Lektion 20: Vergleiche & Steigerungen

Na'vi ist gut, bess­er, am besten! Auf jeden Fall aber bess­er als Deutsch.  Steigerun­gen und Ver­gle­iche, darum geht's hier in dieser Lek­tion. :)

 

 

Steigerun­gen

Was eine Steigerung ist, muss ich euch, glaube ich, nicht erk­lären, oder? Ist ja eigentlich ein rel­a­tiv ein­fach­es Phänomen, also Aus­gangs­form ("gut"), die Steigerung ("bess­er") und der Superla­tiv ("am besten") —  und auch auf Na'vi gestal­tet sich das Ganze auch nicht allzu kom­pliziert. Im Grunde sog­ar etwas ein­fach­er als im Deutschen, weil es dabei keine irreg­ulären For­men gibt, anders als in der deutschen Sprache.
Also gehen wir am besten gle­ich zu Beispie­len über, die das Ganze bess­er erk­lären kön­nen als ellen­langes Rumgeschwafel mein­er­seits:

Oe lu txur. Ich bin stark.
Oe lu txur nì'ul. Ich bin stärk­er.
Oe lu txur frato. Ich bin am stärk­sten.

 

Nì'ul erlaubt uns die Steigerungs­form zu bilden, also "stärk­er", "schneller", "bess­er" und so weit­er.
Das haben wir auch schon im Film gehört, als Neytiri beim Bogen­train­ing zu Jake sagt "txur nì'ul, stärker/stronger" — er soll seine Bauch­muskeln stärk­er anspan­nen, um die kor­rek­te Bogen­schützen­po­si­tion hinzukriegen.

Frato bedeutet wörtlich "im Ver­gle­ich zu allen/allem" und erlaubt uns den Super­al­tiv zu bilden, also die höch­st­mögliche Steigerung. Schneller, stärk­er oder bess­er geht nicht, ergo erhal­ten wir durch frato z.B. "am schnellsten/stärksten/besten".

 

Bei bei­den ist es jedoch wichtig das Adjek­tiv (= die Eigen­schaft) oder das Adverb (= die Art und Weise der Hand­lung) nicht zu vergessen, welch­es gesteigert wer­den soll. In den oben ste­hen­den Beispiel­sätzen beziehen sich nì'ul und frato also auf txur.
Ein weit­eres Beispiel:

Taronyu tul nìwin. Der Jäger ren­nt schnell.
Taronyu tul nìwin nì'ul. Der Jäger ren­nt schneller.
Taronyu tul nìwin frato. Der Jäger ren­nt am schnell­sten.

Hier beziehen sich nì'ul und frato auf nìwin.

Frato kann man auch neben Adjek­tive stellen, die mit Hil­fe von -a- ein Sub­stan­tiv direkt beschreiben, also wie in z.B.: Fìpo payoang anarlor frato leiu.

 

 

 

Und dann gibt es noch nì'ul'ul und nìnänän, nicht zu vergessen nìnän. Sie ste­hen nicht wirk­lich im direk­ten Kon­text zu Steigerun­gen, aber sie find­en den­noch irgend­wo sin­nver­wandte Anwen­dungs­bere­iche:

Oe slu txur nì'ul'ul. Ich werde stärk­er und stärk­er / Ich werde immer stärk­er. (Achtung, slu anstelle von lu!)
Taronyu tul nìwin nì'ul'ul. Der Jäger ren­nt schneller und schneller / Der Jäger ren­nt immer schneller.

 

Oe slu txur nìnänän. Ich werde weniger und weniger stark.
Taronyu tul nìwin nìnänän. Der Jäger ren­nt weniger und weniger schnell.

Oe slu txur nìnän. Ich werde weniger stark.
Taronyu tul nìwin nìnän. Der Jäger ren­nt weniger schnell.

↑ diese Beispiele ergeben aber nicht so viel Sinn bzw. sind nicht so ele­gant gelöst wie fol­gende Alter­na­tiv­en:

Oe slu meyp nì'ul'ul. Ich werde schwäch­er und schwäch­er.
Taronyu tul nìk'ong nì'ul'ul. Der Jäger ren­nt immer langsamer.

Oe slu meyp nì'ul. Ich werde schwäch­er.
Taronyu tul nìk'ong nì'ul. Der Jäger ren­nt langsamer.

 

Nìnän(än) und nì'ul('ul) sind Adver­bi­en (adv.), die man aber am besten in Sätzen ver­wen­det, die gram­matikalisch so schlicht wie möglich sind:

Frazìsìkrr pay kil­vanä nän nì'ul'ul. Jedes Jahr nimmt das Wass­er des Flusses mehr und mehr ab. / Jedes Jahr trock­net der Fluss mehr und mehr aus.
Fralo a taron, oeyä 'itan txopu si nìnänän. Jedes Mal wenn er jagt, hat mein Sohn immer weniger/von Mal zu Mal weniger Angst.
Ayhapxì­tu ponguä txopu si nìnän takr­ra Va'rul pxeku­tut lätx­ayn. Die Mit­glieder der Gruppe haben weniger Angst, seit­dem Va'ru drei Geg­n­er besiegt hat.

 

 

Ver­gle­iche

Dafür haben wir eine feste Sch­ablone, die das Wörtchen to bein­hält. to bedeutet so viel wie "im Ver­gle­ich zu" und ver­hält sich wie eine Adpo­si­tion (adp.) — man kann es also mit Leerze­ichen vor das betr­e­f­fende Wort stellen oder direkt daran hin­ten anhän­gen (was, je nach Satz, aber nicht immer die beste Option ist, siehe Beispiele in unten­ste­hen­der Tabelle).
Daher kommt auch frato (siehe oben), zusam­menge­set­zt aus fra-('u) und to, "im Ver­gle­ich zu allen/allem".

