Lektion 26: Sinne und Wahrnehmung

Es gibt mehrere Wege, wie man das Ganze zum Aus­druck brin­gen kann, vor allem auf­grund dessen, dass die Na'vi einen Unter­schied dazwis­chen machen, ob eine Sinneswahrnehmung gewollt/bewusst von stat­ten geht (+Kon­trolle) oder nicht (-Kon­trolle, also wenn man z.B. zufäl­lig einen Geruch wahrn­immt):

VTR.
−Kon­trolle 
VTR.
+Kon­trolle
 VIN.
+Kon­trolle
N.
Sin­ne­sein­druck
N.
Sinn (inan­fya)
Augen
menari
tse'a
sehen
nìn
anse­hen, betra­cht­en
tìng nari
anse­hen
'ur
Antlitz, Ausse­hen
tse'atswo
Sicht, Sehver­mö­gen
Ohren
memikyun
stawm
hören
yune
anhören, lauschen
tìng mikyun
anhören
pam
Geräusch
stawmtswo
Gehör(sinn)
Nase
ontu
hefi
riechen
syam
riechen
tìng ontu
riechen
fahew
Geruch
hefitswo
Geruchssinn
Zunge
ftxì
ewku
schmeck­en
may'
schmeck­en, pro­bieren
tìng ftxì
schmeck­en, pro­bieren
sur
Geschmack
ewk­tswo
Geschmackssinn
Haut
ta'leng
zìm
fühlen
'ampi
fühlen, anfassen
tìng zek­wä
fühlen
zir
Tex­tur, Beschaf­fen­heit
zìmtswo
Tastsinn

Wie man sehen kann, unterteilen die Na'vi ihre Ver­ben für Sin­ne­sein­drücke nicht nur in kon­trol­liert oder unkon­trol­liert, son­dern auch tran­si­tiv (vtr.) und intran­si­tiv (vin.). Diese Liste + Erläuterun­gen gibt's orig­i­nal von Karyu Pawl auf Englisch in seinem Blog, falls ihr dort selb­st nach­le­sen wollt.

Ich denke ein paar Anwen­dungs­beispiele dürften klar machen, wie man sie ver­wen­det und worin die Unter­schiede liegen:

 

tse'atswo — Sehver­mö­gen

Oel relit tse'a. Ich sehe ein Bild. (zufäl­lig, unge­wollt — z.B.: ich laufe irgend­wo ent­lang und sehe zufäl­lig ein Bild)
Oel relit nìn. Ich sehe mir ein Bild an. (gewollt, bewusst — z.B.: in der Galerie hängt ein inter­es­santes Bild, also betra­chte ich es)
Oe relur tìng nari. Ich sehe mir ein Bild an. (gewollt, bewusst — z.B.: siehe nìn)

 

stawmtswo — Gehör(sinn)

Oel tìrolit stawm. Ich höre ein Lied. (zufäl­lig, unge­wollt — z.B.: ich gehe einkaufen und durch die Laut­sprech­er erklingt ein Lied, welch­es ich dadurch höre)
Oel tìrolit yune. Ich höre mir ein Lied an. (gewollt, bewusst — z.B.: ich habe Lust auf Musik und höre mir daher mein Lieblingsal­bum an)
Oe tìrolur tìng mikyun. Ich höre mir ein Lied an. (gewollt, bewusst — z.B.: siehe yune)

 

hefitswo — Geruchssinn

Oel syu­langit hefi. Ich rieche eine Blume. (zufäl­lig, unge­wollt — z.B.: ich laufe eine Gasse ent­lang und rieche plöt­zlich einen Blu­men­duft)
Oel syu­langit syam. Ich rieche an ein­er Blume. (gewollt, bewusst — z.B.: ich sehe eine schöne Blume und schnup­pere an ihr)
Oe syu­langur tìng ontu. Ich rieche an ein­er Blume. (gewollt, bewusst — z.B.: siehe syam)

 

ewk­tswo — Geschmackssinn

Oel rey­payti ewku. Ich schmecke Blut. (zufäl­lig, unge­wollt — z.B.: ich habe mir auf die Zunge gebis­sen und schmecke jet­zt Blut)
Oel rey­payti may'. Ich probiere/koste Blut. (gewollt, bewusst — z.B.: ich würde gerne wis­sen wie Blut schmeckt, also koste ich es mal)
Oe rey­payru tìng ftxì. Ich probiere/koste Blut. (gewollt, bewusst — z.B.: siehe may')

