Lektion 31: Denke wie die Na'vi + hrh

Es gibt ein "Sprich­wort" inner­halb der LearnNa'vi-Community; "trans­late the mean­ing, not the words", also "Über­set­ze die Bedeu­tung, nicht die Wörter".
Dieses Sprich­wort gibt es nicht umson­st, denn die "Denke" der Na'vi, vor allem auch was ihre Sprache ange­ht, ist ziem­lich anders als unsere eigene, sprich die der Erdlinge, die eine indoger­man­is­che Sprache als Mut­ter­sprache haben, eben zum Beispiel Deutsch oder Englisch.

 

Ger­ade Sprachan­fänger haben damit ver­ständlicher­weise ein Prob­lem. Fpìl nìNa'videnke(n) wie die Na'vi… Wie soll man das bitte anstellen?

Es ist schwierig, vor allem am Anfang, über unsere "Denke" hin­aus zu blick­en und sich in das Hirn eines Na'vi zu ver­set­zen. Aber auch hier ist Übung und aktives Anwen­den der Sprache, vor allem aber auch das Beobacht­en und Über­set­zen von Aus­sagen fort­geschrit­ten­er Sprachan­wen­der der Schlüs­sel zum Erfolg — denn die haben diese "Na'vi-Denke" zum Großteil schon verin­ner­licht und sich zu eigen gemacht.

 

 

Bish­er habt ihr in den vor­ange­gan­genen Lek­tio­nen zahlre­iche Beispiele find­en kön­nen, die zeigen, dass das Resul­tat auf Na'vi teil­weise extrem anders aussieht als der Ursprungssatz auf Deutsch (zumin­d­est die wörtliche Über­set­zung). Ger­ade am Beginn der Reise namens "Na'vi ler­nen" kann das ziem­lich ver­wirrend wirken und lei­der mehr Frageze­ichen über'm Kopf hin­ter­lassen als Glüh­bir­nen. Hier möchte ich aber nochmal einige "deut­lichere" (Negativ-)Beispiele nen­nen, an denen dieser Unter­schied zwis­chen Denkweisen vielle­icht noch etwas klar­er wird:

