Lektion 23: Konjunktionen

Kon­junk­tio­nen sind uns hier nicht gän­zlich neu; und ulte (Lek­tion 5) sind z.B. solche Kon­junk­tio­nen. Eine Kon­junk­tion ist ein Binde­wort, welch­es einzelne Haupt- und Neben­sätze zu einem großen Satz zusam­men­fügt bzw. diese verbindet, indem es sel­bige Teil­sätze ein­leit­et. Dabei wird die Kon­junk­tion meis­tens am Anfang des einzulei­t­en­den Teil­satzes platziert.
Auch die uns bekan­nten F-Wörter (fwa, fula, futa, furia) und ihre TS-Geschwis­ter (tsawa, tsala, tsa­ta, tsaria) sind mehr oder min­der Kon­junk­tio­nen, bzw. Rel­a­tivsatzein­leit­er bzw. eigentlich Rel­a­tivpronomen (abgekürzt in Wörter­büch­ern mit rel.).

Wir ken­nen aber nicht nur "und", son­dern auch "wenn", "falls", "nach­dem" und so weit­er. Auch die Na'vi haben eine man­nig­faltige Auswahl an solchen Bindewörtern, die wir uns hier mal genauer anschauen wer­den :)
Manche davon sind denkbar ein­fach, manche kön­nen nur in fes­ten Paaren auftreten und andere sind etwas kom­pliziert­er. Aber auch hier wieder; eins nach dem anderen ;)

Macht euch am besten 'n Kaf­fee, Tee oder 'ne heiße Schoko­lade und wühlt euch langsam aber stetig durch das fol­gende Textmon­ster (oder nutzt es nach Bedarf ein­fach nur als Nach­schlagew­erk). Weil es so viele Kon­junk­tio­nen gibt und die ganzen Erk­lärun­gen und Beispiele diese Lek­tion nicht kürz­er wer­den lassen, gibt's alle hier behan­del­ten Kon­junk­tio­nen nochmal als Lin­kleiste für den beque­men Schnel­lzu­griff:

krra… tsakrr… / … a krr | txo… tsakrr… | txoke­fyaw… | swey­lu txo… | swey­lu fwa/tsawa… | zun… zel…
tengkrr… | sre­fwa… | mawkr­ra… / mawfwa… / … a krrmaw | takr­ra… / … akr­rta | vaykrr…
tsnì… | ftx­ey… ftx­ey… | ftx­ey… fuke | ken'aw… släkop…
fìtxan/nìftxan… kuma… | kuma… / … akum | fte… | fteke…
talu­na… / … alun­ta | tawey­ka…
'ul… 'ul… / 'ul… nän… / nän… 'ul… / nän… nän…
ket­sran… | natkenong… | hufwa… | tson­ta… | tup… | ki…
fu, sì, ulte, slä, alu, kop

 

 

krra… tsakrr… — wenn… dann… + … a krr

Für generelle bzw. zeitliche (tem­po­rale) Kon­di­tion­al­sätze. Kon­di­tion­al­satz soll heißen, dass X passieren muss (Kon­di­tion), damit Y ein­treten kann (Folge). Eigentlich gar nicht so schw­er; Beispiele:

Krra nga kelkune tätx­aw, tsakrr 'ayem oel wut­sot aftxìlor. Wenn du nach Hause kommst, dann werde ich eine köstliche Mahlzeit zubere­it­en.

Wenn… dann… immer in der Form auszus­prechen macht kaum jemand, im Deutschen wie in Na'vi, weswe­gen tsakrr oft ein­fach fall­en bzw. nicht aus­ge­sprochen wird (aber man weiß den­noch, dass es den Neben­satz entsprechend ein­leit­et):

Krra nga kelkune tätx­aw, 'ayem oel wut­sot aftxìlor. Wenn du nach Hause kommst, werde ich eine köstliche Mahlzeit zubere­it­en.

Hier muss etwas zeitlich ori­en­tiertes bzw. ein Zeit­punkt ein­treten, damit darauf etwas fol­gen kann.

 

Und wie wir bei den F-Wörtern bere­its gel­ernt haben, hat Na'vi die Eige­nart, dass Neben­sätze nicht nur nach rechts, son­dern auch nach links ver­laufen kön­nen, anders als im Deutschen. Wir erin­nern uns:

Sunu oeru fwa slele. ↔ Slele a fì'u sunu oeru.

