Lektion 13: Infixe — der Rest

Was, das waren noch nicht alle Infixe? Denkste, noch lange nicht! Wir haben noch einige andere Infixe, die neben den Zeit­in­fix­en sehr oft ver­wen­det wer­den — und dann noch einige, die eher sel­tener gebraucht wer­den. Keine Angst, am Ende dieser Lek­tion find­et ihr der Über­sicht hal­ber nochmal eine Liste aller Infixe.

Für diese Lek­tion wer­den wir wohl eine Weile brauchen, aber das ist vol­lkom­men ok. :)

Na dann, lasst uns uns gemein­sam durch die restlichen Infixe und ihre Ver­wen­dungsmöglichkeit­en durch­wühlen! :D

 

 

Die abgeschlossene (per­fek­te) und nicht abgeschlossene (imper­fek­te) Hand­lung <ol> + <er> — Posi­tion <1>

Ob eine Hand­lung abgeschlossen ist oder nicht, hat nichts mit dem Zeitrah­men zu tun, in dem die Hand­lung stat­tfind­et. Das ken­nen wir auch aus dem Deutschen. Beispiele:
Ich werde gegan­gen sein.
Ich habe geschlafen.
Ich habe ger­ade gegessen.

Diese drei Beispiele zeigen abgeschlossene Hand­lun­gen, aber in der Ver­gan­gen­heit und Zukun­ft.

 

Gle­ich­es kann man auch mit nicht abgeschlosse­nen, also immer noch stat­tfind­en­den Hand­lun­gen machen:
Ich war ger­ade am essen.
Ich werde am gehen sein.
Ich werde gle­ich am schlafen sein.

Klingt in der deutschen Sprache eher klo­big und ungeschickt, auf Na'vi und Englisch ist das aber gängiger Sprachge­brauch und ein ver­trautes Konzept. Beispiel:

Ich lese ger­ade → I am read­ing → oe <er>inan.
<er> wird für nicht abgeschlossene Hand­lun­gen ver­wen­det.

Ich habe gele­sen → I have read → oe <ol>inan.
<ol> wird für abgeschlossene Hand­lun­gen ver­wen­det.

Als ich im See schwim­men war (<er> + Ver­gan­gen­heit), habe ich einen Fisch gese­hen (<ol>).

In der Regel kann man sagen, dass die Mehrheit der Leute, die Na'vi ler­nen und sprechen, <ol> den Zeit­in­fix­en (Ver­gan­gen­heit) generell vorziehen — mich eingeschlossen. Und auch wenn <ol> und <er> nichts mit Zeit zu tun haben, so sind sie in den meis­ten Sätzen doch die "ele­gan­tere" und "geläu­figere" Lösung, zumal Zeit­in­fixe auch nicht wirk­lich oft ver­wen­det oder vor allem (in einem Satz oder etablierten Kon­text) wieder­holt wer­den müssen (siehe Hin­weis in der let­zten Lek­tion).

 

In Lek­tion 12 haben wir erfahren, dass einige Ver­ben "rumz­ick­en", wenn <ol> oder <er> ins Spiel kom­men, zum Beispiel das Verb plltxe. Auch hier ver­schmelzen Buch­staben miteinan­der oder fall­en weg, aus plltxe wird also poltxe und nicht etwa pol­lltxe (3x L in Folge wür­den gegen die Sil­ben­regeln der Sprache ver­stoßen).
Ähn­lich­es passiert auch bei mllte + <ol> = molte, oder mll'an + <ol> = mol'an, oder pllhrr + <ol> = polhrr, oder vll + <ol> = vol, oder nrr + <er> = ner.

vrrìn, 'rrko und frrfen + <er> bleiben ein­fach vrrìn, 'rrko und frrfen.