  • "Ich bin fer­tig (damit, etwas zu tun, zum Beispiel ein Pro­jekt oder eine Auf­gabe)."
    Der erste Impuls wäre sicher­lich dies wörtlich zu über­set­zen, was in "oe lu hasey" resul­tieren würde. Aber hier ist auch schon das Prob­lem: "lu hasey" wird vornehm­lich für abgeschlossene Hand­lun­gen, Auf­gaben, die Arbeit, Pro­jek­te, Zer­e­monien und der­gle­ichen ver­wen­det — nicht für die Per­son, die diese fer­tig gestellt hat. "oe lu hasey" klingt also mehr nach "Ich bin erledigt" oder "Ich bin voll­ständig entwick­elt als Men­sch mit meinen Eigen­schaften, mein­er Per­sön­lichkeit" oder "Ich bin / mein Leben ist fer­tig … und jet­zt bin ich bere­it zu ster­ben". … Das funk­tion­iert so also lei­der nicht ;D
    Stattdessen haben wir "hasey si" auf Na'vi, "(etwas) fer­tig stellen, vol­len­den, zur Vol­len­dung brin­gen". Wenn es also darum geht sagen zu wollen, dass man z.B. mit einem Pro­jekt fer­tig ist, würde man eher "(tsari/tsa'ur) (oe) hasey soli" ver­wen­den — "(was jene Sache angeht/jene Sache) habe (ich) fer­tig gestellt".
  • "Ich ver­ste­he ihn."
    Der erste Impuls wäre wahrschein­lich auch hier die wörtliche Über­set­zung, resul­tierend in etwas wie "oel poti tslam", aber wie ihr euch denken kön­nt, funk­tion­iert das so auch nicht ganz. ;) tslam wird zwar generell für "ver­ste­hen, begreifen" ver­wen­det, man kann es so aber nicht für Per­so­n­en benutzen, son­dern nur für Wis­sen, Infor­ma­tio­nen etc.
    Stattdessen haben wir dafür inan. inan bedeutet im "nor­malen" Sinne zwar, dass man etwas "liest" bzw. "durch Sin­ne­sein­drücke verin­ner­licht, ver­ste­ht, begreift", im weit­eren bzw. umgangssprach­lichen Sinne bedeutet es aber auch (im Bezug auf Per­so­n­en), dass man "jeman­den versteht/weiß, wie jemand drauf ist oder wie jemand tickt". Also wäre "oel poti inan" hier kor­rekt.
    Ein weit­eres Beispiel: "Er behan­delt mich, als ob ich ihn nicht ken­nen würde". → "Pol zeret oeti pxel tute a ke inan pot." (wörtlich: "Er behan­delt mich wie eine Per­son, die ihn nicht liest.")
  • "Ich bin müde." / "Ich habe Hunger/Durst."
    Auch hier würde man wahrschein­lich zuerst zu lu ("oe lu ngeyn") greifen bzw. zu oeru lu ("oeru lu tìohakx/tìväng") ("Mir ist Hunger/Durst"), aber 'efu ("fühlen") wäre hier die richtige Wahl. "oe 'efu ngeyn/ohakx/väng." "Ich füh­le (mich) müde/hungrig/durstig."
  • "Ich werde bald wegge­hen."
    ye'rìn (bald) ist ein prak­tis­ches Wort, welch­es man aber nicht immer ver­wen­den sollte. Diesen Satz hier kann man schon dur­chaus wörtlich über­set­zen, ohne ihn dabei "zu ver­sauen", aber irgend­wie ist das Resul­tat den­noch "dop­pelt gemop­pelt": "Oe hìyum ye'rìn." Das Infix <ìy> sagt ja von sich aus schon, dass die Hand­lung in naher Zukun­ft stat­tfind­en wird — und mit ye'rìn zusam­men ist das irgend­wie… na ja, sagen wir mal "sub­op­ti­mal".
    ye'rìn kann man also hier get­rost weglassen, denn das Infix selb­st hat die Bedeu­tung bere­its aus­re­ichend trans­portiert: "Oe hìyum." Oder man lässt das Infix weg und ver­wen­det stattdessen ye'rìn: "Oe hum ye'rìn." — "Ich gehe bald".
    Die Na'vi lieben möglichst kurze und knack­ige Aus­sagen, für "Dop­pel­mop­pelei" haben sie meist keinen Nerv, hrh ;)
    Es sei denn, man möchte wirk­lich und bewusst (über-)betonen, dass der Zeit­punkt des Wegge­hens extrem nahe ist, dann kann man ruhig bei­des ver­wen­den.
  • "Guten Tag / Gute Nacht!"
    Die wörtliche Über­set­zung würde so etwas wie "trr asìlt­san / txon asìlt­san" ausspuck­en, aber dies würde nur bedeuten, dass der Tag/die Nacht ein/e gute/r ist. Bedenkt: dieser Aus­druck ("guten Tag!/gute Nacht!") ist mehr eine Begrüßung oder ein Abschied als eine Fest­stel­lung, ob der Tag/die Nacht nun gut ist oder nicht.
    Um jeman­den zu begrüßen, haben die Na'vi mehrere Möglichkeit­en, darunter "Kaltxì" ("Hal­lo") oder "Oel ngati kameie" ("Ich sehe dich"). Um sich von jeman­dem zu ver­ab­schieden, sagen sie eher "Kìye­vame" ("Auf bald/mögen wir uns bald wieder­se­hen") oder "Hay­alo­vay" ("bis zum näch­sten Mal"); in dem hier genan­nten Zusam­men­hang wäre aber fol­gende Floskel die passend­ste: "Txon/trr lef­pom (livu ngaru)". "(Möge dir ein/e) friedliche/r Nacht/Tag (sein)".
  • say­la­he, say­la­he, say­la­he.

Aus diesen Beispie­len lässt sich schließen, dass die offen­sichtlich­ste Option, was Wörter aus dem Wörter­buch ange­ht, nicht immer direkt die beste bzw. die passende sein muss.
Kurz gesagt: das Wörter­buch ist kein (1-zu-1) Über­set­zer! ;) Direk­te wörtliche Über­set­zun­gen funk­tion­ieren also nur sel­ten so wirk­lich.