Gle­ich­es gilt auch für die meis­ten Kon­junk­tio­nen, auf jeden Fall aber für krra (a krr), talu­na (alun­ta), usw. — aber bleiben wir erst ein­mal bei krra bzw. a krr:

Nga kelkune tätx­aw a krr, 'ayem oel wut­sot aftxìlor. Wenn du nach Hause kommst, werde ich eine köstliche Mahlzeit zubere­it­en.

 

Habt also nach wie vor ein offenes Auge auf das kleine a und in welche Rich­tung es Neben­sätze ver­laufen lässt. ;)

 

 

txo… tsakrr… — falls… dann… (+ Kon­junk­tiv <iv>)

Für erfüll­bare Kon­di­tion­al­sätze. Entspricht am ehesten unserem falls… dann… — in Englisch wird das Ganze noch etwas klar­er, da Englisch einen deut­licheren Unter­schied zwis­chen "wenn" (when) und "falls" (if) macht als Deutsch — Deutsch ver­wen­det zumeist für bei­des ein­fach "wenn" (denn "wenn" kann bei­des bedeuten), aber Na'vi macht da deut­liche Unter­schiede.
Txo erfordert übri­gens den Kon­junk­tiv <iv>, kann in der salop­peren Umgangssprache aber auch wegge­lassen wer­den.
Also, falls… dann… :

Txo new nga rivey, tsakrr oehu! Falls du leben möcht­est, dann (komm) mit mir!

Auch hier kann, wie bei krra / a krr das Wörtchen tsakrr im Neben­satz wegge­lassen wer­den:
Txo new nga rivey, oehu! Falls du leben möcht­est, (komm) mit mir!

 

Tìtusaronìri txo new fko slivu tsulfä­tu, zene smar­to livu walak. Falls du ein Meis­ter des Jagens wer­den möcht­est, musst du aktiv­er als deine Beute sein.

Txo new nga tsli­vam, zene kivanf­pìl. Falls du ver­ste­hen möcht­est, musst du dich konzen­tri­eren.

Txo kxeyeyti ayn­gal tsive'a, rutxe oeru piveng. Falls ihr einen Fehler seht, gebt mir bitte Bescheid.

Txo fkol ke fyiv­el uran­it pay­wä, zene fko slivele. Falls man (s)ein Boot nicht gegen Wass­er abdichtet, muss man schwim­men.

Und manch­mal brauch man über­haupt kein "dann":

Txo ke tsiye­vun oe tìf­tang sivi for. Falls ich es nicht schaf­fen sollte sie aufzuhal­ten.

 

Wie man sehen kann, wer­den die meis­ten Kon­di­tion­al­sätze mit txo oder krra ohne tsakrr gebildet. Hat sich, denke ich, ein­fach so einge­bürg­ert bzw. wurde ein­fach schlichtweg aus dem deutschen bzw. englis­chen Sprachge­brauch so über­nom­men. :P Und da in txo kein a ver­baut ist, kön­nen Sätze, die es bein­hal­ten, nur in eine Rich­tung (nach rechts) ver­laufen.

 

 

txoke­fyaw… — falls nicht… / son­st…

Stammt von "txo ke fìfya'o", "falls nicht auf diese Weise" ab.

Kllte lu ekx­txu. Nari si txoke­fyaw tìran nìnu. Der Boden ist rau/uneben. Pass auf, son­st stolperst du.

Txoke­fyaw lìye­vu kxawm 'a'awa tute a plltxe san po tìkx­ey soli. Andern­falls gäbe es vielle­icht einige Leute, die sagen "er hat's ver­mas­selt".

 

 

swey­lu txo…

Swey­lu stammt von swey lu ("es ist/wäre das Beste") und wird meis­tens durch eine Kon­junk­tion begleit­et. Dabei kommt es darauf an, ob das, was das Beste wäre, in der Zukun­ft stat­tfind­et oder bere­its passiert ist und in der Ver­gan­gen­heit liegt.

Für die Zukun­ft wird sywelu txo ver­wen­det:

Swey­lu txo nga kivä. Es wäre das Beste, du würdest gehen. / Es wäre das Beste, wenn du gehen würdest.

 

Oft wer­den Kon­struk­tio­nen, die swey­lu bein­hal­ten, auch mit "sollen" über­set­zt; das liegt daran, dass es sich im Deutschen (sowie im Englis­chen) zumeist ein­fach bess­er anhört, während es mehr oder min­der die gle­iche Bedeu­tung trans­portiert:

Swey­lu txo nga kivä. Du soll­test gehen.

