Lektion 11: Adverbien & Adpositionen

Bish­er haben wir schon gel­ernt, wie man Ver­ben in ver­schieden­sten For­men anwen­den kann. Um zu sagen, dass jemand schnell fliegt, gut lernt, fleißig arbeit­et etc. benöti­gen wir soge­nan­nte Adver­bi­en (adv.), auch bekan­nt unter dem Namen "Umstandswörter" oder "Neben­wörter".

Sie drück­en aus, auf welche Art und Weise eine Hand­lung gemacht wird oder stat­tfind­et. In der Sprache der Na'vi wer­den Adver­bi­en häu­fig und gerne ver­wen­det —  es wird also höch­ste Zeit, dass auch wir uns damit auseinan­der­set­zen! :)

Adver­bi­en erken­nt man vor­rangig an dem Prä­fix nì-Sie wer­den zum Großteil aus Ver­ben oder Adjek­tiv­en gebildet. Zusam­men mit Adjek­tiv­en sind sie sog­ar pro­duk­tiv, d.h. man kann rein the­o­retisch jedes Adjek­tiv nehmen und mit Hil­fe von nì- daraus eine Adver­bie machen.

 

Ja wie sagt man denn nun, dass man schnell fliegt? Hier ein paar Beispiele:

Oe tswayon win. Ich fliege auf schnelle Weise. = Ich fliege schnell.
Nga plltxe wok. Du sprichst auf leise Weise. = Du sprichst leise.
Po slele nìk'ong. Er/sie schwimmt auf langsame Weise. = Er/sie schwimmt langsam.
Aynga nume nìltsan. Ihr lernt auf gute Weise. = Ihr lernt gut.

 

Na'vi liebt seine -Wörter so sehr, dass sie in allen Möglichen Sit­u­a­tio­nen und Kon­struk­tio­nen zum Ein­satz kom­men, die uns im Deutschen eher fremd erscheinen. Zum Beispiel:

Oel ayngati kameie wotx. Ich sehe euch auf kom­plette Weise. = Ich sehe euch alle.

Oe irayo seiyi ngaru li. Ich danke dir im Voraus. (li = schon, bere­its)

Pol hena tsn­galit nìk­tungzup. Er/sie trägt den Bech­er auf sorgfältige/vorsichtige Weise. = Er/sie trägt den Bech­er, ohne ihn Fall­en zu lassen.

Nga zene nivume 'ul. Du musst auf ansteigende/vermehrte Weise ler­nen. = Du musst mehr ler­nen.

Moe uvan si mun. Wir spie­len auf wieder­holte Weise. = Wir spie­len wieder.

Oe tsun pivlltxe Na'vi. Ich kann auf Na'vi-sche Weise sprechen. = Ich kann Na'vi sprechen.

nume sivi poru fte pivlltxe sì tivìran nìayoeng. Bringe ihm bei auf unsere Weise (= wie wir) zu sprechen und zu wan­deln.

 

nì- ist zusam­men mit beliebi­gen Adjek­tiv­en pro­duk­tiv, das heißt, dass man mit­tels einem beliebi­gen Adjek­tiv und dem Prä­fix nì- neue Adver­bi­en bilden kann.

 

 

 

 

Adpo­si­tio­nen (adp.) bilden eine weit­ere Wortk­lasse, die mit Adver­bi­en (adv.) an sich nichts zu tun haben, aber auch gel­ernt wer­den soll­ten. Oft­mals beschreiben sie einen Ort oder eine Stelle genauer und müssen dem­nach vor­rangig mit Sub­stan­tiv­en oder Pronomen ver­wen­det wer­den.
Das Inter­es­sante an ihnen ist, dass sie vor einem Sub­stan­tiv oder
direkt danach (ange­heftet) platziert wer­den kön­nen. Wir haben das bish­er schon in vorigen Lek­tio­nen gese­hen, z.B. bei hu oder teri.

Beispiele:

Awnga kelku si helutral.
Awnga kelku si kelutral.
Wir wohnen im Heimat­baum.
Eo Eywa oe 'ia.
Eywaeo oe 'ia.
Ich ver­liere mich (spir­ituell) vor Eywa.
Herwì zup sìn ayvul.
Herwì zup ayvulsìn.
Schnee fällt auf die Äste.
Ì sahìk, aungia lolu.
Tsahìkìlä, aungia lolu.
Laut der Tsahìk gab es ein Zeichen.
Pxoe taron ro hilvan.
Pxoe taron kilvanro.
Wir jagen beim Fluss.
Oe kä ne kilvan.
Oe kä kilvanne.
Ich gehe zum Fluss.
Po ftu kelku sneyä hum.
Po kelkuftu sneyä hum.
Er ver­lässt sein Zuhause.
Oe wem samsiyu.
Oe wem tsamsiyu.
Ich kämpfe gegen den Krieger.
Nicht vergessen, dass gle­iche Kon­so­nan­ten i.d.R. nicht miteinan­der ver­schmelzen, wie bei kilvanne. Außer­dem müssen das Sub­stan­tiv und die Adpo­si­tion schließlich noch voneinan­der zu unter­schei­den sein — das Ganze ist ja so schon eh wieder kom­pliziert genug ;)

