Lektion 18: srak(e), ‑pe+ & kefyak

Tjoa, wie fragt man Fra­gen auf Na'vi? Gute Frage! ;D

Die deutsche Sprache bedi­ent sich ein­er bes­timmten Wort­stel­lung im Satz, um aus ein­er Aus­sage eine Frage zu machen (“Ich habe geschlafen. — Habe ich geschlafen?”). Da Na'vi es nicht so wirk­lich mit vorgeschriebe­nen Wort­stel­lun­gen hat, gibt es stattdessen zwei ver­schiedene Meth­o­d­en, um Fra­gen zu bilden: zwei Wörter und ein Prä- bzw. Suf­fix. Schauen wir uns das mal genauer an.

 

 

Srake bzw. srak wird für Fra­gen ver­wen­det, auf die man entwed­er mit ja oder nein antworten kann. Srak(e) wurde näm­lich aus den bei­den Wörtern srane (ja) und kehe (nein) gebildet.

Man kann es entwed­er direkt am Anfang des Satzes platzieren oder am Ende eines Satzes:
Am Anfang eines Satzes ver­wen­det man srake, am Ende eines Satzes ver­wen­det man srak.
Beispiele:

Srake nga new yivom nì'ul?
Nga new yivom nì'ul srak?
Möcht­est du noch etwas/mehr essen (ja/nein)?
Srake ngar sunu fwa inan fìpuk­it?
Ngar sunu fwa inan fìpuk­it srak?
Gefällt es dir dieses Buch zu lesen (ja/nein)?
Srake lì'fyari nerume nga?
Lì'fyari nerume nga srak?
Lernst du Na'vi/die Sprache (ja/nein)?
Srake tsmukel ngeyä kelku­ti tok?
Tsmukel ngeyä kelku­ti tok srak?
Ist deine Schwest­er zu Hause (ja/nein)?

 

Ob ihr srake an den Anfang der Frage oder srak an ihr Ende stellt, bleibt let­zten Endes euch über­lassen, denn das ist reine Geschmackssache. In Gesprächen kann es aber hil­fre­ich sein srake an den Anfang zu stellen, um direkt klar zu machen, dass alles darauf­fol­gende im Satz Teil ein­er Frage ist und der Gesprächspart­ner ggf. leichter fol­gen kann.

 

 

-pe+ ist entwed­er ein Prä­fix oder ein Suf­fix, das man eben entwed­er direkt vorne oder direkt hin­ten an ein Sub­stan­tiv tack­ert. Es ist für alle Fra­gen gedacht, auf die man nicht mit srane oder kehe antworten kann. Es verur­sacht Leni­tion, wenn es vorne an ein Sub­stan­tiv platziert wird. Es ist eigentlich egal, wo im Satz man das Wort mit -pe+ platziert; um aber früh­est­möglich klar zu machen, dass es sich um eine Frage han­delt, pack­en es viele jedoch eher in Rich­tung des Satzan­fangs. Beispiele:

Pesen­git tok Neytir­il?
Tsengpeti tok Neytir­il?
Wo ist Neytiri?

Hier ist zu beacht­en, dass die L- oder T‑Endung nach ‑pe fol­gen, wenn ‑pe eben hin­ten am Sub­stan­tiv ange­heftet wird. Mehr dazu find­et ihr im Kern­gram­matik-Sam­mel­suri­um.

 

Pehrr pay­ate saw­tute fìt­seng?
Krrpe pay­ate saw­tute fìt­seng?
Wann wer­den die Him­mels­men­schen hier ankom­men?

 

Pelun ngal poltxe tsaylì'ut?
Lumpe ngal poltxe tsaylì'ut?
Warum hast du das (jene Worte) gesagt?

Hier ist zu beacht­en, dass -pe bei Sub­stan­tiv­en, die auf ‑N enden, daraus gerne mal ein ‑M machen. Es klingt auf diese Weise ein­fach bess­er bzw. ist so leichter auszus­prechen, weil M und P klan­glich näher beieinan­der liegen (Lip­pen) als N und P; ver­gle­icht selb­st mal :) Lunpe ver­sus lumpe.

 

Awnga new peuvan sivi?
Awnga new uvanpe sivi?
Welch­es Spiel wollen wir spie­len?

Wie wir gel­ernt haben, beste­hen si-Ver­ben meist aus einem Sub­stan­tiv und dem Hil­fsverb si. An den Sub­stan­tiv-Teil des si-Verbs kann man prob­lem­los Affixe wie -pe+ etc. anhän­gen (siehe Lek­tion 10)!