Hin­ter­grund­in­fo dazu (für diejeni­gen, die's ganz genau wis­sen wollen):

  • Wenn die Pseudovokale LL und RR in der im Verb beton­ten Silbe ste­hen, wer­den <ol> oder <er> ein­fach fal­l­en­ge­lassen  (z.B. frrfen → frrfen).
  • Ste­hen LL oder RR in ein­er nicht beton­ten Silbe eines Verbs, wer­den die Pseudovokale fall­en gelassen und die Infixe <ol> oder <er> treten an ihre Stelle (z.B. wie bei plltxe  → poltxe).
  • Ein­sil­bige Ver­ben mit Pseudovokal ver­hal­ten sich, als ob sie unbe­tont wären, also wer­den auch hier LL oder RR fal­l­en­ge­lassen und <ol> oder <er> treten an ihre Stelle (z.B. nrr, vll → ner, vol).

 

Das häu­fig ver­wen­dete und sehr hil­fre­iche Sub­junk­tiv-Infix <iv> — Posi­tion <1>

<iv> wird nicht nur im Zusam­men­hang mit Modalver­ben (→ Lek­tion 18) ver­wen­det. Generell wird es als "Sub­junk­tiv" betitelt und find­et in vie­len Sit­u­a­tio­nen Anwen­dung:

Sub­junk­tiv / "Kon­junk­tiv":
Tsw­al livu ngahu. Möge die Macht mit dir sein.
'ivong Na'vi! Möge Na'vi erblühen!
Tsakem sivi oe… Würde ich das (jene Hand­lung) tun…
Txo tsivun wiveyn oe… Wenn ich zeich­nen kön­nte
Nan­tangt­syìp oeru livu… Hätte ich einen Hund…

Imper­a­tiv / Befehls­form:
Rutxe, pivlltxe. Sprich, bitte. (Mögest du bitte sprechen.)
Kivä neto! Hau ab! Geh weg! (Mögest du wegge­hen!)
Ayn­ga neto rivikx! Bewegt euch weg! Tretet zurück! (Möget ihr euch weg bewe­gen!)

Ob im Zusam­men­hang mit dem Imper­a­tiv <iv> ver­wen­det wird oder nicht, ist reine Geschmackssache. Der Befehl wird durch <iv> nicht "milder" oder weniger "harsch", <iv> wirkt sich hier also nicht wirk­lich bedeu­tungsverän­dernd aus!

Um aus einem Befehl eine auf­fordernde Bitte zu machen, kann man jed­erzeit gerne rutxe ver­wen­den — "bitte" und "danke" haben schließlich noch nie wirk­lich geschadet ;)

Ohne <iv> bleibt der Ton der Befehle also der gle­iche:
Rutxe, plltxe. Sprich, bitte. 
Kä neto! Hau ab! Geh weg!
Ayn­ga neto rikx! Bewegt euch weg! Tretet zurück!

 

Außer­dem gibt es einige Wörter, darunter vor allem Kon­junk­tio­nen, die <iv> im nach­fol­gen­den Verb zwin­gend erfordern, zum Beispiel txo und fte bzw. fteke:
Oe inan fte nivume. Ich lese um zu ler­nen.
Nari soli ayoe fteke nìhawng livok. Wir haben aufgepasst nicht zu nahe zu kom­men.
Swey­lu txo yivom 'uot ngal. Es wäre das beste, wenn du etwas essen würdest. / Du soll­test etwas essen.

txo erfordert nicht immer zwin­gend den <iv>-Infix; in der Umgangssprache kann man <iv> in Ver­wen­dung mit txo eigentlich auch weglassen, aber ich würde vor allem jedem Anfänger empfehlen, dies nur zu tun, wenn er sich aus­re­ichend mit dem The­ma Umgangssprache (Lek­tion 33) auseinan­der geset­zt hat. In der normalen/förmlichen Sprache schickt es sich nicht, <iv> wegzu­lassen ;)

 

 

 

Kausal und Reflex­iv <eyk> + <äp> — Posi­tion <0>

 

 

Kausal <eyk>:
<eyk> hat mehr oder min­der die Bedeu­tung "jeman­den ver­an­lassen, etwas zu tun" und ist u.U. etwas kompliziert(er)… ^_^'

  • Wenn es zusam­men mit tran­si­tiv­en Ver­ben ver­wen­det wird, wird der­jenige in den Dativ (-R) ver­set­zt, den man dazu ver­an­lasst, besagte Hand­lung (Verb) zu tun.
  • Wenn man es mit intran­si­tiv­en Ver­ben oder si-Ver­ben ver­wen­det, wird der Empfänger der Hand­lung in die T-Endung ver­set­zt. Die Endung des Han­del­nden (-L) bleibt dabei erhal­ten.

