25: (in)direkte Rede und weitere Fragen

(In)direkte Rede

Hier geht's nun darum, wie man Gesagtes direkt zitiert ("wörtliche Rede", z.B.: Ich sagte: "Kein Alien darf hier­her kom­men.") oder indi­rekt wiedergibt ("indi­rek­te Rede", z.B.: Ich sagte, dass kein Alien hier­her kom­men darf.). Weit­er unten geht's um weit­ere Möglichkeit­en, wie man Fra­gen stellen kann, auch zusam­men mit der indi­rek­ten Rede.

 

san… sìk

Im Deutschen ken­nen wir indi­rek­te Rede — wenn also etwas gesagtes durch eine andere Per­son wiedergegeben wird. In Na'vi ken­nen wir das genau­so, allerd­ings wird es etwas anders gehand­habt. Beispiele:

Sie hat gesagt: "Ich gehe mor­gen nach Hause."
Po poltxe san trray oe kä kelkune (sìk).

Ich habe gesagt: "Kein Traumwan­dler darf hier­her kom­men."
Poltxe oe san zene kea uniltìranyu ke ziva'u fìt­seng (sìk).

San & sìk sind gesproch­ene Anführungsze­ichen; san markiert den Anfang eines Zitats, sìk das Ende.
sìk kann man aber auch fall­en lassen, sofern das Ende der indi­rek­ten Rede bzw. des Zitats gle­ich­sam auch das Ende des all­ge­meinen Satzes/Textes ist. Wenn jedoch ein weit­er­er Satz, der nicht Teil des Zitats ist, direkt auf das Zitat fol­gt, muss das Zitat mit sìk geschlossen wer­den, um dessen Ende klar zu machen:

Neytiri hat gefragt: "Du wusstest, dass dies geschehen würde?" — und Jake antwortete: "ja".
Neytiri polawm san ngal olo­mum futa tsaw lir­ven srak sìk — ulte Tsyeyk 'oleyng san srane.

Hier nochmal mal ein Mix aus san… sìk und nur san:
Mo'at poltxe san fkol pole'un fì'ut sìk ulte Neytiri loleym san Oeru pelun? Ke lu muiä! Wiya!

 

Am häu­fig­sten kom­men san & sìk zum Ein­satz, wenn Wörter wie plltxe, pawm, 'eyng, mllte oder leym ver­wen­det wer­den. Beachtet hier­bei, dass selb­st bei tran­si­tiv­en Ver­ben vor san keine Fal­l­en­dun­gen ver­wen­det wer­den: Po poltxe san…, poltxe oe san…, Neytiri polawm san… usw.

Im umgangssprach­lichen Sprachge­brauch kann man Ver­ben des Sprechens (plltxe, pawm, peng etc.) zusam­men mit san… sìk auch fall­en lassen; Fko san… "man sagt/munkelt…"; Neytiri san… "Neytiri meint/sagt, …" usw.

 

 

fay­lu­ta / fmawn­ta / teyn­g­ta

Statt san… sìk kann man auch eine "tra­di­tionelle" Kon­struk­tion mit Fal­l­en­dun­gen ver­wen­den, wie mit fay­lu­ta. Dieses Wort wurde zusam­menge­zo­gen aus faylì'ut a, "diese Wörter, welche (sind)" und ver­hält sich wie futa, nur eben für Worte und nicht "dieses Ding, welch­es ist…". ;)

san… sìk sollte immer die erste Wahl für indi­rek­te Rede sein, für die direk­te Rede geht aber auch fay­lu­ta.
Indi­rek­te Rede wäre etwas wie:
Sie sagte, sie wolle mor­gen nach Hause gehen.
Direk­te Rede gibt hinge­gen immer den genauen, gesagten Wort­laut wieder, also etwas wie:
Sie sagte: "Ich will mor­gen nach Hause gehen".

Nehmen wir mal die Beispiel­sätze von oben und tauschen san… sìk gegen die fay­lu­ta-Sch­ablone aus:

Pol poltxe fay­lu­ta trray oe kä kelkune.
Sie hat gesagt, sie wolle mor­gen nach Hause gehen. / Sie hat gesagt: "Ich gehe mor­gen nach Hause."
Wörtlich: Sie hat gesagt diese Wörter welche sind: Mor­gen will ich nach Hause gehen.

Poltxe oel fay­lu­ta zene kea uniltìranyu ke ziva'u fìt­seng.
Ich habe gesagt, kein Traumwan­dler dürfe hier­her kom­men. / Ich habe gesagt: "Kein Traumwan­dler darf hier­her kom­men."
Wörtlich: Ich habe diese Wörter gesagt, welche sind: Kein Traumwan­dler darf hier(her) kom­men.