Lasst euch beim Wählen eur­er Worte also Zeit und recher­chiert, ob es nicht vielle­icht bessere Alter­na­tiv­en im Wörter­buch gibt, die die Bedeu­tung tre­f­fend­er bzw. passender wiedergeben. Werft lieber einen Blick mehr auf die Wortk­lasse, also ob ein Wort ein Verb, ein Sub­stan­tiv, ein Adverb etc. ist und welche Auswirkun­gen das auf den Satz hat. Schaut euch auch gerne Beispiel­sätze auf dict-navi oder Navi­teri an oder fragt erfahrene Sprachan­wen­der, was ihre Mei­n­ung dazu ist.

 

 

Was kann man nun also aktiv tun, um in diese "Na'vi-Denke" hinein zu wach­sen?

  • Wie oben schon erwäh­nt, schaut euch Sätze fort­geschrit­ten­er Na'vi-Schüler an. Über­set­zt sie, aber schaut dabei beson­ders auf die einzel­nen Ele­mente eines Satzes und wie diese sich gegen­seit­ig bee­in­flussen und zulet­zt eben zu der Aus­sage führen, die der Satz eben bein­hal­tet.
    Nutzt Wörter­büch­er zum Nach­schla­gen und recher­chieren, nicht als Über­set­zer. Werft einen genauen Blick auf Wortk­lassen einzel­ner Wörter und deren Auswirkung auf Sätze und let­ztlich deren Bedeutung/Aussage.
  • Wen­det die Sprache selb­st aktiv an — und lasst erfahrenere Schüler eure Sätze ggf. kor­rigieren und erk­lären, warum euer Aus­gangssatz so nicht ganz funk­tion­iert. Nehmt diese Kri­tik an und ver­sucht daraus zu ler­nen. So wird nicht nur euer Kön­nen all­ge­mein im Laufe der Zeit bess­er, son­dern euer eigenes Ver­ständ­nis für die "Na'vi-Denke" wird genau­so genährt und gefördert.
  • Schaut euch geläu­fige Na'vi-Sprichwörter und Reden­sarten (siehe unten) an und analysiert sie. Sie gewähren direk­ten Ein­blick in die Denkweise und Kul­tur der Na'vi, bzw. das Wech­sel­spiel zwis­chen bei­den.
  • Lasst euch Zeit mit all­dem. Nicht nur das Erler­nen ein­er Sprache, son­dern auch das eigene Ver­ständ­nis für sel­bige benöti­gen viel Zeit. :) Beim Erler­nen und Ver­ste­hen ein­er Sprache verän­dern sich Bere­iche im Hirn, und diese Verän­derun­gen passieren wed­er von heute auf mor­gen, noch sind sie von Anfang an voll­ständig oder durch und durch gefes­tigt. Es ist ein Prozess  — und dieser ver­läuft nicht immer ger­adlin­ig, also seid nicht zu streng mit euch selb­st.

 

Hier noch einige Sprich­wörter und Reden­sarten auf Na'vi, damit ihr nicht selb­st danach suchen müsst :P

Sprich­wort / Reden­sart wörtliche Über­set­zung Bedeu­tung / Anwen­dung
sre fwa sngap zize' (oft gekürzt zu sfsz) bevor die Höl­len­feuer­we­spe zus­ticht so schnell wie möglich
taronyut yom smarìl Die Beute frisst den Jäger Alles läuft schief, was schieflaufen kann
Alles geht den Bach runter
(ngari) txe'lan mawey (livu) (Möge dein) Herz ruhig (sein) Mach dir (darüber) keine Sorgen/keinen Kopf
tsun (fko) pehem (sivi)? Welche Handlung/was kann (man tun)? Es ist wie es ist, was kann man da schon machen?
Was willst'e da machen? So ist's Leben nun mal.
Tja, da kann man nix machen.
ätxäle (si) pa(lu)luka­nur (tsnì smar­it livonu). Einen Thana­tor darum bit­ten seine Beute freizu­lassen. Etwas (ver­suchen zu) tun, was ganz offen­sichtlich nicht von Erfolg gekrönt sein wird
Ke tsun fko tspi­vang toruk­it fa fwa pewn­ti snew.
Geläufiger/kürzer: pewn torukä
Man kann Toruk nicht töten, indem (man seinen) Hals zuschnürt.
Toruks Hals
Eine Methode/etwas, die/das nicht funk­tion­ieren wird
Etwas, das unmöglich ist
(Das ist) unmöglich!
Säf­pìl asteng, tìkan ateng. Ähn­liche Idee, gle­iche Absicht. Zwei Dumme, ein Gedanke.
Fwäkì ke fwe­fwi Die Gotte­san­be­terin pfeift nicht. Es entspricht nicht meiner/deiner/seiner/ihrer Natur
Das bin nicht ich / Das bist nicht du
'ivong nìk'ong Langsam erblühen / erblühe langsam Immer mit der Ruhe / Nur die Ruhe / Lass dir Zeit
(na) ken­ten mì kum­pay (wie) die Fächerechse im Gel sich hilflos/gefangen fühlen / aufgeschmis­sen sein
"Ich füh­le mich hil­f­los": oe 'efu na ken­ten mì kum­pay.
(na) loreyu 'awnampi (wie) eine berührte Helico­ra­di­um (schöne Spi­ralpflanze) extrem schüchtern/scheu sein
"Sie ist extrem schüchtern": po lu loreyu 'anawmpi.
Kem amuiä, kum afe'. Kor­rek­te Hand­lung, schlecht­es Resul­tat. Etwas, das erfol­gver­sprechend war, ist in die Hose gegan­gen.
Der Wille ist das, was zählt.
Txo ke nìyo' tsakrr nìy­ol. Falls nicht auf per­fek­te Weise, dann (wenig­stens) flott. Wenn du nicht per­fekt sein kannst, sei wenig­stens schnell.