VTR.:
Oel ngaru teykaron. Ich ver­an­lasse dich zu jagen.
Oel ngaru yerik­it teykaron. Ich ver­an­lasse dich den Yerik zu jagen.

Ngal poru eykinan. Du ver­an­lasst sie/ihn zu lesen.
Ngal poru puk­it eykinan. Du ver­an­lasst sie/ihn ein Buch zu lesen.

Pol ngaru weykeyn. Er/sie ver­an­lasst dich zu malen.
Pol ngaru relit weykeyn. Er/sie ver­an­lasst dich ein Bild zu malen.

 

Die L-Endung muss hier­bei entsprechend beibehal­ten wer­den, damit defin­i­tiv klar ist, wer der­jenige ist, der jemand anderen dazu ver­an­lasst, etwas zu tun. Würde man die L-Endung hier weglassen, wäre es nicht klar, ob der­jenige der Ver­an­lassende ist oder der­jenige, der ver­an­lasst wird, etwas zu tun (ohne Endung kön­nte es auch die T-Endung sein; diese vage Sit­u­a­tion ist ein­fach nicht ein­deutig genug.)

 

 

VIN.:
Oel ngati heykahaw. Ich bringe dich dazu, zu schlafen.
Oel ngati pam­rel seyki 'upxare­ru. Ich ver­an­lasse dich, eine Nachricht zu schreiben.
Ngal uvan­it sngeykä'i. Du ver­an­lasst das Spiel zu begin­nen. = Du beginnst das Spiel.

Wichtig: <eyk> macht intran­si­tive Ver­ben tran­si­tiv!

 

Aber auch hier­bei gibt es wieder einige Spezial­is­ten, darunter vor allem 'efu, die aus der Rei­he tanzen müssen. 'efu ist vtr., aber wie wir wis­sen kann jedes tran­si­tive Verb auch intran­si­tiv ver­wen­det wer­den. Bei 'efu zickt das Ganze also etwas rum, je nach­dem, von welch­er Ver­wen­dung (vtr. oder vin.) man aus­ge­ht:

'efu als vin.:
Oe 'efu nitram.
Ich füh­le mich glück­lich. / Ich bin glück­lich.
Ngal oeti 'eykefu nitram.
Du ver­an­lasst mich glück­lich zu sein. = Du machst mich glück­lich.

'efu als vtr.:
Oel 'efu tìyawnit. Ich spüre die Liebe.
Oel ngaru 'eykefu tìyawnit. Ich ver­an­lasse dich, die Liebe zu spüren. / Ich lasse dich die Liebe spüren.

 

Man kann jedes tran­si­tive Verb auch intran­si­tiv ver­wen­den (Oel payoan­git yom. — Oe yom.)… ob man daher das gle­iche wie hier bei 'efu machen kann, also von jedem tran­si­tiv­en Verb von sein­er intran­si­tiv­en Ver­wen­dungsweise aus­ge­hen kann und somit die oben ste­hende "Sch­ablone" für vtr. über­flüs­sig machen kann, kann ich trotz aller noch so gründlichen Recherche nicht mit Sicher­heit sagen — und würde ich daher also eher davon abrat­en. Bleibt also sicher­heit­shal­ber bei den hier vorgestell­ten Ver­wen­dungsweisen für vtr. und vin. :)

 

 

Reflexiv <äp>:

Dage­gen wirkt <äp> schon wesentlich ein­fach­er…

Po väpe'kì. Er/sie has­st sich selb­st.
Nga yäpur. Du wäschst dich selb­st.
'eylan tspäpang. Der Fre­und tötet sich selb­st.

Wichtig: <äp> macht tran­si­tive Ver­ben intran­si­tiv!