 

Fay­lu­ta kann man aber eigentlich nur im Zusam­men­hang mit plltxe ver­wen­den, bei anderen Worten funk­tion­iert dies nicht mehr so wirk­lich:

Mo'atìl poltxe fay­lu­ta fkol pole'un fì'ut ulte Neytiri loleym san Oeru pelun? Ke lu muiä! Wiya!

 

 

Bei peng und stawm kön­nen wir fmawn­ta ver­wen­den. Dieses Wort wurde zusam­menge­zo­gen aus fmawnit a, "die Nachricht/Neuigkeit, welche ist…"
Achtet auch hier­bei auf die entsprechen­den Fal­l­en­dun­gen vor fmawn­ta:

Sto­lawm oel fmawn­ta fo new hivum.
Ich habe gehört, dass sie gehen wollen.
Wörtlich: Ich habe die Neuigkeit gehört welche ist: Sie wollen gehen/verlassen.

Ngal poleng oer fmawn­ta po tol­erkup.
Du hast mir gesagt/berichtet, dass er gestor­ben sei.
Wörtlich: Du hast mir berichtet die Neuigkeit, welche ist: Er ist gestor­ben.

 

 

Und dann gibt es noch teyn­g­ta. Dieses Wörtchen wurde zusam­menge­zo­gen aus tì'eyngit a, "die Antwort, welche ist…"
und wird für Fra­gen (mit -pe+) inner­halb der (in)direkten Rede ver­wen­det:

Volin oel teyn­g­ta Neytiri kä pesen­gne.
Ich habe gefragt wohin Neytiri geht/gehen würde.
Wörtlich: Ich habe die Antwort erbeten wohin Neytiri geht.

Ke omum oel teyn­g­ta fo kä pesen­gne.
Ich weiß nicht wohin sie gehen. / Ich kenne die Antwort nicht (auf die Frage) wohin sie gehen.

Fmoli oeyk­tivìng pol teyn­g­ta pelun tolätx­aw kelu­tralne.
Sie hat ver­sucht zu erk­lären, warum sie zum Heimat­baum zurück­gekehrt ist.

 

Teyngta gibt es auch noch in der Aus­führung mit der L- statt der T‑Endung: teyngla (tì'eyngìl a)  — und ganz ohne Fal­l­en­dung, teyn­ga (tì'eyng a):

Teyn­gla pelun po srung ke soli oeti stey­ki.
Die Antwort auf die Frage warum sie nicht geholfen hat macht mich wütend.

Teyn­ga lumpe fo holum ke lu law.
Es ist nicht klar warum sie gegan­gen sind.
Wörtlich: Die Antwort (auf die Frage) warum sie gegan­gen sind ist nicht klar.

 

Man kann teyn­ga auch mit ftxey/ftxey bzw. ftxey/fuke ver­wen­den (siehe Lek­tion 23):

Ikn­i­ma­yari po sola, luke teyn­ga ftx­ey emrivey ftx­ey tiverkup. Er hat sich Ikn­i­maya gestellt, ohne die Antwort (auf die Frage zu wis­sen), ob er über­leben oder ster­ben würde.
Ikn­i­ma­yari po sola, luke teyn­ga ftx­ey emrivey fuke. Er hat sich Ikn­i­maya gestellt, ohne die Antwort (auf die Frage zu wis­sen), ob er über­leben würde oder nicht.

 

 

Weitere Fragen

Sim­ple Fra­gen ("Ja/Nein", "W‑Fragen", "… oder nicht/nicht wahr?") haben wir ja bere­its ken­nen gel­ernt. Hier geht's nun um zusät­zliche Vari­anten.

 

Neg­a­tive Fra­gen gibt's ja auch noch… zumin­d­est im Deutschen und Englis­chen. Im Deutschen beant­wortet man sie meis­tens mit "doch" oder "nein". Ein paar Beispiele von neg­a­tiv­en Fra­gen (mit Kontext/Bedeutung in Klam­mern dahin­ter), damit klar ist von was hier die Rede ist:

Habe ich dich nicht gestern gese­hen? (Ich sah jeman­den, der dir ver­dammt ähn­lich war… das warst doch du, oder nicht?)
Bist du nicht hun­grig? (Du hast lange nichts gegessen, also musst du hun­grig sein, oder nicht?)
Schämt er sich nicht? (Dass er sich nicht dafür, was er getan hat, schämt, macht mich fas­sungs­los.)