Eine weit­ere Liste mit Reden­sarten und Floskeln find­et ihr in Lek­tion 33. Sie kann euch noch mehr Ein­blick in die "Na'vi-Denke" gewähren. ;)

 

 

Was bedeutet eigentlich dieses ver­flixte hrh?!
Für den Fall, dass ihr es euch bish­er noch nicht selb­st her­leit­en kon­ntet oder noch nicht über seinen Ursprung gestolpert seid:
hrh kommt von herangham und ist qua­si das Na'vi-Equivalent unseres "lol" ("laugh­ing out loud"/"lau­thals lachen" oder *lach*).

Ich glaube aber kaum, dass die Na'vi dies tat­säch­lich so ver­wen­den wür­den — sie wür­den ein­fach… lachen ;P
hrh ist also eine Wortschöp­fung von Karyu Pawl für uns Nerds im Inter­net ;)

Es gibt übri­gens auch noch hrhn, von herangham nìtxan/nìhawng und entspricht "rofl" ("rolling on the floor, laugh­ing"/"vor Lachen auf dem Boden herum rollen").

One Comment

  1. An dieser Stelle von mir ein klein­er Tipp, der mir beim Ler­nen der Zahlen SEHR geholfen hat.
    Ich kam eines Tages im Auto sitzend auf die Idee die Zahlen auf den Num­mern­schildern laut zu lesen.
    Wenn dort also z.B. XX-XX 123 stand, habe ich "'aw… mune… pxey…" gesagt. Da die Zahlen recht willkür­lich kom­men, ist dies eine gute Übung, um zumin­d­est die Zahlen zwis­chen 0 (kew) und neun (volaw) gut, sich­er und auch schnell zu ler­nen und man kann es prak­tisch über­all machen, wo man geht und ste­ht :D
    Mit Tele­fon­num­mern funk­tion­iert das auch ganz gut…

    Auch hil­ft es dem Langzeitgedächt­nis enorm, wenn man z.B. während ein­er Unter­hal­tung oder eines Tele­fonats ver­sucht, so viel wie möglich (je nach Geschwindigkeit / ver­füg­baren Worten) im Hin­terkopf simul­tan zu über­set­zen. Ihr werdet sehen, dass auf diese Weise das eine oder andere, oft täglich zig­fach benutzte Wort irgend­wann hän­gen bleibt. Das geht natür­lich nur, wenn man schon etwas fort­geschrit­ten ist.

    Eines ist aber am wichtig­sten:
    Lasst Euch NICHT ent­muti­gen und habt Saß an der Sache!
    Wenn man Spaß an ein­er Sache hat, kommt das Ler­nen fast von selb­st, da das Gehirn dann offen­bar in eine Art "More input need­ed" Modus schal­tet :D

    und immer dran denken:
    Auch eine Tsahìk fällt nicht ein­fach so vom Him­mel… ;)

    Andi­ta.

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