 

Man kann <äp> und <eyk> auch zu <äpeyk> verbinden:
Po tspäpeykanger/sie ver­an­lasst sich dazu sich selb­st zu töten.
Po tskx­ekeng säpeykier/sie veranlasst/zwingt sich selb­st dazu zu üben.

 

<äp> und <äpeyk> wer­den intran­si­tiv ver­wen­det, da sie bewirken, dass das Verb reflex­iv wird — soll heißen, dass es sich automa­tisch auf das Sub­jekt des Satzes zurück bezieht und somit kein anderes Objekt als sich selb­st haben kann!

 

 

Stim­mungs-Infixe (Mood) <ei> + <äng> — Posi­tion <2>

Nicht nur die Ohren und auch der Schwanz der Na'vi kön­nen sprechen, auch haben unsere blauen Lieblinge die Ange­wohn­heit, Stim­mungen und Gefüh­le direkt zu ver­bal­isieren, in dem sie z.B. eigens dafür vorge­se­hene Infixe in Ver­ben ein­fü­gen.

Diese bei­den Infixe, <ei> und <äng>, spiegeln die Stim­mung des Sprechen­den wieder (im Bezug auf das Verb bzw. die Hand­lung). <ei> ste­ht für pos­i­tive Stim­mung, <äng> für neg­a­tive, fast sog­ar wie eine Art gesproch­en­er Smi­ley, qua­si :-) oder :-(.

Dies wird am besten durch Beispiele deut­lich:

Trram awnga tareion. Gestern jagten wir (und ich freue mich darüber).

'ite tsmukeyä oeyä numeie nìlt­san! Die Tochter mein­er Schwest­er lernt gut (und ich freue mich darüber)!

Srungìri irayo seiyi! Ich danke für die Hil­fe :-)!

Saw­tu­tel kelu­tralit ska'änga. Die Him­mels­men­schen zer­stören den Heimat­baum (und ich finde das beschissen).

Ninat to Neytiri rängol nìlt­san. Ninat singt bess­er als Neytiri (und ich finde das nicht gut).

Palukantsyìp oeyä tol­erkängup. Meine Katze ist gestor­ben :-(.

 

<ei> und <äng> beziehen sich aber immer nur auf die Stimmung/Ansicht des Sprechen­den im Bezug auf das Verb mit dem entsprechen­den Infix, nicht auf die Stim­mung ander­er Per­so­n­en!

 

 

In Lek­tion 12 wurde erwäh­nt, dass auch si gerne mal rumz­ickt, vor allem im Zusam­men­hang mit den Stim­mungs-Infix­en:

  • si + ei = seiyi — nicht seii; zwei aufeinan­der­fol­gende i müssen hier auseinan­derge­hal­ten wer­den, weswe­gen ein y einge­fügt wird.
  • si + äng = sängi oder sengi; ist let­zten Endes Präferenz, welche Ver­sion man bevorzugt.

Gle­ich­es passiert bei Ver­ben, die an entsprechen­der Stelle ein kurzes ì vor­weisen; da das lange i und das kurze ì klan­glich so nah beieinan­der liegen, müssen auch sie durch ein y auseinan­der gehal­ten wer­den. Beispiel:
tìng — teiyìng.

Ähn­lich­es passiert auch beim Verb nrr + <ei>, auch hier muss ein y einge­fügt wer­den, weil LL und RR immer nur nach Kon­so­nan­ten auftreten kön­nen. Also: nrr + <ei> = neiyrr.

 

 

Zwei Magi­er, die aus Ver­ben Adjek­tive machen (Par­tizip aktiv & pas­siv) — <us> & <awn> — + Sub­stan­tivierung — Posi­tion <1>

Wir ken­nen dieses gram­matikalis­che Phänomen auch aus dem Deutschen:

Die Katze schläft. Die schlafende Katze.
Mein Brud­er isst. Mein essender Brud­er.
(aktiv)

Der Yerik wird gejagt. Der gejagte Yerik.
Die Tey­lu wer­den gekocht. Die gekocht­en Tey­lu.
(pas­siv)