 

Dabei muss swey­lu txo nicht immer nur direkt am Satzan­fang ste­hen, denn dank freier Wor­tord­nung kann man auch da wieder ein wenig jonglieren und aus diesem Satz z.B. auch fol­gen­des machen:

Nga swey­lu txo kivä. Du soll­test gehen.

Oder eine sehr kurze und knappe Form daraus bilden:

Swey­lu txo kivä. Ich/du/er/sie/wir/ihr… sollte/st/n gehen.

 

 

swey­lu fwa… / swey­lu tsawa…

Und für die Ver­gan­gen­heit bzw. abgeschlossene Hand­lun­gen wird swey­lu fwa oder swey­lu tsawa ver­wen­det:

Swey­lu fwa po kolä. Es ist das Beste / es ist gut, dass er gegan­gen ist.

Swey­lu tsawa po kolä. Es ist das Beste / es ist gut, dass er gegan­gen ist.

 

Achtung, hier kann swey­lu nicht mehr mit "sollen" über­set­zt wer­den.
Wenn ihr euch jet­zt fragt "Hää? Tsawa?" — schaut nochmal in Lek­tion 14 rein ;D

 

 

zun… zel… — falls… dann… (+ Kon­junk­tiv <iv>)

Für unerfüllbare/irreale Kon­di­tion­al­sätze. Soll heißen, dass X hätte passieren müssen/passieren müsste, damit Y hätte ein­treten können/eintreten kann — ist aber nicht so passiert oder wird so nicht passieren, also muss man hier­bei statt zu txo… tsakrr… zu zun… zel… greifen. Hier dürften Beispiele Klarheit schaf­fen:

Zun tom­pa ke zimvup fìre­won, zel tsirvun slivele oe set.
Hätte es heute mor­gen nicht gereg­net, kön­nte ich jet­zt schwim­men gehen. (Es hat heute mor­gen aber gereg­net, also Pech gehabt.)

Zun 'ìkwey Tapi­wahu muntxa ke simvi, zel po yawne­tu oeyä lirvu.
Wenn 'ìkwey Tapi­wa nicht geheiratet hätte, wäre er jet­zt mein Geliebter. (Er hat Tapi­wa aber geheiratet, also wurde nix draus.)

Zun rirvol oe pxiset, zel hivum nga.
Wenn ich jet­zt ger­ade am sin­gen wäre, würdest du wegge­hen. (Ich singe aber nicht, also bleib­st du da.)

Zun oe yawne livu ngar, zel 'ivefu oe nitram nì'aw.
Wenn du mich lieben würdest, wäre ich ein­fach nur glück­lich. (Du lieb­st mich aber nicht…)

Zun oe yawne limvu ngar, zel 'imvefu oe nitram nì'aw.
Wenn du mich geliebt hättest, wäre ich ein­fach nur glück­lich gewe­sen. (Du liebtest mich aber nicht…)

Zun tom­pa zìyevup trray, zel fo srìyevew.
Wenn es mor­gen reg­nen würde, wür­den sie tanzen. (Es wird aber nicht reg­nen…)

 

Bei Kon­di­tion­al­sätzen, vor allem aber solchen mit zun und zel, kom­men ver­mehrt die heißgeliebten Kom­bi­na­tion­sin­fixe (jene mit <iv>, Lek­tion 13) zum Ein­satz, weswe­gen ich sie in den vor­ange­gan­genen Beispie­len eben­falls fett markiert habe.

In den Teil­sätzen mit zel begin­nend kann man diese aber auch weglassen, wenn sie iden­tisch mit dem aus dem Teil­satz mit zun begin­nend sind (aber auch nur dann):

Zun oe yawne livu ngar, zel 'ivefu oe nitram nì'aw.
Zun oe yawne livu ngar, zel 'efu oe nitram nì'aw.
Zun oe yawne limvu ngar, zel 'imvefu oe nitram nì'aw. Zun oe yawne limvu ngar, zel 'efu oe nitram nì'aw.
Zun tom­pa zìyevup trray, zel fo srìyevew. Zun tom­pa zìyevup trray, zel fo srew.

In welch­er Form auch immer, <iv> wird bei zun… zel… immer erfordert, anders als bei txo.

