Lektion 18: Modalverben + iv

Wie in Lek­tion 13 schon ange­sprochen, wird <iv> auch im Zusam­men­hang mit Modalver­ben ver­wen­det.

Modalver­ben? Ken­nen wir auch im Deutschen: kön­nen, mögen, wollen, sollen, müssen, dür­fen, und so weit­er. In Na'vi-Wörterbüchern wer­den sie oft­mals durch vtrm. oder vinm. gekennze­ich­net.
Ein Modalverb ist "ein Verb, das ein Vol­lverb dahinge­hend ergänzt, dass es aus­drückt, ob die Hand­lung zum Beispiel möglich, gewollt oder notwendig ist." (Quelle)

Hier eine Über­sicht der Modalver­ben:

Verb Klas­si­fizierung Bedeu­tung
tsun vinm. kön­nen, in der Lage sein (etwas zu tun), dür­fen (Höflichkeit)
zene vinm. müssen, sollen
zenke vinm. nicht dür­fen
fmi vtrm. ver­suchen, pro­bieren
may' vtrm. ver­suchen, aus­pro­bieren, kosten, testen
var vinm. fort­führen (etwas zu tun), weit­er­ma­chen, einen Zus­tand beibehal­ten
new vtrm. möcht­en, wollen
nul­new vtrm. lieber wollen, bevorzu­gen
ftang vinm. aufhören, anhal­ten, stop­pen
sngä'i vinm. begin­nen, anfan­gen, starten
sto vtrm. weigern (etwas zu tun), ver­weigern, ablehnen, abschla­gen
kan vtrm. zie­len, beab­sichti­gen (etwas zu tun)

 

Modalver­ben zu ver­wen­den ist gar nicht so schw­er, was das Ganze etwas kom­pliziert macht, ist, wenn die L&T-Endung auf Na'vi mit ins Spiel kom­men. Aber dazu später mehr. Jet­zt erst­mal die Basics:

Ich möchte ler­nen. Oe new nivume.
Ich möchte essen. Oe new yivom.
Du willst jagen. Nga new tivaron.
Er muss gehen. Po zene kivä.
Sie begin­nt zu lesen. Po sngä'i ivinan.
Sie dür­fen nicht ster­ben. Fo zenke tiverkup.
Du hörst auf zu schlafen. Nga ftang hivahaw.
Sie können/dürfen malen. Fo tsun wiveyn.

Wie ihr sehen kön­nt, muss man <iv> in dem auf das Modalverb fol­gende Verb ein­fü­gen!

Das ganze kann man natür­lich auch mit anderen Ele­menten wie Zeit­for­men, Stim­mungsin­fix­en und so weit­er mis­chen. Beispiele:

Wir woll­ten schwim­men. Moe namew slivele.
Du wirst jagen dür­fen. Nga tsayun tivaron.
Sie durfte nicht sin­gen :( Po zolenängke rivol. (Nicht zolenkänge, mehr zu zenke und Infix­en siehe unten.)

Solche Infixe müssen dann aber ins Modalverb sel­ber und nicht in das darauf fol­gende Verb einge­set­zt wer­den.

 

Die Wortstellung/Anordnung bei Modalver­ben ist vorzugsweise: das Modalverb und danach direkt das damit ver­wen­dete, andere Verb — wie in den Beispie­len oben. Also: Modalverb, Verb. Oe new nivume. Nga tsun hiva­haw. Und so weit­er.
Man kann das Ganze aber natür­lich auch entsprechend anders anord­nen:
New oe nivume.
Tsun nga hiva­haw.
Hier haben sich oe bzw. nga zwis­chen die bei­den zusam­menge­höri­gen Ver­ben gequetscht.
Oder aber:
New nivume oe.
Tsun hiva­haw nga.

Die einzige Regel dabei ist, dass das Modalverb immer vor dem anderen, dazuge­höri­gen Verb ste­hen muss. Wo genau im Satz ist rel­a­tiv flex­i­bel, sie soll­ten aber den­noch so nah wie irgend möglich beieinan­der ste­hen.