 

Pesu skxir soli ngar?
Tupe skxir soli ngar?
Wer hat dich ver­wun­det?

 

Hier eine Über­sicht der häu­fig­sten Fragewörter mit -pe+:

 

Auch unter diesen Fragewörtern gibt es eine kleine Extrawurst: polpx­ay. Es stammt von peholpx­ay, welche Zahl, und bedeutet "wie viele". Es wird als einziges Frage­wort wie ein Adjek­tiv zusam­men mit a ver­wen­det und dementsprechend neben das erfragte Sub­stan­tiv gestellt:

Ngari solalew polpx­aya zìsìt? Was dich bet­rifft, wie viele Jahre sind vor­angeschrit­ten? Wie alt bist du?
Mau­ti­ti apolpx­ay kolanom ngal? Wie viele Früchte hast du erhalten/beschaffen/erworben?

Da "wie viele" logis­cher­weise bere­its klar macht, dass es sich um mehr als nur ein Ding han­deln muss, muss das erfragte Sub­stan­tiv nicht in den Plur­al geset­zt wer­den.

 

 

-pe+ hat eben­falls seine eigene Mehrzahlform: pay+. Es kann nur vorne an Sub­stan­tive ange­heftet wer­den (weil es aus pe+ und ay+ gebildet wurde — und ay+ ist ein Präfix, kein Suf­fix). Auch hier­bei wütet natür­lich wieder Leni­tion. Beispiele:

Paylì'ut poltxe pol? Was (welche Worte) hat er/sie gesagt?
Paysutel kelu­tralti tok? Welche Per­so­n­en sind im Heimat­baum?
Paysaw­tute tsun 'ivì'awn fìt­seng? Welche Him­mels­men­schen dür­fen hier bleiben?
Ngal payioan­git tolaron? Welche Tiere hast du gejagt?

 

Und dann gibt es noch Mis­chfor­men aus -pe+ und entwed­er me+ oder pxe+, die eben­falls nur vor das Sub­stan­tiv geklatscht wer­den kön­nen;
-pe+  +  me+  = pem+,
-pe+  +  pxe+  = pep+.

Beispiele:

Pemnari lu lor? Welche bei­den Augen sind schön?
Pepfayoang slele nìwin frato? Welche drei Fis­che schwim­men am schnell­sten?
Pemmau­ti­ti ngal new yivom? Welche bei­den Früchte möcht­est du essen?
Moe tsun sivar pemuran­it? Welche bei­den Boote kön­nen wir ver­wen­den?
Awn­gal pepangt­sìk­it tìyaron? Welche drei Ham­merköpfe wer­den wir gle­ich jagen?

 

 

kefyak ist ein weit­eres nüt­zlich­es Frage­wort, welch­es man für rhetorische Fra­gen ver­wen­det bzw. für solche, auf die man bere­its eine (ver­mutete) Antwort hat, aber sicher­heit­shal­ber nochmal nach­fragt. Es wurde aus ke fìfya srak ("nicht diese Art und Weise, ja/nein?") zusam­menge­zo­gen und bedeutet so viel wie "… nicht wahr? / … richtig? / … oder (nicht)?". Es wird immer am Ende eines Frage­satzes platziert.
Beispiele:

Nga lu Neytiri, kefyak? Du bist Neytiri, nicht wahr?
Fay­sey­lu fkan ftxìlor, kefyak? Diese Tey­lu sind köstlich, nicht wahr?

 

 

Neg­a­tive Fra­gen gibt's ja auch noch… zumin­d­est im Deutschen und Englis­chen. Im Deutschen beant­wortet man sie meis­tens mit "doch" oder "nein". Ein paar Beispiele von neg­a­tiv­en Fra­gen (mit Kontext/Bedeutung in Klam­mern dahin­ter), damit klar ist von was hier die Rede ist:

Habe ich dich nicht gestern gese­hen? (Ich sah jeman­den, der dir ver­dammt ähn­lich war… das warst doch du, oder nicht?)
Bist du nicht hun­grig? (Du hast lange nichts gegessen, also musst du hun­grig sein, oder nicht?)
Schämt er sich nicht? (Dass er sich nicht dafür, was er getan hat, schämt, macht mich fas­sungs­los.)

Auf Deutsch und Englisch sind das ziem­lich ein­fache Angele­gen­heit­en, da hier neg­a­tive Aus­sagen ein­fach nur in neg­a­tive Fra­gen umge­wan­delt wer­den, aber auf Na'vi lässt sich das so nicht anstellen, da wir für Fra­gen eben srak, kefyak oder -pe+ benöti­gen — ein ein­fach negieren­des ke oder ähn­lich­es reicht nicht aus. Wie trans­portiert man das also nach Na'vi?