 

 

tengkrr… — während…

Wurde aus ten­ga krr gebildet, "selbe Zeit". Anders als krrka (adp.), das man zusam­men mit Sub­stan­tiv­en ver­wen­det, die eine zeitliche Dauer bein­hal­ten, kann man tengkrr für ganze Neben­sätze (und der Kern eines jeden Satzes ist ja sein Verb) statt nur ein Sub­stan­tiv ver­wen­den. Bei­de Wörter bedeuten "während", aber lasst mich direkt den Unter­schied zwis­chen krrka und tengkrr ver­an­schaulichen:

Krrka sätaron / sätaronkrrka awn­gal pxaya tal­ioan­git tspolang. Während der Jagd haben wir viele Sturmbestien erlegt.

Tengkrr tar­maron, awn­gal pxaya tal­ioan­git tspolang. Während (wir) jagten (am jagen waren), haben wir viele Sturmbestien erlegt.

 

Logisch soweit, oder? Ok, dann mal weit­er im Text.
Da tengkrr, "während", impliziert, dass es sich um einen Zeitraum han­delt, in dem etwas stat­tfind­et, wird häu­fig <er> (bzw. Kom­bi­na­tion­sin­fixe mit <er>) zusam­men mit tengkrr ver­wen­det, weswe­gen ich oben das Infix <arm> gewählt habe. Andere offizielle Beispiel­sätze:

Tengkrr palu­lukan moene kxll sarmi, poltxe Neytir­il aylì'ut a frakrr 'ok seyä layu oer. Während der Thana­tor auf uns bei­de zu stürmte, sagte Neytiri etwas, dass ich auf immer in Erin­nerung behal­ten werde. / Während der Thana­tor auf uns zu stürmte, sagte Neytiri Wörter, deren Gedenken immer mir sein wer­den.

Ihr wun­dert euch über seyä? Ver­ständlich. Wenn ihr euch die voll­ständi­ge Liste aller Per­son­al­pronomen bzw. alle möglichen For­men der­sel­ben im Kern­gram­matik-Sam­mel­suri­um anschaut, dürfte euch recht schnell klar wer­den, was dieses Wort bedeuten soll, bzw. woher es stammt. In Lek­tion 6 wurde bere­its kurz erwäh­nt, dass tsa'u bzw. tsaw als eigen­ständi­ges Pronomen der drit­ten una­n­imierten Per­son ("es") dienen kann. Hier wird die Regel tsa- + ay+ = tsay+ aus­ge­he­belt, denn seyä wurde aus ay+tsa'u-ä gebildet, also erst zu tseyä und dann mit ay+ in den Plur­al geset­zt, ayseyä — und weil bei durch ay+ verur­sachter Leni­tion das ay+ auch fall­en gelassen wer­den kann, kann daraus auch ein­fach seyä wer­den. :)

 

Na'vi ìlä ho'on kllkx­olem tengkrr rerol. Die Na'vi standen in einem Kreis, sin­gend (während sie san­gen).

Txon­am tengkrr tarmìran oe kxam­lä na'rìng, srol­er eo utral atsawl txew­ma vrrtep. Let­zte Nacht während ich durch den Wald lief, erschien ein ang­ste­in­flößen­der Dämon vor einem großen Baum.

Tengkrr ftx­ozä sereiyi awnga, ke tswi­va' aylom­tu­ti ko! Während wir feiern, lasst uns nicht die Ver­mis­sten / jene vergessen, die nicht hier sein kön­nen (die wir aber ver­mis­sen)!

 

 

Auch bei den nach­fol­gen­den Kon­junk­tio­nen dieser Gruppe (von Zeit­punk­ten, krr) gibt es wie bei tengkrr/krrka direk­te Ver­wech­slungs­ge­fahr mit entsprechend ähn­lichen Adpo­si­tio­nen, die ja auch schon in der Kon­junk­tion selb­st drin steck­en bzw. ver­baut wur­den (sre, maw, ta, vay). Daher wer­den auch hier wieder Beispiel­sätze zum Ver­gle­ich und zur Abgren­zung zwis­chen der Ver­wen­dung von Kon­junk­tion und Adpo­si­tion zur Ver­fü­gung gestellt wer­den.

