Lektion 10: Dativ -ru + si-Verben

Wie in Lek­tion 07 schon ange­sprochen, ken­nen die Na'vi auch den Dativ (-ru/-ur).
Hier nochmal der Hin­weis­text aus Lek­tion 07:
"Den Dativ erken­nt man in der Regel an einem R. Er kann, wie die bere­its uns bekan­nten Fälle L & T, in ver­schiede­nen For­men auftreten; je nach­dem an welch­es Sub­stan­tiv er "ange­heftet" wird. Ihr erken­nt ihn also an -ru, -r oder -ur."

Die R-Endung wird wie fol­gt gebildet:
Sub­stan­tive, die auf ein… enden, bekom­men:
  • Kon­so­nant: -ur
  • Vokal: -r(u)

Den Dativ ver­wen­det man nicht nur, um Besitz anzuzeigen, son­dern auch, wenn einem etwas gefällt, oder jeman­dem etwas gibt. Er wird vor allem aber auch im Zusam­men­hang mit "si-Ver­ben" ver­wen­det. Aber eins nach dem anderen.

 

Fan­gen wir mit dem ein­facheren Teil an. Wenn man "etwas hat", ist die Kon­struk­tion ja rel­a­tiv ein­fach; lu + -ru. Es gibt einige Ver­ben in Na'vi, die ähn­lich wie lu in diesem Falle ver­wen­det wer­den, vor allem aber sunu (gefall­en, mögen) oder smon (ken­nen, bekannt/vertraut sein):

Oeru sunu fayoang. = Mir gefall­en Fis­che. = Ich mag Fis­che.
Ngaru sunu syuve. = Dir gefällt Essen/Nahrung. = Du magst Essen/Nahrung.
Oeru smon tsat­sen­ge. = Mir ist jen­er Ort bekan­nt. = Ich kenne jenen Ort.
Ngaru smon Neytiri. = Dir ist Neytiri bekan­nt. = Du kennst Neytiri.

Ver­ben wie diese erfordern den Dativ, denn wenn man ihn also weglassen würde wäre nicht klar, wem was gefällt oder wer wen ken­nt!
Eine Über­sicht der intran­si­tiv­en Ver­ben, die indi­rek­te Objek­te mit Dativ haben kön­nen, find­et ihr im Kern­gram­matik-Sam­mel­suri­um.

 

lu + -ru wird im Zusam­men­hang mit gewis­sen Adjek­tiv­en auch benutzt, um auszu­drück­en, dass man jemanden/m liebt, ver­traut, ver­misst, usw.:  Nga lu yawne / mal / lom oer. "Du bist mir geliebt / ver­trauenswürdig / ver­misst."

 

 

Auch si-Ver­ben, die von Natur aus intran­si­tiv (vin.) sind, erfordern oft den Dativ, wenn ein (indi­rek­tes) Objekt im Spiel ist. Ja, ich weiß, intran­si­tive Ver­ben und Objekt?! Hä?
Ger­ade das ist ja das Inter­es­sante an si-Ver­ben! :D Aber dazu erst mehr weit­er unten. (Immer diese Cliffhang­er, pfff :P)

 

 

Zuerst noch mehr dazu, dass der Dativ auch im Zusam­men­hang mit tran­si­tiv­en Ver­ben (vtr., Lek­tion 3) ver­wen­det wird, also zum Beispiel wenn man jeman­dem etwas gibt, zeigt, (bei)bringt, usw. Beispiele (achtet dabei darauf, wie die Pronomen mit Dativ hier die Bedeu­tung der Sätze verän­dern):

Ngal tskoti tìng. Du gib­st den Bogen.
Ngal
tskoti tìng oer.
Du gib­st mir den Bogen.

Oel eyawrfy­at wìn­txu. Ich zeige den richti­gen Weg (etwas zu tun).
Oel eyawrfyat wìntxu ngar. Ich zeige dir den richti­gen Weg (etwas zu tun).

Ngal lì'fyat kar. Du bringst die Sprache bei. / Du lehrst die Sprache.
Ngal 'fyat oeru kar. Du bringst mir die Sprache bei.

Awn­gal 'upxaret fpìye'. Wir wer­den eine Nachricht senden.
Awn­gal 'upxaret fpìye' for.
Wir wer­den ihnen eine Nachricht senden.