Vor allem im Zusam­men­hang mit si-Ver­ben lassen sich so inter­es­sante Wor­tord­nun­gen zaubern. Beispiel aus einem Blog­post von Karyu Pawl höch­st­per­sön­lich:
Ha kempe tsun sivi (fko) set?
Die geläu­figere Anord­nung wäre
Ha tsun kempe sivi (fko) set?
… Aber bei­de Vari­anten sind möglich. Schon inter­es­sant, vor allem in anbe­tra­cht dessen, was wir bzgl. si-Ver­ben gel­ernt haben (Lek­tion 10). Damit ihr jet­zt nicht auf Lek­tion 10 zurück­sprin­gen müsst (:P), hier nochmal konkret das gemeinte Beispiel:
Tsakem a ke tsol­un sivi oe ke lu ftue.
Um's etwas klar­er zu machen: Kem si beste­ht ja aus einem Sub­stan­tiv und dem Hil­fsverb si. Im Bezug auf Modalver­ben ist es also nur wichtig, dass das Modalverb grundle­gend vor den si-Teil des si-Verbes gestellt wird. Wohin genau das Sub­stan­tiv des si-Verbes gepackt wird, scheint dabei neben­säch­lich zu sein — solange es eben­falls vor dem si-Teil des si-Verbes ste­ht.

 

 

Was ist aber nun, wenn man das Ganze in kom­plex­eren Sätzen (mit Fal­l­en­dun­gen usw.) anwen­den möchte? Nun ja, da kom­men einige beson­dere Regeln für Modalverb-Kon­struk­tio­nen hinzu, die man verin­ner­lichen und beacht­en sollte. (Für detail­liert­ere Infos auf Englisch dazu, lest euch gerne Karyu Pawls Blog­post dazu durch: http://naviteri.org/2011/03/word-order-and-case-marking-with-modals/)

Die generell bevorzugte und emp­foh­lene Satzstel­lung für Modalkon­struk­tio­nen mit L&T-Endungen sieht wie fol­gt aus:

Ich möchte Tey­lu essen. Oe new yivom tey­lut.
(S vm. v. O / Sub­jekt Modalverb Verb Objekt)

Hier wird das L, was eigentlich an oe ange­hängt wer­den müsste, wegge­lassen — und das ist gram­matikalisch kor­rekt so, denn Modalkon­struk­tio­nen in dieser Satzstel­lung erlauben bzw. erfordern dies sog­ar.

Genau­so möglich und weit akzep­tiert bzw. noch mehr bevorzugt ist aber auch fol­gende Stel­lung:

Ich möchte Tey­lu essen. Oel tey­luti new yivom.
(S O vm. v. / Sub­jekt Objekt Modalverb Verb)

Andere Stel­lun­gen sind natür­lich auch möglich, aber je nach­dem weniger bis gar nicht akzept­abel (soll heißen, Na'vi wür­den darüber wahrschein­lich die Nase rümpfen). Bleibt also vorzugsweise bei den bei­den oben ste­hen­den Satzstel­lun­gen.

 

 

Man kann Modalver­ben übri­gens auch beliebig oft aneinan­der­rei­hen und dadurch wahre Modalver­bket­ten erstellen. Dabei sollte man aber die logis­che Rei­hen­folge der Wörter bzw. Bedeu­tung ein­hal­ten. Beachtet dabei die Ver­wen­dung von <iv> selb­st in den nach­fol­gen­den Modalver­ben:

Po ftang vivar fmivi hivahaw. Sie hört auf fortzuführen zu ver­suchen zu schlafen.
Tsun awnga vivar kivan fmivi srefpivìl futa tsun­slu tsaw. Wir kön­nen weit­er­führen zu beab­sichti­gen zu ver­suchen zu ver­muten, dass das möglich ist.