Auf Deutsch und Englisch sind das ziem­lich ein­fache Angele­gen­heit­en, da hier neg­a­tive Aus­sagen ein­fach nur in neg­a­tive Fra­gen umge­wan­delt wer­den, aber auf Na'vi lässt sich das so nicht anstellen, da wir für Fra­gen eben srak, kefyak oder -pe+ benöti­gen — ein ein­fach negieren­des ke oder ähn­lich­es reicht nicht aus. Wie trans­portiert man das also nach Na'vi?

Dafür bedi­ene ich mich mal Karyu Pawls Worten zu diesem The­ma (Quelle) und über­set­ze sie für euch ein­fach nur ins Deutsche:

"Nehmen wir ein­mal eine ein­fache pos­i­tive Frage wie "Bist du John?" Was wird hier gefragt? Nun, der Sprech­er nimmt die Aus­sage "Du bist John" und fragt nach Bestä­ti­gung dafür: Ist diese Aus­sage kor­rekt? Anders aus­ge­drückt, "Du bist John — richtig oder falsch?"
Falls es richtig ist, antwortet die andere Per­son mit "Ja", was bedeutet "Die Aus­sage, über die du dich erkundigst, ist kor­rekt." Eine voll­ständi­gere Antwort wäre, "Ja, ich bin John."
Falls es falsch ist — falls die betr­e­f­fende Per­son David und nicht John ist — ist die Antwort "Nein", was bedeutet "Die Aus­sage, über die du dich erkundigst, ist nicht kor­rekt." So weit, so gut.

Aber was passiert jedoch, wenn die Aus­sage, die in eine Frage umge­wan­delt wird, neg­a­tiv ist? Zum Beispiel, "Du bist nicht John", welche zu der neg­a­tiv­en Frage "Bist du nicht John?" wird. Wenn wir der Analyse des ersten Abschnitts fol­gen, dann nimmt der Sprech­er die Aus­sage "Du bist nicht John" an und fragt nach Bestä­ti­gung: "Du bist nicht John — richtig oder falsch?"
Eine Antwort mit "Ja" würde bedeuten, "Die Aus­sage, über die du dich erkundigst, ist kor­rekt — ich bin nicht John."
Und "Nein" würde heißen, "Die Aus­sage, über die du dich erkundigst, ist falsch — ich tat­säch­lich John."

Aber das ist nicht was Men­schen nor­maler­weise meinen, wenn sie solche Fra­gen stellen. Wenn der Sprech­er jeman­den fragt, "Bist du nicht John?" ist da eine bere­its existierende Annahme, dass diese Per­son in der Tat John ist, und sie sucht nach Bestä­ti­gung für diese Annahme. "Ich glaube, dass du John bist. Das ist kor­rekt, nicht wahr?" Eine alter­na­tive For­mulierung dieser Frage macht dies deut­lich­er: "Du bist John, nicht wahr?" In diesem Fall meint ein "Ja" als Antwort, "Deine bere­its existierende Annahme ist kor­rekt. Ich bin John." Und "Nein" als Antwort heißt "Deine bere­its existierende Annahme ist falsch. Ich bin nicht John." Und, schon ver­wirrt?

Ich freue mich bericht­en zu dür­fen, dass bei Fra­gen auf Na'vi mit srak(e) solche bere­its existieren­den Annah­men gar nicht erst ins Spiel kom­men und die Sit­u­a­tion unkom­pliziert­er ist. Soll heißen, eine Frage mit Srake [X] oder [X] srak, wobei X eine Aus­sage ist, fragt ein­fach nur danach, ob X wahr sei oder nicht. Dabei ist es egal, ob X eine pos­i­tive oder neg­a­tive Aus­sage ist. Eine Antwort mit srane bedeutet, dass X wahr ist. Kehe bedeutet, dass X nicht wahr ist. Die Frage impliziert dabei irgendwelche bere­its existieren­den Annah­men seit­ens des Fra­gen­den. Zum Beispiel:

  • Nga lu Txewì srak? bedeutet: "Bitte sage mir, ob die Aus­sage 'Du bist Txewì' wahr oder falsch ist." Eine Antwort mit srane bedeutet "Ja, das ist wahr". Kehe bedeutet "Nein, das ist nicht wahr".
  • Nga ke lu Txewì srak? bedeutet: "Bitte sage mir, ob die Aus­sage 'Du bist nicht Txewì' wahr oder falsch ist." Genau wie oben bedeutet eine Antwort mit srane "Ja, das ist wahr. Ich bin nicht Txewì." Kehe bedeutet "Nein, das ist nicht wahr. Ich bin in der Tat Txewì."