 

 

Cred­it: Inspired by the leni­tion meme by naw­ma Vaw­mataw

 

← Erin­nert ihr euch noch an diese(s ?) Meme aus Lek­tion 04? ;)

In eini­gen der oben ste­hen­den Beispiele ist zu sehen, dass einige Adpo­si­tio­nen eben­falls Leni­tion verur­sachen, also die Erwe­ichung von bes­timmten Kon­so­nan­ten — aber nur, wenn sie vor dem entsprechen­den Wort ste­hen!

Die Krux an der Sache: sie kön­nen auch Adjek­tive lenieren. Beispiele:

Awnga kelku si sawla kelutral. Wir leben im großen Heimat­baum.
(tsawla → sawla)
Ì tantslusama tsahìk, aungia lolu. Laut der weisen Tsahìk gab es ein Zeichen.
(txantslusama → tantslusama)
Oe wem tura tsamsiyu. Ich kämpfe gegen den starken Krieger.
(txura → tura)

Diese lenieren­den Adpo­si­tio­nen sind  mì, ro, ì, lisre, pxisre, sre, fpi, wä, nuä, sko.

Im Wörter­buch ste­ht zumeist dabei, ob ein Wort Leni­tion verur­sacht oder nicht (durch eine Zusatz­in­fo oder gekennze­ich­net durch ein + direkt hin­ter der Adpo­si­tion, also z.B. mì+).
Diese Zusatz­in­fo muss zum Wort ein­fach mit­gel­ernt wer­den :)

 

Die dop­pelte Krux an der Sache: Wenn Adpo­si­tio­nen und Adjek­tive zusam­men mit einem Sub­stan­tiv ver­wen­det wer­den, muss die Struk­tur immer wie fol­gt ausse­hen:
adp. adj. n. adj. bzw. Adpo­si­tion Adjek­tiv Sub­stan­tiv Adjek­tiv, oder
adj. n.-adp. adj. bzw. Adjek­tiv Sub­stan­tiv-Adpo­si­tion Adjek­tiv.
Das zweite Adjek­tiv ist natür­lich option­al, dient hier aber zu Ver­an­schaulichungszweck­en.

Auf Na'vi sähe das dann z.B. so aus:
mì sawla kelu­tral akl­l­vawm, oder
tsawla kelu­tral akl­l­vawm.

Die Adpo­si­tion darf vorne also nicht zwis­chen Adjek­tiv und Sub­stan­tiv rutschen, son­dern ste­ht in dieser Struk­tur entwed­er immer am Anfang oder direkt hin­ten am Sub­stan­tiv.

 

 

Lenierende Adpo­si­tio­nen und der Plur­al ay+

Wie wir in Lek­tion 4 gel­ernt haben, verur­sachen ja auch die Mehrzahlfor­men Leni­tion; ay+ kann man, sofern Leni­tion aufge­treten ist, ja auch weg­fall­en lassen. Was passiert also, wenn wir einen Teil­satz wie  mì helu­tral haben? Heißt das jet­zt im Baum oder in den Bäu­men?

Ohne große Umschweife: es kann nur im Baum (Ein­zahl) heißen, denn wenn es mehrere Bäume wären, müsste hier das ay+ entsprechend ste­hen gelassen wer­den, um Ver­wirrung zu ver­mei­den:  ayhelu­tral.

Oder man umge­ht das ganze Chaos, indem man auf "Num­mer Sich­er" geht und die adp. ein­fach wieder hin­ten an's Sub­stan­tiv anhängt: helu­tral.

 

 

Adpo­si­tio­nen — Alpha­betis­che Liste

Manche Adpo­si­tio­nen kön­nen nur für Orte (lokal; loc.) oder für zeitliche Dinge (tem­po­ral; temp.) ver­wen­det wer­den. Die nach­fol­gende Liste mit­samt Erläuterun­gen bzw. Ver­an­schaulichungs­beispie­len sollte etwas Klarheit schaf­fen.