Im jew­eils zweit­en Satz je Beispiel wurde aus dem Verb ein Adjek­tiv gemacht, welch­es das Sub­stan­tiv direkt beschreibt (wie Adjek­tive das nun­mal so machen, hrh).
Auf Na'vi sähe das Ganze wie fol­gt aus (nicht vergessen, dass Adjek­tiv­en ein -a- ange­hängt wird):

Palukantsyìp hahaw. Husahawa palukantsyìp.
Oeyä tsmukan yom. Oeyä tsmukan ayusom.
<us>

Yerik­it fkol taron. Yerik atawnaron.
Sey­lu­ti fkol 'em. 'awnema sey­lu.
<awn>

 

<awn> kann nicht mit intran­si­tiv­en Ver­ben ver­wen­det wer­den! "Die geschlafte Katze" macht schließlich auch im Deutschen abso­lut keinen Sinn ;)

 

 

Zusam­men mit si-Ver­ben wird's etwas inter­es­san­ter. Da zieht man bei­de Teile des si-Verbs zusam­men, fügt im si-Teil <us> ein und hängt das a dran:

lrrtok­su­sia tute (lrrtok-susi-a tute)die lachende Per­son

Nicht vergessen, <awn> geht hier nicht, weil si-Ver­ben intran­si­tiv sind ;)

 

 

Sub­stan­tivierung

<us> wird zusam­men mit tì- zudem hin und wieder auf eine andere Weise ver­wen­det; damit kann man aus Ver­ben Sub­stan­tive machen (man sollte dies aber nur tun, wenn es [noch] kein passendes Sub­stan­tiv gibt oder je nach Satz/Kontext das tì-+<us>-Sub­stan­tiv bess­er passen würde).

Das Ganze ver­hält sich dann wie fol­gt:

slele - schwim­men → slusele - das Schwim­men
inan - lesen → tìusinan - das Lesen
'em - kochen → 'usem - das Kochen
wem - kämpfen → wusem - das Kämpfen (nicht: der Kampf)
tul - ren­nen → tusul - das Ren­nen (der Vor­gang, nicht der Wet­tkampf!)
'eyng - antworten → 'useyng - das Antworten (Achtung: tì'eyng = die Antwort!)
taron - jagen → tusaron - das Jagen (Achtung: sätaron oder tìtaron = die Jagd!)

Mehr zu diesem The­ma und generell dem The­ma "Sub­stan­tive" gibt's in Lek­tion 24.

 

 

Infix für Vermutungen/Schlussfolgerungen <ats> — Posi­tion <2>

Ich finde, dass <ats> viel zu sel­ten ver­wen­det wird. Dabei ist es ein solch prak­tis­ches Infix! Aber ich muss geste­hen, dass ich es selb­st wesentlich häu­figer anwen­den kön­nte und sollte. Lasst uns also <ats> ken­nen­ler­nen und uns am besten gle­ich zur Gewohn­heit machen es möglichst häu­fig zu ver­wen­den ;)

<ats> gibt Ver­mu­tun­gen oder (auf­grund von Infos getrof­fene) Schlussfol­gerun­gen wieder. Hier ein paar Anwen­dungs­beispiele:

Pol fìt­sen­git ke tok. Ha tsrayti tatsok. Er ist nicht hier. Also ist er bes­timmt im Dorf.
Sivunatsu ngar tsamik­t­sang. Dir würde jen­er Ohrring sich­er gefall­en.
Fpìrmìl oel futa nga natsew tsive'a fì'ut. Ich dachte mir eben, dass du dies sehen wollen würdest.
Srung satsi fra­por. (Dies) dürfte allen helfen.
Poan yawne latsu poeru nìlam. Allem Anschein nach liebt sie ihn.

 

<ats> kann außer­dem im Zusam­men­hang mit "Ver­mu­tungs­fra­gen" ver­wen­det wer­den. Bei solchen Fra­gen set­zt der Fra­gende voraus, dass er selb­st die Antwort nicht ken­nt, und der Gefragte eben­falls nicht.

Tsa'u latsu peu? Was zur Hölle ist das?
Pol pesen­get tatsok? Wo zum Henker kann sie nur sein? / Wo zur Hölle ist sie?
Srake pxe­fo li polähatsem? Ich frage mich, ob die drei bere­its angekom­men sind.