Wie ver­mit­telt man nun also die Idee der deutschen/englischen Frage "Bist du nicht Txewì?" mit ihrer bere­its vorhan­de­nen Annahme? Auf Na'vi wäre es schlicht und ergreifend "Nga lu Txewì, kefyak?" Dies ist genau gle­ich zur deutschen/englischen Ver­sion "Du bist Txewì, oder?" bzw. "Du bist Txewì — nicht wahr?"
Und wie im Deutschen/Englischen bedeutet eine Antwort mit srane "Deine bere­its vorhan­dene Annahme ist kor­rekt — ich bin Txewì", während kehe bedeutet "Deine bere­its existierende Annahme ist falsch — ich bin nicht Txewì."
"

 

Kurzum: Neg­a­tive Fra­gen wie im Deutschen oder Englis­chen gibt es in der Form auf Na'vi nicht; um das gle­iche Konzept zu trans­portieren, muss man sich ein­er pos­i­tiv­en Frage (ohne ke etc.) zusam­men mit kefyak bedi­enen.

 

 

"ODER-Fra­gen"… sind so eine Sache auf Na'vi. Dafür gibt es keine wirk­lichen Beispiele oder Regeln, wie man solche Fra­gen am besten stellen soll, zumal dafür keine hil­fre­ichen Fragepar­tikel oder ‑wörter existieren. Und die brauch man ja eigentlich genau dafür, um deut­lich zu machen, dass es sich bei einem Satz jet­zt um eine Frage statt ein­er Aus­sage han­delt — denn anhand von Wort­stel­lung allein (wie im Deutschen oder Englis­chen), kann man das auf Na'vi nicht aus­machen. :fpil:

Srake oder kefyak machen hier keinen Sinn, denn auf Fra­gen mit "oder" kann man ja schlecht mit "ja" oder "nein" antworten. -pe+ macht hier genau so wenig Sinn. Also, was tun?

Dafür ver­wen­den wir ein­fach fu zwei Mal in einem Satz, und zwar wie fol­gt:

Aus­sage:
Nul­new oel tey­lu­ti fu veyti. Ich bevorzuge Tey­lu oder Fleisch.

Frage:
Nul­new oel fu tey­lu­ti fu veyti? Bevorzuge ich Tey­lu oder Fleisch?

Wenn man fu ganz nor­mal, also ein­mal ver­wen­det, bleibt es bei ein­er nor­malen Aus­sage, wie gewohnt und gehabt. Wenn man fu aber ein zweites Mal im Satz ein­baut, und zwar direkt vor der ersten von zwei Optio­nen (hier also vor tey­lu), wird daraus automa­tisch eine "Oder-"Frage.

 

Dabei muss man aber zwis­chen Fra­gen, in denen eine Wahlop­tion (ein Fall für 2x fu) ver­bor­gen ist und solche, bei denen dies nicht der Fall ist, unter­schei­den:

Stellen wir uns mal vor, dass ich Aben­dessen gekocht habe. Jet­zt gibt es Wahlmöglichkeit­en zwis­chen Tey­lu oder Fleisch als Eiweißquelle und ich biete euch bei­de an, wählen müsst ihr. Ich frage also:

Nul­new ayn­gal fu tey­lu­ti fu veyti? Möchtet ihr lieber Tey­lu oder Fleisch? Option 1: Tey­lu, Option 2: Fleisch, bitte wählt eine davon.

Wenn ich jet­zt aber gehört habe, dass die Mehrheit von euch tierisches Eiweiß ablehnt, sich also veg­an ernährt, gehe ich ja von der Annahme aus, dass die meis­ten bei­de Optio­nen ablehnen wer­den. Wenn ein­er den­noch eine der tierischen Eiweißquellen wählt, frage ich vielle­icht ver­wun­dert:

Srake nul­new ngal tey­lu­ti fu veyti? Möcht­est du lieber Tey­lu oder Fleisch? Ist es wahr, dass du Tey­lu oder Fleisch lieber wollen würdest (anstatt Gemüse)?

Bei dieser Vari­ante kom­men ja wieder Annah­men und vorhan­dene Infos ins Spiel und dem­nach die Suche nach Bestä­ti­gung oder Ablehnung dieser Annahme, weswe­gen man hier wieder zu srake und nur 1x fu greift.

 

 

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