Diese Ver­gle­ichss­ch­ablone sieht z.B. wie fol­gt aus:
to Y adj. v.   -oder–   X Yto adj. v.

X ste­ht hier für ein Sub­stan­tiv oder Pronomen, Y für das zweite. Dank to wird Y mit X ver­glichen.
Dann braucht man natür­lich noch ein Verb (v.) und ein Adjek­tiv (adj.) oder son­stige Wortk­lassen (z.B. adv.), die man für den Satz benötigt. Man kann auch auf Adjek­tive verzicht­en und Sätze mit L+T etc. bauen und die Wor­tord­nung natür­lich frei ver­basteln wie man lustig ist. Die zu ver­gle­ichen­den Dinge/Personen/Handlungen müssen dabei nicht am Satzan­fang ste­hen, kezem­plltxenì'ul oder nìnän wer­den hier aber nicht benötigt!

Schauen wir uns das ganze mal in Aktion an, in sich steigern­der Kom­plex­ität:

Na'vi Wörtliche Über­set­zung Über­set­zung / Bedeu­tung
Neytiri to Ninat narlor lu.
Neytiri Ninatto narlor lu.
Neytiri im Ver­gle­ich zu Ninat ist schön. Neytiri ist schön­er als Ninat.
Kìreysì to Neytiri meyp lu.
Kìreysì Neytirito meyp lu.
Grace im Ver­gle­ich zu Neytiri ist schwach. Grace ist schwäch­er als Neytiri.
Ninat to Neytiri rol nìlor.
Ninat Neytirito rol nìlor.
Ninat im Ver­gle­ich zu Neytiri singt schön. Ninat singt schöner/besser als Neytiri.
Tsyeyk to Tsu'tey olo'eyktan asìlt­san lu.
Tsyeyk Tsu'teyto olo'eyktan asìlt­san lu.
Jake im Ver­gle­ich zu Tsu'tey guter Klan­führer ist. Jake ist ein besser­er Klan­führer als Tsu'tey.
Peyralìl to Neytir­il yerik­it apx­ay tolaron. Peyral im Ver­gle­ich zu Neytiri viele Yerik hat gejagt. Peyral hat mehr Yeriks gejagt als Neytiri.
Fwa nan­tan­git tspang lolu muiä to fwa tung futa po vivar ngivä'än nìkelkin, ma 'itan.
Die Sache welche ist Nan­tang töten ist fair gewe­sen im Ver­gle­ich zu der Sache welche ist zuzu­lassen diese Sache welche ist er würde fort­führen unnötig zu lei­den, O Sohn. Es war fairer/gerechter den Nan­tang zu töten als zuzu­lassen, dass er weit­er unnötig lei­det, Sohn.

 

(genau) so… wie — nìftx­an … na

Ver­gle­iche der Gle­ich­heit, also "X ist/rennt/schwimmt/… genau­so B wie Y", wer­den mit nìftx­an und na gebildet. Um hier X mit Y zu ver­gle­ichen, benötigt man nur noch ein entsprechen­des Verb und Adverb oder Adjek­tiv (B).

Oe lu nìftx­an kanu na nga.
Oe lu nìftx­an kanu ngana.
Ich bin genau­so schlau wie du.

 

Wenn der Ver­gle­ich­spunkt, also die Per­son oder die Sache, die als Aus­gangspunkt des Ver­gle­ichs dient ("wie du") ein Pronomen oder ein Sub­stan­tiv ist, kann für den Ver­gle­ich statt na der Top­i­cal ver­wen­det wer­den:

Ngari lu oe nìftx­an kanu. Ich bin genau­so schlau wie du.

 

Das Ganze lässt sich natür­lich auch mit Adver­bi­en statt Adjek­tiv­en (B, s.o.) ver­wen­den, also zum Beispiel:

Oe slele nìftx­an nìwin na nga/ngane.
Ngari slele oe nìftx­an nìwin.
Ich schwimme genau­so schnell wie du.

 

 

na ver­sus pxel

Bei­de bedeuten "wie" (ver­gle­ichend) und bei­de wer­den für Ver­gle­iche ver­wen­det. Jedoch funk­tion­ieren oben ste­hende Sch­ablo­nen auss­chließlich mit na. In anderen Sätzen oder Sit­u­a­tio­nen kann man statt na aber auch wahlweise pxel ver­wen­den. Beispiele:

Kemlì'ut alu var fkol sar na pum alu new.
Kemlì'ut alu var fkol sar pxel pum alu new.
Man ver­wen­det das Verb "var" wie das Verb "new".
Fay­hetu­wongìri tsat a 'ampi tspìyang, na txum!
Fay­hetu­wongìri tsat a 'ampi tspìyang, pxel txum!

Alles, was diese Him­mels­men­schen berühren, wird ster­ben — wie Gift!

 

Pxel wird nur in ein­er Sit­u­a­tion zwin­gend (statt na) erfordert, näm­lich immer dann, wenn man das Wort zet ver­wen­det:

Peyralìl zet wura wut­sot a'awnem pxel sngel. Peyral behan­delt eine kalte, gekochte Mahlzeit wie Müll. ("… als ob sie Müll wäre.")
Pol zeret oeti pxel tute a ke inan pot. Er behan­delt mich wie jemand, der ihn nicht kennt/versteht(/"liest").

 

 

Übung I:

Fügt die fehlen­den Ele­mente an den entsprechen­den Stellen in fol­gen­den Sätzen ein:

  1. .

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