 

Lesar leiu, kefyak? ;)

 

 

Das zer­e­monielle Infix <uy> für beson­dere Anlässe — Posi­tion <2>

Dieses Infix kommt von allen sicher­lich am sel­tensten vor. Im Film sind wir genau ein Mal begeg­net, aber da man generell nur sel­ten wirk­lich zer­e­monielle, hochgestoch­ene und for­male Sprache ver­wen­det, ist es für den All­t­ags­ge­brauch eigentlich zu ver­nach­läs­si­gen.

Nach­fol­gend ein Textbeispiel aus dem Film.

Eytukan zu Jake nach der Traum­jagd-Zer­e­monie (unil­taron):
"Ngen­ga 'itan Omatikayaä luyu set. Na'viyä luyu hapxì." Du bist jet­zt ein Sohn der Omatikaya. (Du) bist ein Teil der Na'vi.

Ngen­ga ist die förmliche/zeremonielle Form von nga; ohe ist die förmliche/zeremonielle Form von oe. Diese bei­den speziellen Per­son­al­pronomen (und ihre "Geschwis­ter", oheng, sowie ihre Abwand­lun­gen, z.B. ohengeyä) sieht man am wahrschein­lich­sten im Zusam­men­hang mit <uy>.

Mehr zu diesem The­ma gibt's in Lek­tion 33.

 

 

Entschlossen­heit etwas (in der [nahen] Zukun­ft) zu tun <ìsy> + <asy> — Posi­tion <1>

Diese Infixe kann man naturgemäß nur ver­wen­den, wenn man über sich selb­st bzw. eigene Vorhaben spricht. Man ver­wen­det sie, wenn man defin­i­tiv bzw. abso­lut vor hat, etwas zu tun.
Einige Beispiele soll­ten ihre Ver­wen­dung klar machen:

Sasya! Ich werde mich der Her­aus­forderung stellen! Ich werde es schaf­fen!


(
Sasya! kann auch als (humor­volle, ener­getis­che oder bewusst über­schwängliche) Antwort auf eine Bitte ver­wen­det wer­den, wie in: "Kön­ntest du mich mor­gen bitte anrufen? — Na klar doch! / Na sich­er!")

 

 

Tìsyätx­aw oe. Ich werde bald zurück­kehren.

Nasyìn fìre­lit arusikx. (Ich) werde mir diesen Film anschauen.

 

 

Das Chaos der zusam­menge­set­zten Infixe — Posi­tion <1>

Joa, jet­zt wird's kun­ter­bunt xD

Die zusam­menge­set­zten Infixe haben schon so manchen zur Verzwei­flung getrieben, aber im Grunde sind auch sie logisch aufge­baut und kom­men zum Glück nur rel­a­tiv sel­ten zum Ein­satz ;) Da sie aber Teil der Sprache sind und doch ab und an sehr nüt­zlich oder gar notwendig sind, wer­fen wir mal einen Blick oder zwei darauf.

Generell gilt zu beacht­en, dass zwei Infixe der sel­ben Posi­tion­s­gruppe nicht nebeneinan­der ste­hen kön­nen. Man kann also nicht gle­ichzeit­ig z.B. <ei> und <uy> (<2>) ver­wen­den (Aus­nahme bilden hier <eyk> und <äp>, <0>, → <äpeyk>). Da es aber eigentlich kein Prob­lem darstellt (auch nicht im Deutschen) Zeit­for­men und abgeschlossene/nicht abgeschlossene Hand­lun­gen miteinan­der zu kom­binieren ("ich werde gegessen haben"), haben wir unsere tollen Kom­bi­na­tion­sin­fixe — und mehr:

Na'vi treibt das ganze näm­lich wie gewohnt auf die Spitze und wür­felt alle möglichen Infixarten zusam­men, die auf Deutsch so auch nicht immer wirk­lich Sinn ergeben oder Anwen­dung find­en wür­den. x)

Beispiel-Verb taron:

Zeit + Sub­junk­tiv <iv> ?_?