Dafür bedi­ene ich mich mal Karyu Pawls Worten zu diesem The­ma (Quelle) und über­set­ze sie für euch ein­fach nur ins Deutsche:

"Nehmen wir ein­mal eine ein­fache pos­i­tive Frage wie "Bist du John?" Was wird hier gefragt? Nun, der Sprech­er nimmt die Aus­sage "Du bist John" und fragt nach Bestä­ti­gung dafür: Ist diese Aus­sage kor­rekt? Anders aus­ge­drückt, "Du bist John — richtig oder falsch?"
Falls es richtig ist, antwortet die andere Per­son mit "Ja", was bedeutet "Die Aus­sage, über die du dich erkundigst, ist kor­rekt." Eine voll­ständi­gere Antwort wäre, "Ja, ich bin John."
Falls es falsch ist — falls die betr­e­f­fende Per­son David und nicht John ist — ist die Antwort "Nein", was bedeutet "Die Aus­sage, über die du dich erkundigst, ist nicht kor­rekt." So weit, so gut.

Aber was passiert jedoch, wenn die Aus­sage, die in eine Frage umge­wan­delt wird, neg­a­tiv ist? Zum Beispiel, "Du bist nicht John", welche zu der neg­a­tiv­en Frage "Bist du nicht John?" wird. Wenn wir der Analyse des ersten Abschnitts fol­gen, dann nimmt der Sprech­er die Aus­sage "Du bist nicht John" an und fragt nach Bestä­ti­gung: "Du bist nicht John — richtig oder falsch?"
Eine Antwort mit "Ja" würde bedeuten, "Die Aus­sage, über die du dich erkundigst, ist kor­rekt — ich bin nicht John."
Und "Nein" würde heißen, "Die Aus­sage, über die du dich erkundigst, ist falsch — ich tat­säch­lich John."

Aber das ist nicht was Men­schen nor­maler­weise meinen, wenn sie solche Fra­gen stellen. Wenn der Sprech­er jeman­den fragt, "Bist du nicht John?" ist da eine bere­its existierende Annahme, dass diese Per­son in der Tat John ist, und sie sucht nach Bestä­ti­gung für diese Annahme. "Ich glaube, dass du John bist. Das ist kor­rekt, nicht wahr?" Eine alter­na­tive For­mulierung dieser Frage macht dies deut­lich­er: "Du bist John, nicht wahr?" In diesem Fall meint ein "Ja" als Antwort, "Deine bere­its existierende Annahme ist kor­rekt. Ich bin John." Und "Nein" als Antwort heißt "Deine bere­its existierende Annahme ist falsch. Ich bin nicht John." Und, schon ver­wirrt?

Ich freue mich bericht­en zu dür­fen, dass bei Fra­gen auf Na'vi mit srak(e) solche bere­its existieren­den Annah­men gar nicht erst ins Spiel kom­men und die Sit­u­a­tion unkom­pliziert­er ist. Soll heißen, eine Frage mit Srake [X] oder [X] srak, wobei X eine Aus­sage ist, fragt ein­fach nur danach, ob X wahr sei oder nicht. Dabei ist es egal, ob X eine pos­i­tive oder neg­a­tive Aus­sage ist. Eine Antwort mit srane bedeutet, dass X wahr ist. Kehe bedeutet, dass X nicht wahr ist. Die Frage impliziert dabei irgendwelche bere­its existieren­den Annah­men seit­ens des Fra­gen­den. Zum Beispiel:

  • Nga lu Txewì srak? bedeutet: "Bitte sage mir, ob die Aus­sage 'Du bist Txewì' wahr oder falsch ist." Eine Antwort mit srane bedeutet "Ja, das ist wahr". Kehe bedeutet "Nein, das ist nicht wahr".
  • Nga ke lu Txewì srak? bedeutet: "Bitte sage mir, ob die Aus­sage 'Du bist nicht Txewì' wahr oder falsch ist." Genau wie oben bedeutet eine Antwort mit srane "Ja, das ist wahr. Ich bin nicht Txewì." Kehe bedeutet "Nein, das ist nicht wahr. Ich bin in der Tat Txewì."