 

 

sre­fwa… — bevor… ver­sus srekrr — vorher/bereits

Nun, um auszu­drück­en, dass etwas vor einem gewis­sen Zeit­punkt oder Gescheh­nis stat­tfind­et, haben wir eigentlich zwei Optio­nen, und alle haben in irgen­dein­er Form etwas mit der Adpo­si­tion sre zu tun.
Bei der, wie auch bei krrka etc., kommt es aber darauf an, sie direkt mit einem Sub­stan­tiv zu ver­wen­den; sobald ein (Teil-)Satz bzw. Verb im Spiel ist, ist die Adpo­si­tion sre alleine nicht mehr die richtige Wahl, wodurch daraus dann entsprechende Kon­junk­tio­nen gebildet wur­den; und zwar srekrr (adv.) (vor der Zeit [welche ist/als…]) und sre­fwa (conj.) (zeitlich vor der Sache welche ist/als…).
Das selbe Prinzip ist auch bei den weit­er unten ste­hen­den Kon­junk­tio­nen mit krr bzw. fwa zu sehen. Diese Erk­lärung hier wird also nicht mehr geson­dert für jede betrof­fene Kon­junk­tion wieder­holt wer­den. Ich hoffe sie hil­ft euch aber hof­fentlich dabei, die Struk­tur hin­ter diesen Kon­junk­tio­nen und somit ihre Bedeu­tung sowie Ver­wen­dung bess­er zu ver­ste­hen. ;)

Fan­gen wir mal gle­ich mit ein­er Reden­sart an, und zwar sre fwa sngap zize'(oft gekürzt zu "sfsz").
Wörtlich heißt sie so viel wie "bevor die Höl­len­feuer­we­spe zus­ticht" und soll so viel heißen wie unsere deutsche Reden­sart "so schnell wie möglich". Hier wurde sre als alleine ste­hende Adpo­si­tion vor fwa ver­wen­det, was so auch kor­rekt ist, also "bevor dieser Sache welche ist". Karyu Pawl hätte statt den bei­den Wörtern aber auch ein­fach sre­fwa ver­wen­den kön­nen, ohne die Bedeu­tung zu verän­dern:
Sre­fwa sngap zize'.

Schauen wir uns mal andere Beispiel­sätze an:

Sre­fwa oe hum, new pivlltxe. Bevor ich gehe, möchte ich sprechen.

Hier hätte man auch statt sre­fwa eben sre fwa ver­wen­den kön­nen:
Sre fwa oe hum, new pivlltxe.

Aber warum sollte man das tun, wenn man statt zwei Wörtern nur ein Wort ver­wen­den kann? :P

 

Zudem gibt es eine Beson­der­heit zu srekrr. Es ist keine Kon­junk­tion, son­dern ein Adverb (adv.), wodurch es nicht am Anfang des (Neben-)Satzes ste­hen muss, anders als sre­fwa (Kon­junk­tion, conj., (Neben-)Satzeinleiter) kann für "vorher" oder "bere­its" ver­wen­det wer­den:

Srekrr 'ame­fu väng, set yeväng. Vorher war ich durstig, jet­zt bin ich nicht mehr durstig / jet­zt ist mein Durst gelöscht.

Tseyk tswa­may­on fa ikran srekrr; tafral fmoli fìkem sivi fa toruk nìsteng. Jake ist vorher (schon mal) mit einem Ikran geflo­gen; daher hat er es auf ähn­liche Weise mit Toruk ver­sucht.

Fayupxaremì oe payängkxo teri horen lì'fyayä leNa'vi fpi sute a tsun srekrr tsat sivar. In diesen Nachricht­en werde ich für jene, die sie bere­its ver­wen­den kön­nen, über die Regeln der Sprache der Na'vi plaud­ern.

 

Ver­wirrt? Ok… lasst es mich so ver­suchen zu erk­lären:

Wenn man über Ereignisse redet, die erst noch in der stat­tfind­en wer­den (egal ob Zukun­ft oder Ver­gan­gen­heit) und davor soll/wird/ist noch etwas passieren/passiert, ver­wen­det man sre­fwa;
Sre­fwa kä nem­fa na'rìng, zene oe hivawl. Bevor ich in den Wald gehe (was erst noch stat­tfind­en wird), muss ich mich vor­bere­it­en.
Sre­fwa kayä nem­fa na'rìng, zayene oe hivawl. Bevor ich in den Wald gehen werde (was erst noch stat­tfind­en wird), werde ich mich noch vor­bere­it­en müssen.
Sre­fwa kamä nem­fa na'rìng, zolene oe hivawl. Bevor ich in den Wald ging (was bere­its stattge­fun­den hat), musste ich mich vor­bere­it­en.