<imv> am/ìm + iv — tim­varon - hätte gejagt
<ìyev> ìy + iv — tìye­varon - würde bald jagen
<iyev> ay + iv — tiye­varon — würde (in der Zukun­ft) jagen

perfekt/imperfekt + Sub­junk­tiv <iv>

<irv> er + iv — tir­varon - würde jagen
<ilv> ol + iv — tilvaron — würde gejagt haben

Zeit + perfekt/imperfekt

<arm> am + er - tar­maron - war am jagen
<ìrm> ìm + er - tìr­maron - war ger­ade am jagen
<ìry> ìy + er — tìr­yaron - bald am jagen sein
<ary> ay + er — tar­yaron - (in der Zukun­ft) am jagen sein
<alm> am + ol — tal­maron - hat­te gejagt (das berühmt-berüchtigte Plusquam­per­fekt :D)
<ìlm> ìm + ol — tìl­maron - hat­te ger­ade gejagt
<ìly> ìy + ol — tìl­yaron - bald gejagt haben wer­den
<aly> ay + ol — tal­yaron — gejagt haben wer­den

Da all diese Kom­bi­na­tio­nen aus Infix­en der Posi­tion­s­gruppe <1> gebildet wur­den, haben diese Kom­bi­na­tion­sin­fixe eben­falls die Posi­tion­s­gruppe <1>.

Vor allem Kom­bi­na­tio­nen aus Zeit + Sub­junk­tiv ergeben im Deutschen öfters Schwierigkeit­en, aber auf Na'vi sind sie fast all­ge­gen­wär­tig, zumin­d­est aber in dem all­seits bekan­nten Abschieds­gruß kìye­vame = möge ich (dich) bald sehen.

Macht euch keinen Stress, wenn ihr euch nicht alle Kom­bi­na­tion­sin­fixe merken kön­nt oder sie richtig anwen­den kön­nt; denn wie gesagt, sie find­en eigentlich ver­gle­ich­sweise sel­ten Anwen­dungsmöglichkeit­en (meist im Zusam­men­hang mit zun… zel… oder dem Aus­druck von Wün­schen in Form von nìran­gal, ).

 

 

Über­sicht aller Infixe nach ihrer Posi­tion im Verb

Anzahl der Infixe in toto: 30 (<äpeyk> nicht mit­gezählt) … o___O' … Puh. Eine ordentliche Menge, die es erst mal ins Hirn zu prügeln gilt. x/ Aber wie gesagt, nicht alle Infixe in dieser Lek­tion hier find­en häu­fig Anwen­dung. Die wichtig­sten hier sind wohl <ol>, <er> und <iv>. Nicht unwichtig sind auch <eyk> und <äp>. Danach vielle­icht noch <ìsy>/<asy> und <ats>. Das sollte für die Infix-Grun­dausstat­tung, neben den Zeit­in­fix­en, erst ein­mal reichen.

 

 

Übung I:

Welche Übersetzung/en ist/sind kor­rekt?

1. Wenn du mor­gen aufwachst, wer­den Zaza und ich bere­its in den Wald gegan­gen sein.

 

  1. Krra tìtx­en si nga trray, Zaza oesì li na'rìngnemfa kìryä.
  2. Krra tìtx­en si nga trray, Zaza oesì li na'rìngnemfa kar­mä.
  3. Krra tìtx­en si nga trray, Zaza oesì li na'rìngnemfa kalyä.
2. Wenn ich bess­er aufgepasst hätte, wäre mein Fre­und nicht ver­wun­det!

 

  1. Zun nari simvi nì'ul oe, zel 'eyla­nur oeyä skxir ke simvi!
  2. Zun nari simvi nì'ul oe, zel 'eyla­nur oeyä skxir ke sirvi!
  3. Zun nari simvi nì'ul oe, zel 'eyla­nur oeyä skxir ke sivi!
3. Mir würde es gefall­en mit dir schwim­men zu gehen.

 

  1. Zivaw­prrte' oene fwa slele ngahu.
  2. Sivunu oeru fwa slele ngahu.
  3. Sunu oeru fwa slivele ngahu.
4. Du hast das Fleisch gekocht, während ich am schlafen war.

