Lektion 22: ko, nang, pak & tut

Mal wieder eine kleine Lin­kleiste, um direkt zum gewün­scht­en Par­tikel (part.) sprin­gen zu kön­nen:

ko | nang | pak | tut

 

 

Ko ist ein hil­fre­ich­es, kleines Wörtchen, welch­es man auf (min­destens) drei ver­schiedene Weisen ver­wen­den kann. Es wird immer am Ende eines Satzes platziert.

 

 

Erste Ver­wen­dungsweise: Ihr ken­nt es vielle­icht noch aus dem Film: "mak­to ko!" — "Lasst uns reit­en!" oder auf Englisch "Let's ride!". Eine sim­ple Auf­forderung mit Frage nach Ein­ver­ständ­nis.

Mit ko fordert man "soziales Einvernehmen/Einverständnis" ein, wenn man zum Beispiel also eine Auf­forderung ausspricht.
In diesem Kurs habt ihr sich­er an ver­schiede­nen Stellen auch schon siva ko!, tskx­ekeng si ko!ftx­ozä sivi ko! etc. gele­sen. Und natür­lich auch im Titel dieser Web­seite: nume ko! ;D

 

Übung I:

Nume ko! heißt also so viel wie… ? ;) Und was ist mit den anderen drei Beispie­len, also siva ko, tskx­ekeng si ko und ftx­ozä si ko?

 

 

Zweite Ver­wen­dungsweise: Man benutzt es auch, um eine Aus­sage in den Raum zu stellen und mit ein­er rhetorischen Frage nach Einverständnis/(gleicher) Mei­n­ung abzuschließen:

Palu­lukan lu ioang lehrrap ko!Der Thana­tor ist ein gefährlich­es Tier, weißt du!?
Ya lu txa­s­om nìhawng ko!Es ist viel zu heiß, meinst du nicht?!

 

 

Dritte Ver­wen­dungsweise: Oder aber, um einen in ein­er rhetorischen Frage ver­pack­ten Vorschlag zu unter­bre­it­en:

Fìkaym 'em wut­soti oel ko.Wie wär's, wenn ICH heute Abend das Essen koche?
'awlo laro sivi nga ko!Wie wär's, wenn DU ein­mal aufräu­men würdest?
Beachtet hier­bei, dass oel bzw. nga am Satzende ste­hen — und das Wort am Satzende hat, wie wir in Lek­tion 03 gel­ernt haben, das meiste "Gewicht".

 

 

Manch­mal wirkt ko wie eine Mis­chung aus dem japanis­chen ね (ne) und よ (yo) auf mich, aber das ist vielle­icht nur meine per­sön­liche Inter­pre­ta­tion. Paul From­mer erwäh­nte jeden­falls mal, dass er sich bzgl. ko auch an dem chi­ne­sis­chen (Man­darin) "ba" ori­en­tiert hat. Für den Fall der Fälle, dass ihr wisst, was damit gemeint ist ;D
Karyu Pawl jeden­falls deutet "ba" bzw. ko mit "Lass(t) uns…", "Wie wär's, wenn…", "Ich werde X tun, ok?", "… meinst du nicht?".

Wie ihr also sich­er gemerkt habt, hat ko eine weite und bre­ite Ver­wen­dungsmöglichkeit. Alle Vari­anten haben aber auf die eine oder andere Weise etwas mit ange­fordertem bzw. einge­fordertem Einverständnis/Zustimmung zu tun.

 

 

Nang ist ein kleines Wörtchen, dass eben­falls immer am Satzende ste­hen muss. Es drückt Ver­wun­derung, Über­raschung oder Erstaunen aus, mehr oder min­der wie ein aus­ge­sproch­enes Aus­rufeze­ichen. Im Com­ic "Tsu'tey's Path" wurde es auch alleine ste­hend ver­wen­det, also qua­si wie eine Inter­jek­tion (Aus­ruf, "Nang!") — davon es so zu ver­wen­den würde ich aber abrat­en; stattdessen kann man auf bere­its abge­seg­nete Inter­jek­tio­nen wie z.B. tewti oder wou zurück­greifen. In ganzen Sätzen ist es aber "safe to use", wie wir auch im Film gese­hen haben:

Grace, als sie das erste Mal dank Jake wieder ins Dorf der Omatikaya zurück darf und dort ein paar Kinder begrüßt:
Kaltxì ma evi! Tsawl nìtx­an nang! Sevin nìtx­an lu ayn­ga nang! Hal­lo, Kinder! So groß! Ihr seid so hüb­sch! / Hal­lo Kinder! Wow, seid ihr groß gewor­den! Und wie hüb­sch ihr seid! 😲😄 

Offizielle Sätze von KP:
Ngari tswintsyìp sevin nìtx­an lu nang! Was für einen hüb­sches Zöpfchen du doch hast!

Fìre­won tom­pameyp zarmup, slä set 'ìmeko nìtx­an nang! Diesen Mor­gen hat es genieselt, aber jet­zt fing es an wie aus Eimern zu schüt­ten!

Haykuri sna'o lor nìtx­an lu nang! Was für eine schöne Samm­lung von Haikus!

Fì'u ley nìtx­an nang! Das ist super kostbar/wertvoll!