Darüber, wann der Ein­satz solch­er über­trieben lan­gen Modalver­bket­ten sin­nvoll ist (vor allem ohne dabei irgend­wann lächer­lich zu klin­gen), bleibt jedem selb­st über­lassen zu entschei­den. Kurze Modalver­bket­ten (beste­hend aus zumeist zwei Modalver­ben + Verb) kom­men jedoch ver­gle­ich­sweise häu­fig vor:

Oe new vivar nivume. Ich möchte fort­führen zu ler­nen.

 

 

Die Extrawurst namens zenke

Mal davon ab, dass zenke umgangssprach­lich bzw. generell eher zengke aus­ge­sprochen wird, zickt es etwas rum, wenn man Infixe in dieses Modalverb pack­en möchte.

Ursprünglich stammt zenke von fol­gen­der Kon­struk­tion ab: zene ke (2. Verb), zum Beispiel zene ke kivä ("… darf nicht gehen"). zene und ke wur­den also ein­fach zuerst zu zeneke und dann zu zenke zusam­menge­zo­gen.
Dies ist deswe­gen rel­e­vant, weil aus zenke wieder zeneke wird (das wegge­lassene zweite e schle­icht sich also wieder zurück ins Wort), sobald man <ats> oder <uy> in dieses Modalverb ein­fügt:
zenke + <ats> = zenatseke
zenke + <uy> = zenuyeke

Dies gilt aber nur für diese bei­den Infixe, bei allen anderen ver­hält sich zenke mehr oder min­der entsprechend vorherse­hbar:
zenke + z.B. <ol> = zolenke
zenke + z.B. <äng> = zenängke
zenke +
z.B. <ay> + <ei> = zayeneike
Und nochmal das Beispiel von oben:
zenke +
z.B. <ol> + <äng> = zolenängke

Die zweite Infix­poi­si­tion bei zenke ist also nicht zenk<2>e, son­dern zen<2>ke, weil das Usprungsverb zene (zen<2>e + ke) ist.
Nochmal mit allen Infix­po­si­tion­s­grup­pen: z<0><1>en<2>ke.

 

 

Und zu guter let­zt noch etwas zum Unter­schied zwis­chen fmi und may'; um den zu erk­lären bedi­ene ich mich ein­fach mal eines Zitats von Karyu Pawl, über­set­zt von xMine:

Das Verb may' bedeutet "aus­pro­bieren, pro­bieren, an etw. riechen, blick­en" – Ein­fach gesagt also etwas schnell mit allen Sin­nen zu beurteilen. Zusät­zlich umfasst may' nicht nur die sen­sorische Bedeu­tung, son­dern bein­hal­tet auch die Bedeu­tun­gen von "bew­erten, anpro­bieren, aus­pro­bieren". Man kön­nte zum Beispiel einen neuen Bogen may'-en, etwas neues zum Anziehen, ein unbekan­ntes pa'li, einen neu-gel­ern­ten Tanzschritt … Im Großem und Ganzen kann man es wie das Deutsche "ver­suchen" ver­wen­den, nicht aber als Syn­onym für „pro­bieren“. Die Ermah­nung Mivay' oder May' ko ste­ht dabei für "Ver­suchs doch mal!".

(…) Aber wie es sich von fmi unter­schei­det bedarf wohl ein­er kleinen Erk­lärung. Fmi bedeutet so viel wie "aus­pro­bieren", man ver­sucht also, die besagte Aktion auszuführen. May' bezieht sich eher auf die Erfahrung, die man beim aus­führen ein­er Tätigkeit hat. (…)

Ver­gle­icht nun diese bei­den Sätze:
Fmi mivak­to pa'lit!
"Ver­such mal, das Schreck­en­spferd zu reit­en! (Ich wette, dass du das kannst!)"
May' mivak­to pa'lit!
"Pro­bier mal, ein Schreck­en­spferd zu reit­en! (Vielle­icht wird dir das bess­er gefall­en, als ein Ikran zu reit­en.)"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.