 

  1. Ngal veyti 'amem, krrka oe hola­haw.
  2. Ngal veyti 'olem, krrka oe harma­haw.
  3. Ngal veyti 'ayem, krrka oe her­a­haw.
5. Hab' keine Angst. Einen Ikran zu fliegen wird dir sich­er gefall­en!

 

  1. Txopu rä'ä si. Fwa tsway­on ikran­fa sivunu ngar!
  2. Txopu rä'ä si. Fwa tsway­on ikran­fa sunatsu ngar!
  3. Txopu rä'ä si. Fwa tsway­on ikran­fa sayunu ngar!
6. Das Fleisch eines gejagten Yerik, welch­es zu lange Tode­sangst hat­te, schmeckt scheußlich. Deine Art zu Jagen muss bess­er wer­den.

 

  1. Vey tusarona yerikä, a txopu soli txankrr nìhawng, ftxìvä' län­gu. Fya'ori a taron, nga zene tsan'ivul.
  2. Vey tarat­sona yerikä, a txopu soli txankrr nìhawng, ftxìvä' län­gu. Fya'ori a taron, nga zene tsan'ivul.
  3. Vey taw­narona yerikä, a txopu soli txankrr nìhawng, ftxìvä' län­gu. Fya'ori a taron, nga zene tsan'ivul.
7. Ich hab' tierische Kopf­schmerzen. Geh mir nicht auf die Ner­ven!

 

  1. Oeri re'o tìs­raw sän­gi nìtx­an. Rä'ä srätx oet!
  2. Oeri re'o tìs­raw seiyi nìtx­an. Rä'ä sreykätx oet!
  3. Oeri re'o tìs­raw sisyi nìtx­an. Rä'ä sräpätx oet!
8. Während des Krieges gegen die Him­mels­men­schen ist mein Brud­er getrof­fen wor­den und von seinem Ikran gefall­en.

 

  1. Krrka tsam a saw­tutewä oeyä tsmukan­it fkol tolakuk ulte po ikran­f­tu sneyä zän­gup.
  2. Krrka tsam a saw­tutewä oeyä tsmukan­it fkol tamakuk ulte po ikran­f­tu sneyä zup.
  3. Krrka tsam a saw­tutewä oeyä tsmukan­it fkol takuk ulte po ikran­f­tu peyä zän­gup.
9. 'ìkwey hat Tapi­wa geheiratet, und ich finde das nicht toll.

 

  1. 'ìkwey Tapi­wahu muntxa soleiyi.
  2. 'ìkwey Tapi­wahu muntxa serän­gi.
  3. 'ìkwey Tapi­wahu muntxa solän­gi.
10. Mor­gen wirst du (zu mein­er Freude) endlich ein Jäger wer­den.

 

  1. Trray nga taronyu slayeiu!
  2. Trram nga taronyu slereiu!
  3. Trray nga taronyu sleiu!

 

Übung II:

Über­set­zt fol­gen­des:

  1. Er wird das Tal­ioang gejagt haben (und ich freue mich darüber).
  2. Während sie im Meer am schwim­men war, sah sie ein Ilu.
  3. Mäungea hat­te mit ihrer Tochter im Wald anscheinend Früchte gesam­melt.
  4. Taramirä ver­an­lasst Oku' dazu sein­er (eige­nen) Schwest­er zu helfen.
  5. Der Clan­führer, Ekrol, hat­te die Tsahìk dazu ver­an­lasst, zu Eywa zu beten.
  6. Txo saronyu fliyevä, ftx­ozä sayeiyi awnga.
  7. Kekem a eltur tìtx­en sirvi ke lolen ta hama alo a tolok fìt­sen­git oel.
  8. Tìleymìl taw­narona yay­oä a nan­tangìl tolaron palu­lukan­it ahusa­haw tìtx­en seykolän­gi.
  9. Torukìl Taru­ti teykol­erkän­gup ulte tokxìt kllyayem tsahìkìl ayoeyä.
  10. Renal roleiun tskoti a Neotìl holän­gan.

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