Bei Ereignis­sen, die bere­its in der Ver­gan­gen­heit stattge­fun­den haben, also in der Ver­gan­gen­heit liegen, greift man zu srekrr;
Lì'fyari leNa'vi srekrr ke tslo­lam oe kaw'it, slä set teiok kxay­lyìt. Zuvor habe ich bzgl. der Sprache der Na'vi nichts ver­standen (was aber nun Ver­gan­gen­heit ist), aber jet­zt bin ich auf einem fort­geschrit­te­nen Lev­el.

 

Zu Sprachen bzw. Fähigkeit­en und die ver­schiede­nen Fähigkeit­en­lev­el (Anfänger, Fort­geschrit­ten, etc.) ler­nen wir in Lek­tion 35 mehr.

 

 

mawkr­ra… & mawfwa… — nach­dem… + akr­rmaw ver­sus mawkrr (nach­dem)

Bei mawkr­ra (conj.), mawfwa (conj.) und mawkrr (adv.!) sieht es ähn­lich aus wie bei srekrr (adv.) und sre­fwa (conj.); akr­rmaw ist nur die nach links führende Ver­sion von mawkr­ra.

 

 

takr­ra… / … akr­rta — seit…

 

 

vaykrr… — bis…

 

 

tsnì… — , dass…

Tsnì nimmt qua­si die gle­iche Funk­tion­sweise wie die F-Wörter ("… , dass …") ein und wird zusam­men mit eini­gen spez­i­fis­chen Ver­ben ver­wen­det.

Diese Ver­ben sind: ätxäle si, leymfe', leymkem, mowar si, ran­gal, sìlpey, srefey und sref­pìl.
Aber Obacht, bei srefey und sref­pìl kann man wahlweise statt tsnì auch futa ver­wen­den, solange die bei­den Ver­ben tran­si­tiv (und nicht intran­si­tiv) ver­wen­det wer­den. Dazu gle­ich an entsprechen­der Stelle mehr.

Beispiele, der Rei­hen­folge der entsprechen­den Ver­ben nach:

Oe ätxäle si tsnì frapo fnivu. Ich bitte darum, dass alle leise sein mögen.
Ätxäle si wird auch in ein­er Kon­struk­tion der Höflichkeit oder im zer­e­moniellen Kon­text ver­wen­det, näm­lich
"ätxäle s(uy)i o(h)e pivawm, …", "ich erbitte (höflichst/zeremoniell) fra­gen zu dür­fen, …" — aber zu den ver­schiede­nen Stufen der Höflichkeit der Sprache gibt's erst in Lek­tion 33 mehr.

Fo leymfe' tsnì syuve lu wew. Sie beschw­eren sich darüber, dass das Essen kalt ist.

Leymkem po tsnì fwa Akwey slu olo’eyktan lu kemwiä. Er beschw­ert sich darüber, dass es unfair ist, dass Akwey Klan­führer wird.

Poe mowar si poa­nur tsnì hivum. Sie empfiehlt/rät ihm zu gehen.

Oe ran­gal tsnì tom­pa zivup trray. Ich wün­sche mir, dass es mor­gen reg­net (… , dass es mor­gen reg­nen möge).

Sìlpey oe tsnì fìzìsìtìl ayn­garu zamìye­vunge txana fpomit sì fpom­tokx­it. Ich hoffe, dass dieses Jahr euch viel Glück/Wohlsein/Friede und Gesund­heit brin­gen möge.

 

Wie oben bere­its erwäh­nt, kann man srefey und sref­pìl wahlweise intran­si­tiv mit tsnì oder tran­si­tiv mit futa ver­wen­den, während das Ergeb­nis das gle­iche bleibt:

Set srefey oe tsnì tsam­pongu tätx­aw maw txon'ong. Jet­zt erwarte ich / nehme ich an, dass der Kriegstrupp nach der Abend­däm­merung zurück­kehren wird.
Set srefey oel futa tsam­pongu tätx­aw maw txon'ong. Jet­zt erwarte ich / nehme ich an, dass der Kriegstrupp nach der Abend­däm­merung zurück­kehren wird.

Sref­pìl Omatikaya tsnì Tsyeyk kawkrr ke tayätx­aw maw kavuk sneyä. Die Omatikaya nehmen an, dass Jake niemals nach seinem Ver­rat zurück­kehren wird.
Sref­pìl Omatikayal futa Tsyeyk kawkrr ke tayätx­aw maw kavuk sneyä. Die Omatikaya nehmen an, dass Jake niemals nach seinem Ver­rat zurück­kehren wird.

