… Dies wäre näm­lich:

Poru lu snon­r­ra. Ihm ist Selb­st­stolz. Er ist eingebildet/arrogant/überheblich.
Snon­r­ra ist keine Form von sno, son­dern ein eigen­ständi­ges Sub­stan­tiv, zusam­menge­set­zt aus sno und nrra.

 

Am häu­fig­sten sieht man sno aber in sein­er Gen­i­tiv­form, sneyä. Und die haben wir ja bere­its aus­führlich, wie erwäh­nt, in Lek­tion 7 und Lek­tion 8 behan­delt.

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