ADP. Leni­tion LOC/TEMP Deutsch Englisch Anwen­dun­gen / Bemerkun­gen / Beispiele
äo loc unter, darunter, unter­halb under, below unter dem Dach, unter dem Busch, unter deinem Ikran
eo loc vor (Ort) in front of, before vor dem Baum, vor deinem Haus, vor der Schule, vor mir ste­ht jemand
fa - mit (Hil­fe von) with, by means of Ich esse mit (Hil­fe von) Besteck, ich musiziere mit (Hil­fe von) einem Instru­ment, mit (Hil­fe von) einem Ikran fliegen
few loc hinüber, über, die andere Seite erre­ichen wol­lend across, aim­ing for the oppo­site side of über die Brücke gehen, über den umge­fal­l­enen Baum­stamm laufen
fkip (loc) oben zwis­chen, nach oben zwis­chen up among (nach) oben zwis­chen die Bäume fliegen, oben zwis­chen den Hänge­mat­ten im Heimat­baum
fpi + - wegen, zuliebe, um… willen for the sake of, for the ben­e­fit of mein­er Tochter zuliebe, um der Har­monie willen
ftu loc von (Rich­tung) from (direc­tion) von/aus einem Land kommen/abstammen, von dem Dorf aus
ftum­fa loc her­aus, von innen nach außen out of, from inside von innen aus dem Heimat­baum her­aus nach draußen
hu - mit (Begleitung) with (accom­pa­ni­ment) ich spiele mit einem Fre­und, ich gehe mit meinem Brud­er spazieren, ich rede mit dem Klan­führer
io loc über, darüber, ober­halb over, above über deinem Kopf fliegt ein Insekt, über den Wolken, über den Baumkro­nen Pan­do­ras
ìlä + - fol­gend, ent­lang, via; laut by, via, fol­low­ing; accord­ing to ent­lang des Weges, dem Pfad fol­gend; laut mein­er Mut­ter wäre sie ein geeigneter Part­ner für mich
ka (loc) (quer) über, über­greifend across, cov­er­ing thor­ough­ly quer über der Ober­fläche des Sees, quer über die Luft fliegen (anstatt "durch" auf Na'vi)
kam temp vor (Zeit­punkt) ago vor vie­len Jahren habe ich den Krieg über­lebt
kay temp in (zeitlich von jet­zt an) from now (in the future) in zehn Jahren (von jet­zt an) werde ich mein Studi­um been­det haben
kip -/loc zwis­chen, unter, mit­ten unter, inmit­ten among zwis­chen den Ster­nen, inmit­ten der Bäume Pan­do­ras, mit­ten unter den Na'vi lebte ein beson­deres Mäd­chen
kxam­lä loc durch (durch die Mitte von) through (via the mid­dle of) durch den Wald
krrka temp während dur­ing während des Krieges, während der Zer­e­monie, während der Traum­jagd
mit Sub­stan­tiv zu ver­wen­den anstelle von Kon­struk­tio­nen wie "während ich geschlafen habe" → tengkrr
lisre + temp bis (spätestens) by, before, up to but not after bis spätestens mor­gen muss sie sich entsch­ieden haben, bis spätestens näch­ste Woche erwarte ich seine Antwort
lok loc nahe bei, nahe an close to nahe beim Dorf ist ein Fluss, nahe an dem Haus find­et man einen alten Baum
luke - ohne with­out ohne die Hil­fe des Heil­ers wird er die Nacht nicht über­leben, ohne deine Führung wären wir hoff­nungs­los ver­loren
maw temp nach (Zeit) after (time) nach ein­er Woche werde ich zurück­kehren
+ temp/loc in; auf (der Erde) in; on (Earth) in dieser Zeit, in New York, in diesem Land, in der Erde
( bedeutet auf eigentlich nur im Zusam­men­hang mit "auf der Erde", "auf Pan­do­ra" etc.)
mìkam loc zwis­chen between der Pfeil traf sie genau zwis­chen ihre Augen, zwis­chen diesen bei­den Baum­stäm­men
mung­wrr - außer, bis auf, abge­se­hen von except außer Jake ist nie­mand vom Pa'li gefall­en, abge­se­hen von dein­er Schwest­er mögen alle Tey­lu
na - wie like, as ich bin so schlau wie du, deine Schwest­er ist so schön wie eine Blume, wie du habe auch ich viel erlit­ten, seine Worte sind wie Gift
ne loc zu, nach, in Rich­tung to, towards (direc­tion) ich gehe zum Dorf, ich gehe zur Stadt, ich gehe zum Fluss, ich gehe in Rich­tung des Waldes