 

zìmtswo — Tastsinn

Oel tskxeti zìm. Ich spüre/fühle einen Stein. (zufäl­lig, unge­wollt — z.B.: ein Stein ist in meinem Schuh und ich spüre ihn beim Laufen)
Oel tskxeti 'ampi. Ich füh­le (/fasse) einen Stein (an). (gewollt, bewusst — z.B.: dort liegt ein Stein, ich hebe ihn auf und berühre ihn)
Oe tskxeru tìng zek­wä. Ich füh­le (/fasse) einen Stein (an). (gewollt, bewusst — z.B.: siehe 'ampi)

 

Ob man bei den Ver­ben mit +Kon­trolle nun die tran­si­tive oder intran­si­tive Vari­ante wählt, ist reine Geschmackssache ;P (Ich per­sön­lich bevorzuge die tran­si­tive Vari­ante, aber entschei­det bitte selb­st für euch welche ihr bess­er find­et.)

Außer­dem würde man vielle­icht ver­muten, dass es "tìng nar­i­ti / mikyu­nit / ontu­ti / ftxìti / zek­wäti" heißen müsste, also eben +T-Endung, da tìng vtr. ist (und vielle­icht sah so auch mal die Ursprungs­form dieser Ver­ben aus); allerd­ings bilden hier tìng und die entsprechen­den Sub­stan­tive zusam­men ein einzelnes Verb, was Fal­l­en­dun­gen hin­fäl­lig macht. Betra­chtet tìng nari etc. also als ein eigen­ständi­ges Verb, das aus zwei Teilen beste­ht, ähn­lich wie unsere tollen si-Ver­ben. :) Etwaige Infixe wer­den übri­gens in den Teil mit tìng gepackt.

 

 

fkan

… ist defin­i­tiv eins mein­er absoluten Lieblingsver­ben. Auf Anhieb mag seine Ver­wen­dungsweise vielle­icht nicht ganz klar erscheinen, doch ger­ade weil sie so man­nig­faltig sein kann, liebe ich dieses Verb so sehr. Es ermöglicht einem zig Vari­anten, wie man Sin­ne­sein­drücke beschreiben kann, und zwar ohne die oben ste­hen­den "Sin­nesver­ben" oder "lu + Adjek­tiv"; "peyä nikre lu lor"… wie öööde, hrh.

Der Ein­trag im Wörter­buch mag zuerst ver­wirrend erscheinen:
fkan — ein­er sinnlichen Weise ähneln; den Sin­nen erscheinen als ob …(ver­wen­det, um zu beschreiben, wie sich etwas anfühlt, anhört oder schmeckt, riecht, aussieht)

Doch schauen wir uns das mal anhand einiger Beispiele an, am besten wieder für jeden einzel­nen Sinn der Rei­he nach; es gibt gewisse vorgegebene "Sch­ablo­nen", mit denen man fkan anwen­den kann:

 

tse'atswo — Sehver­mö­gen

Tsasyu­langìri 'ur fkan lor.
Tsasyu­lang fkan narlor.

 

stawmtswo — Gehör(sinn)

 

hefitswo — Geruchssinn

 

ewk­tswo — Geschmackssinn

 

zìmtswo — Tastsinn

 

 

Natür­lich lässt sich das Ganze auch in Rah­men von Fra­gen anwen­den:

 

 

Hier noch eine Über­sicht der häu­fig­sten (auf Sinne bezo­ge­nen) Adjek­tive:

 

 

 

 

'efu

… bezieht sich vor allem auf Gefüh­le und Emo­tio­nen bzw. "innere Empfind­un­gen", nicht auf Sinne oder Sinneswahrnehmungen. "Fühlen" ist auf Na'vi also nicht gle­ich "fühlen"; die Na'vi haben unter­schiedliche Wörter für die unter­schiedlichen Arten des Füh­lens ('efu ver­sus zìm, 'ampi und tìng zek­wä; innere Empfindung/Wahrnehmung ver­sus Tastsinn).

Man kann Gefüh­le fühlen (vtr.):

Man kann sich hungrig/durstig etc. fühlen (vin.):

 

 

sunu ver­sus zaw­prrte' ver­sus teya si

 

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