 

Man kann die meis­ten dieser Kon­struk­tio­nen aber auch ohne Kon­junk­tion ver­wen­den und dadurch entsprechend verkürzen sowie vere­in­fachen. Ist aber stark davon abhängig, ob es sin­nvoll und auch angemessen ist, denn durch Weglassen von Wörtern wird die Aus­sage generell "salop­per". Dieses Fal­l­en­lassen von tsnì ist vor allem oft bei sìlpey zu beobacht­en:

Sìlpey oe, fìzìsìtìl ayn­garu zamìye­vunge txana fpomit sì fpom­tokx­it.

 

 

ftx­ey… ftx­ey… — ob… oder…

 

 

 

ftx­ey… fuke — ob… oder nicht

 

 

 

ken'aw… släkop… — nicht nur… son­dern auch…

 

 

 

fìtx­an… kuma / nìftx­an… kuma — so… dass…

 

 

kuma… / … akum

 

 

fte… — um zu… / sodass… / damit…

 

 

fteke… — sodass nicht…

 

 

talun(a)… / … alun­ta —  weil…

 

 

taweyk(a)… — weil…

 

 

'ul… 'ul… / 'ul… nän… / nän… 'ul… / nän… nän… — je mehr/weniger… desto mehr/weniger…

'ul und nän sind eigentlich Ver­ben, wer­den aber in "je… desto…"-Konstruktionen in beliebiger Vari­a­tion qua­si als ver­gle­ichende Kon­junk­tion ver­wen­det. Hier ein paar (offen­sichtliche bzw. inhaltlich ein­fache) Beispiele:

'ul tskx­ekeng si, 'ul tsan'ul. Je mehr man übt, desto mehr verbessert man sich.

'ul tìkangkem si, nän syu­ra lu oer. Je mehr ich arbeite, desto weniger Energie habe ich.

Nän hahaw nga, 'ul 'efu ngeyn. Je weniger du schläf­st, desto müder bist du.

Nän taron awnga, nän lu awngar tsngan a tsat tsun yivom. Je weniger wir jagen, desto weniger Fleisch haben wir, das wir essen kön­nen.

 

 

ket­sran… — was (wer, wann) auch immer / gle­ichgültig, ob …

 

 

natkenong… — beispiel­sweise / zum Beispiel…

 

 

hufwa… — obwohl…

 

 

tson­ta… — zu… / ver­lan­gen, eine Auf­gabe zu tun (mit kxìm)

 

 

tup… — stattdessen / anstelle von

Tup ver­hält sich ein wenig mehr wie eine Adpo­si­tion als eine Kon­junk­tion, ist aber als Kon­junk­tion klas­si­fiziert — lasst euch aber davon nicht ver­wirren. Euch dürfte ja mit­tler­weile bei­des ein Begriff sein ;) Dann mal gle­ich weit­er zu den Beispie­len:

Lam ngay oer, fo kayä ìlä hil­van tup na'rìng. Es erscheint mir als wahr, sie wer­den ent­lang des Flusses anstelle des Waldes gehen.

 

 

ki… — son­dern

 

 

Fu, sì, ulte, slä, alu, kop und der­gle­ichen benöti­gen, denke ich, keine geson­derte Erk­lärung mehr nach all den vor­ange­gan­genen Lek­tio­nen, in denen sie eh schon ver­wen­det und dadurch indi­rekt vorgeschla­gen wur­den, oder? :) Sie zählen gram­matikalisch auf jeden Fall auch zu den Kon­junk­tio­nen, aber joa… ne? :P
& ulte wur­den in Lek­tion 5 geson­dert erk­lärt, kop bzw. der Unter­schied zu nìteng und nìsung in Lek­tion 35, alu in Lek­tion 9 — fu (oder) und slä (aber) sind rel­a­tiv selb­st erk­lärend, denke ich.

 

 

Für mehr Infos zu fay­lu­ta, fmawn­ta und teyn­g­ta, schaut in Lek­tion 25 rein. ;) Jet­zt üben wir erst mal eine Runde die hier gel­ern­ten Kon­junk­tio­nen:

Übung I:

Fügt die passenden Kon­junk­tio­nen in fol­gende Sätze ein:

 

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