nem­fa loc hinein, in, in… hinein into, inside ich gehe in den Wald (hinein), ich gehe in die Stadt (hinein)
nuä + loc jen­seits, (weit) hin­ter beyond wir wis­sen nicht was jen­seits des Meeres ist, es ist ver­boten jen­seits unser­er Gren­zen zu wan­deln
pxaw loc um… herum, rund um around sie bindet das Seil um den Baum­stamm (herum)
pxel - wie like, as → siehe na
(weit­er­führende Infos zu na & pxel in Lek­tion 20)
pxi­maw temp direkt nach right after direkt nach der Lan­dung werde ich den Klan­führer tre­f­fen
pxisre + temp direkt vor right before ich erin­nere mich nicht daran was direkt vor dem Angriff passiert ist
ro + loc/temp an, bei at wir tre­f­fen uns beim Heimat­baum, wir sitzen am Lager­feuer, an irgen­deinem Tag = eines Tages (ro srro)
rofa loc neben, neben­her beside, along­side er reit­et neben seinem Brud­er (her), Jake sitzt neben Neytiri
sìn loc auf, nach, an, hin­auf on, onto Schnee fällt auf die Äste, auf der Klippe ste­ht ein tot­er Baum, auf den Blät­tern sitzen Insek­ten, auf dem Boden liegen viele Steine, sie hängt ihre Hals­kette an einen Ast, wir wer­den uns mor­gen auf dem Hügel dort tre­f­fen
sko + - in der Rolle als, in der Eigen­schaft als some­thing as, in the capac­i­ty of, in the role of In mein­er Rolle als Schamanin muss ich stand­haft bleiben, doch als Mut­ter bricht mir das Herz
sre + temp vor before bevor die Him­mels­men­schen angreifen müssen wir uns vor­bere­it­en, vor dem Krieg gehen viele zum Baum der Stim­men und beten zu Eywa
ta loc/temp von, ab, aus; seit from (direc­tion or tem­po­ral sense with oth­er time words ich habe eine Nachricht von ihm erhal­ten, sie bracht­en den Gefan­genen vom Wald zum Heimat­baum, er ran­nte vom/seit Ein­bruch der Nacht bis zum Mor­gen­grauen
tafkip (loc) von oben zwis­chen from up among von oben zwis­chen den Bäu­men bis hin­unter zum Boden ist er gefall­en
takip (loc) von zwis­chen, von inmit­ten from among von inmit­ten dieses Stim­mengewirrs kon­nte ich ihre Stimme deut­lich her­aushören
talun - wegen, auf­grund von because of, due to auf­grund des Krieges herrscht derzeit Nahrungs­man­gel
teri - über, betr­e­f­fend, bezüglich, hin­sichtlich about, con­cern­ing die Kul­tur der Na'vi betr­e­f­fend wis­sen wir immer noch viel zu wenig, wir wis­sen noch nicht genug über unsere Feinde, bezüglich des Angriffs berat­en sich die Klan­führer untere­inan­der, sie reden über die Sprache der Na'vi
uo loc hin­ter behind hin­ter mir ste­ht jemand, hin­ter dem Haus ist ein Garten
vay loc/temp bis, bis zu, bis hin up to bis zu diesem Zeit­punkt wusste ich nichts davon, bis zu den ober­sten Baumwipfeln müssen wir klet­tern
+ - gegen against er kämpfte tapfer gegen viele Feinde, sie beschützt ihre Kinder gegen ("vor") Nan­tangs
yoa - im Aus­tausch für in exchange for er tauschte Pfeile im Aus­tausch für Früchte, sie kauft neue Schuhe im Aus­tausch für Euro

Zur Erin­nerung: Wie in den Erläuterun­gen (bei krrka) ange­sprochen, wer­den Adpo­si­tio­nen vor­rangig im direk­ten Zusam­men­hang mit Substantiven/Pronomen ver­wen­det (sei es auch mit der Zuhil­fe­nahme von fwa → Lek­tion 14).

Vor allem mit Ver­ben der Bewe­gung und einem Ziel der Bewe­gung im Satz, benötigt man häu­fig Adpo­si­tio­nen, um klar zu machen, wie die Bewe­gung von stat­ten geht.

 

 

Übung I:

Find­et die Fehler, kor­rigiert sie und über­set­zt fol­gende Sätze;  Run sì zeyko keyeyti ulte ralpeng aylì'ut tsaylì'ukìngä alu:

  1. Kanua ìlä saronyu awin, yerik tsuktspangftue lu.
  2. Palulukanìl taronyu­ti nongspe'win kxamna'rìng.
  3. Awnga tsre'i rum ne ngaru.
  4. Tsawke atunza'u nìk'ong.
  5. Oe ngahu 'awsiteng pamtseo si auftu nìwok.

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