Lektion 19: (negative) Befehle

Wie kom­mandiert man andere herum? In dem man den Imper­a­tiv, also die Befehls­form ver­wen­det.
In der deutschen Sprache wer­den dafür nor­maler­weise Ver­ben gekürzt und/oder verän­dert, aus "gehen" wird "geh!" oder "geht!". Aus "lesen" wird "lies!" oder "lest!".

Auch Na'vi verän­dert u.U. Ver­ben, um die Befehls­form zu bilden, macht sie dabei jedoch mit Hil­fe des <iv>-Infix länger — oder sie bleiben ein­fach in ihrer Grund­form beste­hen. Das haben wir bere­its in Lek­tion 13 gese­hen:

 

Rutxe, pivlltxe. Sprich, bitte. (Mögest du bitte sprechen.)
Kivä neto! Hau ab! Geh weg! (Mögest du wegge­hen!)
Ayn­ga neto rivikx! Bewegt euch weg! Tretet zurück! (Möget ihr euch weg bewe­gen!)

 

Ob im Zusam­men­hang mit dem Imper­a­tiv <iv> ver­wen­det wird oder nicht, ist reine Geschmackssache. Der Befehl wird durch <iv> nicht "milder" oder weniger "harsch", <iv> wirkt sich hier also nicht wirk­lich bedeu­tungsverän­dernd aus!

Um aus einem Befehl eine auf­fordernde Bitte zu machen, kann man jed­erzeit gerne rutxe ver­wen­den — "bitte" und "danke" haben schließlich noch nie wirk­lich geschadet ;)

 

Ohne <iv> bleibt der Ton der Befehle also der gle­iche:
Rutxe, plltxe. Sprich, bitte. 
Kä neto! Hau ab! Geh weg!
Ayn­ga neto rikx! Bewegt euch weg! Tretet zurück!

 

 

Wie man eine Aus­sage verneint, haben wir in Lek­tion 17 gel­ernt, näm­lich mit ke. Der natür­liche Impuls wäre wohl also, dass man ke auch für neg­a­tive Befehle ver­wen­det, doch das wäre falsch; denn dafür haben wir ein eigenes Wörtchen: rä'ä.

Es muss nor­maler­weise (wie ke) vor das zu verneinende Verb inner­halb des neg­a­tiv­en Befehls platziert wer­den, auch hier­bei ist die Ver­wen­dung von <iv> (siehe oben) option­al, scheint aber generell weniger häu­fig aufzutreten:

Rä'ä kivä! Geh(t) nicht!
Txopu rä'ä si! Hab'/habt keine Angst!
Sngum rä'ä si! Mach(t) dir/euch keine Sor­gen!
Rä'ä fwi! Rutsch(t) nicht aus!
Rä'ä stivi. Sei nicht wütend/sauer.

Noch ein paar tolle Beispiel­sätze von Na'viteri.org:
Nim rä'ä lu! Pohu pivängkxo! Sei nicht scheu! Rede mit ihr!
Oeti rä'ä srätx. Nerv mich nicht. / Geh mir nicht auf den Keks.
Ngal new a tsa'ut rä'ä wivo, ma 'evi. Vivin. Greif dir nicht ein­fach das was du haben willst, Kind. Bitte vorher darum.
Kea kem leyewla rä'ä si, rutxe. Bitte ent­täusche mich nicht. (Wörtlich: Bitte mach keine ent­täuschende Hand­lung.)
Sti­wi rä'ä si, ma 'eveng! Uvan si mì sen­go ala­he. Sei nicht frech/unartig, Kind. Geh woan­ders spie­len.

Apro­pos Kinder und Zurechtweisung sel­biger; es gibt sog­ar eine kurze Reden­sart, die sich spez­i­fisch an unar­tige Kinder richtet:
Rä'ä räp­tum! Sei nicht (so) frech/unhöflich! Ben­imm' dich!
Beachtet, dass hier das dazuge­hörige bzw. verneinte Verb (ver­mut­lich lu bzw. livu) fehlt bzw. fall­en gelassen wurde.

 

 

Doch hier gibt es im Gegen­satz zu ke eine Aus­nahme; rä'ä kann näm­lich auch dahin­ter gestellt wer­den, um die Wirkung von rä'ä zu ver­stärken (siehe Hin­weis zu "Gewicht" in Sätzen am Satzende in Lek­tion 3). Dadurch wird gegebe­nen­falls kon­textab­hängig aus "mach das nicht" eher ein "wehe du machst das":

Fwi rä'ä! Rutsch nicht aus! -oder- Rutsch bloß nicht aus! -bzw.- Wehe du rutscht aus!
Oeti 'ampi rä'ä, ma skx­awng! Rühr' mich nicht an, Idiot! -oder- Wehe du rührst mich an, Idiot!

Haya yakro fti­vang. Salew rä'ä. Halte bei der näch­sten Abzwei­gung an. Geh/fahr/reite nicht weit­er.

Tem rä'ä! Schieß nicht! / Nicht schießen!!

 

Beachtet bitte, dass dies aber nicht bei si-Ver­ben möglich zu sein scheint, zumin­d­est kon­nte ich dazu keine offiziellen Beispiele find­en. Soll heißen, geht lieber auf Num­mer Sich­er und stellt rä'ä weit­er­hin zwis­chen den Haupt­teil des si-Verbs und das Hil­fsverb si, wie in z.B. txopu rä'ä si.

 

 

rä'ä vs. ftang

Es mag vielle­icht von sich aus schon klar sein, aber der Voll­ständigkeit hal­ber möchte ich es hier nochmal verdeut­lichen:
Es ist ein Unter­schied wenn ich sage "mach das nicht" im Ver­gle­ich zu "hör auf das zu machen". Die bei­den Aus­sagen sind nicht gle­ich­w­er­tig, also gibt es zwei ver­schiedene Wege, um das entsprechend auszu­drück­en. Ver­gle­icht sel­ber:

Sti­wi rä'ä si! Sei nicht frech!
Ftang sti­wi sivi! Hör auf frech zu sein!

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