Wie ver­mit­telt man nun also die Idee der deutschen/englischen Frage "Bist du nicht Txewì?" mit ihrer bere­its vorhan­de­nen Annahme? Auf Na'vi wäre es schlicht und ergreifend "Nga lu Txewì, kefyak?" Dies ist genau gle­ich zur deutschen/englischen Ver­sion "Du bist Txewì, oder?" bzw. "Du bist Txewì — nicht wahr?"
Und wie im Deutschen/Englischen bedeutet eine Antwort mit srane "Deine bere­its vorhan­dene Annahme ist kor­rekt — ich bin Txewì", während kehe bedeutet "Deine bere­its existierende Annahme ist falsch — ich bin nicht Txewì."
"

 

Kurzum: Neg­a­tive Fra­gen wie im Deutschen oder Englis­chen gibt es in der Form auf Na'vi nicht; um das gle­iche Konzept zu trans­portieren, muss man sich ein­er pos­i­tiv­en Frage (ohne ke etc.) zusam­men mit kefyak bedi­enen.

 

 

"ODER-Fra­gen"… sind so eine Sache auf Na'vi. Dafür gibt es keine wirk­lichen Beispiele oder Regeln, wie man solche Fra­gen am besten stellen soll, zumal dafür keine hil­fre­ichen Fragepar­tikel oder ‑wörter existieren. Und die brauch man ja eigentlich genau dafür, um deut­lich zu machen, dass es sich bei einem Satz jet­zt um eine Frage statt ein­er Aus­sage han­delt — denn anhand von Wort­stel­lung allein (wie im Deutschen oder Englis­chen), kann man das auf Na'vi nicht aus­machen. *Kopf kratz*

Srake oder kefyak machen hier keinen Sinn, denn auf Fra­gen mit "oder" kann man ja schlecht mit "ja" oder "nein" antworten. -pe+ macht hier genau so wenig Sinn. Also, was tun?

 

Natür­lich, mal wieder, drumherum arbeit­en und einen Umweg find­en, um die Bedeu­tung den­noch zu trans­portieren mith­il­fe ver­füg­bar­er Ele­mente.
Ver­gle­iche wer­den zwar erst in Lek­tion 20 behan­delt, aber da es hier ger­ade um Fra­gen geht… ;P Also:

Aus­gangs­frage: Bevorzugst du einen Dolch oder Bogen?
Tstal­it to tskoti ngal nul­new srak? Dolch im Ver­gle­ich zu Bogen du bevorzugst ja/nein? Bevorzugst du einen Dolch im Ver­gle­ich zu einem Bogen?
Trägt nicht die gle­iche Bedeu­tung wie die Aus­gangs­frage mit sich, da man hier­für erst ein­mal eine Annahme machen muss (Dolch > Bogen) und dazu noch einen Ver­gle­ich… und dann noch srak ein­bauen — aber das wäre zumin­d­est eine mögliche Vari­ante.

 

Was aber, wenn wir der Aus­gangs­frage so treu wie möglich bleiben wollen? Näch­stes Beispiel:

Müssen wir ren­nen oder klet­tern?

Dafür gibt es noch keine Lösung, aber vielle­icht bringt Karyu Pawl dies­bezüglich bald Licht ins Dunkel… Also, abwarten.

 

 

Ver­mu­tungs­fra­gen hat­ten wir schon in Lek­tion 13 ange­sprochen. Hier nochmal, der Voll­ständigkeit zuliebe, eine kurze Wieder­hol­ung:

<ats> kann außer­dem im Zusam­men­hang mit "Ver­mu­tungs­fra­gen" ver­wen­det wer­den. Bei solchen Fra­gen set­zt der Fra­gende voraus, dass er selb­st die Antwort nicht ken­nt, und der Gefragte eben­falls nicht.

Tsa'u latsu peu? Was zur Hölle ist das?
Pol pesen­get tatsok? Wo zum Henker kann sie nur sein? / Wo zur Hölle ist sie?
Srake pxe­fo li polähatsem? Ich frage mich, ob die drei bere­its angekom­men sind.

 

Übung I: 

Set­zt die hier behan­del­ten gram­matikalis­chen Ele­mente für Fra­gen kor­rekt in fol­gende Sätze ein und über­set­zt:

  1. Ngari __tintìn?
  2. Pol ___ payoan­git stolä'nì?
  3. __sutel wut­sot oeyä yolom?
  4. New uvan sivi nga oehu ___?
  5. Ftu tsray__ za'u nga?
  6. Po kem__ sat­si?
  7. Tsatì'eyng eyawr lamu ___?
  8. ___ tayätx­aw tsrayne po?
  9. __sutel olo'eyktanit tspolang?
  10. ___ tsun srung sivi nga oeru?

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