 

Dies ist auch der Grund, warum man lange davon aus­ging, dass man nang nur zusam­men mit nìtx­an ver­wen­den darf; dies wurde von KP aber nie wider­legt oder bestätigt. Auf seinem Blog Na'viteri find­en wir auch Beispiele, die zwar nicht von ihm stam­men, die er aber so von anderen auf seinem Blog über­nom­men hat, und nicht in allen, in denen nang zu find­en ist, ist auch ein nìtx­an in direk­tem Zusam­men­spiel mit nang auffind­bar.
Wir brauchen in diesem Zusam­men­hang also immer noch mehr offizielle Infos bzw. ein finales "Macht­wort", aber bis wir dieses haben, ist es nicht verkehrt sich an offiziellen Beispiel­sätzen oder an solchen von sehr erfahre­nen Sprachan­wen­dern zu ori­en­tieren.

 

 

Pak wird euch auch nochmal in Lek­tion 34 begeg­nen. Es wird eben­falls immer ans Satzende gestellt und drückt Abschätzung, Ger­ingschätzung, Ver­ach­tung, Zynis­mus, Her­ablas­sung, Her­ab­würdi­gung oder Feind­seligkeit aus. Also etwas sehr neg­a­tives. Es direkt in Worte zu fassen bzw. wörtlich zu über­set­zen ist schwierig bis unmöglich, aber anhand fol­gen­der Beispiele dürfte die Ver­wen­dung und Bedeu­tung von pak klar wer­den:

Tsu'tey im Film über Jake:
Tsam­siyu pak! Pot tsun oe tspi­vang nìftue! Ein Krieger, pff, von wegen/dass ich nicht lache! Ihn kön­nte ich ganz leicht töten!

Beispiel von KP:
Tsaw ke ley kaw'it pak! Das ist über­haupt nicht kost­bar! Das ist abso­lut wert­los! Das ist nut­zlos­er Müll!

Ein Beispiel­satz von mir aus Lek­tion 02:
Kehe! Ke new ayoe uvan sivi ngahu pak! Nein! Wir wollen mit dir Blöd­mann nicht spie­len!

 

 

Tut läuft jedem neuen Schüler rel­a­tiv schnell über den Weg, doch ger­ade am Anfang ist es für viele schwierig, seine Ver­wen­dungsweise zu ver­ste­hen und es dem­nach entsprechend kor­rekt anzuwen­den. Hier also ein Aufk­lärungsver­such, den auch Anfänger ver­ste­hen kön­nen soll­ten:

Ngaru lu fpom srak? Ist dir Wohl­sein? Geht's dir gut?
Srane. Oeru lu fpom. Ngaru tut? Ja. Mir geht's gut. Und dir?

Man kann tut nicht wörtlich mit "und" über­set­zen, denn wie wir wis­sen haben wir noch zwei andere "und" auf Na'vi, näm­lich und ulte. All diese "unds" auf Deutsch übernehmen ver­schiedene Funk­tio­nen; hier in dem Beispiel wird es ver­wen­det, um die anfangs gestellte Frage "Geht's dir gut?" an den ursprünglichen "Fra­gen­steller" zurück zu wer­fen. Tut funk­tion­iert also qua­si wie ein Spiegel für Fra­gen; er wirft eine Frage zurück an den­jeni­gen, der die Frage zuerst gestellt hat.

Dabei ist es wichtig zu beacht­en, dass tut nichts mit Fal­l­en­dun­gen per se zu tun hat; hier wird der Dativ -ru ver­wen­det, weil die Sch­ablone "Fkoru fpom lu (srak)" heißt und nicht, weil tut ver­wen­det wird. Das ist eine poten­tielle Fehlerquelle, die viele Anfänger noch nicht erken­nen oder ver­ste­hen. Lasst's mich an ein paar anderen Sit­u­a­tio­nen ver­an­schaulichen, in denen man tut ver­wen­den kön­nte:

Pehem soli nga fìtrr? Was hast du heute gemacht?
Uvan soli oe. Nga tut? Ich habe gespielt. Und du?

Seht ihr? Kein Dativ -ru, weil die Ursprungs­frage auch keinen bein­hält. Man spiegelt also dank tut die Frage mit­samt ihrer gram­matikalis­chen Kom­po­si­tion zurück und ver­wen­det dabei eben die Fal­l­en­dun­gen (oder eben keine, wenn keine ver­wen­det wur­den) wie der ursprünglich Fra­gende. Ein weit­eres Beispiel:

Ngari solalew pezìsìt? Wie alt bist du?
Oeri solalew zìsìt atsìvol. Ngari tut? Ich bin 32 Jahre alt. Und du?

Die Ursprungs­frage ver­wen­det den Top­i­cal am Per­son­al­pronomen (ngari), daher wird die Frage eben­falls mit Top­i­cal (ngari) zurück gespiegelt. Eigentlich gar nicht so schw­er, oder? ;)

 

Gut, dann machen wir's noch ein Eckchen kom­pliziert­er (Achtung, Plot­twist!): Eigentlich spiegelt tut keine Fra­gen, son­dern Aus­sagen. Es muss näm­lich eigentlich nie­mand zuerst eine Frage gestellt haben, um tut ver­wen­den zu kön­nen. Es geht auch ohne (achtet wieder auf die Fal­l­en­dun­gen):

Oeru fko syaw Krrsì. Ngaru tut? Ich heiße Kris. Und du?/Und wie heißt du?

Oel relit wereyn. Ngal tut? Ich zeichne ger­ade ein Bild. Und du?/Und was zeichnest du?

'iteri oeyä solalew zìsìt amrr. 'itanìri ngeyä tut? Meine Tochter ist fünf Jahre alt. Und dein Sohn?/Und wie alt ist dein Sohn?

Sem­pu kä raw kil­van. Nga tut? Papa geht runter zum Fluss. Und du?/Und wo gehst du hin?

 

 

Übung I:

 

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