 

Gar nicht so schw­er, oder? :)

 

 

si-Ver­ben

… sind durch­weg intran­si­tiv und haben (müssen aber nicht) fast immer ein "indi­rek­tes Objekt" mit dem Dativ -ru.
Es gibt aber auch viele si-Ver­ben, die nicht mit dem Dativ ver­wen­det wer­den. Solche, die den Dativ her­vor­rufen kön­nen, sind im Kern­gram­matik-Sam­mel­suri­um zusam­menge­fasst.

Hier einige Beispiele solch­er "si"-Ver­ben:
irayo si (danken), kaltxì si (grüßen), txopu si (fürcht­en), tskx­ekeng si (üben, trainieren), kem si (etwas/eine Hand­lung tun), 'en si (ver­muten, rat­en), pam­rel si (schreiben), lrrtok si (lächeln).

 

si ist an und für sich kein voll­w­er­tiges oder richtiges Verb, eher eine Art Hil­fsverb. Man darf es nicht alleine ste­hend ver­wen­den, und hat per se keine eigene Bedeu­tung, auch wenn man es im Zusam­men­hang mit anderen Wörtern noch am ehesten als "tun" oder "machen" über­set­zen kann.

si ist übri­gens nicht pro­duk­tiv; das heißt, dass man es nicht ein­fach nach Belieben hin­ter Sub­stan­tive oder Adjek­tive stellen und somit frei Schnau­ze neue si-Ver­ben erschaf­fen kann.

 

Und wie ver­wen­det man das Ganze nun in Sätzen? Na, lasst uns doch mal sehen:

Oe ngaru irayo si. Ich tue dir Dank. = Ich danke dir.
Po kaltxì si oeru. Er/sie grüßt mich.
Tsawke lrrtok si. Die Sonne lacht. = Die Sonne scheint.
Nga tìtx­en si. Du wachst auf.
Fo tsap'alute si awngar. Sie entschuldigen sich bei uns.
Tsyeyk kìte'e si Omatika­yaru. Jake dient den Omatikaya.

 

Zwei "si"-Ver­ben kön­nen auch den "dop­pel­ten Dativ" verur­sachen oder erfordern. Beispiel:
Oe pam­rel si 'upxareru. Ich schreibe eine Nachricht.
Oe pam­rel si 'upxareru ngaru. Ich schreibe dir eine Nachricht.
Ein weit­eres "si"-Verb dieser Art ist law si.

 

"si"-Ver­ben und anderen intran­si­tive Ver­ben sieht man sehr häu­fig in Verbindung mit dem "Top­i­cal", welch­er eine größere Vielfalt an Anwen­dungsmöglichkeit­en möglich macht, aber diesen ler­nen wir erst später ken­nen.

 

 

Inter­es­sant bzw. wichtig ist auch, woraus si-Ver­ben zusam­menge­set­zt sind; näm­lich nicht nur aus dem Hil­fsverb si, son­dern zumeist aus Sub­stan­tiv­en oder Adjek­tiv­en. Das schöne daran ist, dass man mit den aus Sub­stan­tiv­en gebilde­ten si-Ver­ben entsprechen­den Sch­aber­nack mit Fal­l­en­dun­gen, Prä­fix­en und Co. treiben kann:

Kem si nga. Du machst eine Hand­lung. = Du machst etwas.
Kempe si nga? Welche Hand­lung machst du? = Was machst du?
Uvan si oe. Ich spiele (ein Spiel).
Tsauvan alu Monop­o­li si oe. Ich spiele jenes Spiel namens Monop­oly.

Tsakem ke lu ftue. Jene Hand­lung ist nicht ein­fach.
Tsakem a ke tsol­un sivi oe ke lu ftue. Jene Hand­lung, die ich nicht machen kon­nte, ist nicht ein­fach.

Obacht: das funk­tion­iert aber nur mit Sub­stan­tiv­en, die auch ihr eigenes, entsprechen­des si-Verb haben! Bzw. mit si-Ver­ben, die ein Sub­stan­tiv bein­hal­ten.

 

Tskxekeng sivi ko!

 

 

Übung I:

Fügt die fehlen­den Bestandteile ein (Dativ und/oder si-Ver­ben), um sin­nige Sätze zu bilden und über­set­zt:

  1. Oe kaltxì __ nga__ ulte peng ayf­mawnit nga__.
  2. 'eylanìl syu­veti tsmuke__ tìng.
  3. Ngeyä säf­pìl atx­antsan slan­tire __ sì tìtx­en __ eltu__ oeyä.
  4. Kxu­tu wätu__ fwìng __ sì kxap __.
  5. Fìt­skxe skxir __ venu__ oeyä.

Übung II:

Über­set­zt:

  1. Fay­saw­tute kxu si na'rìngur nì'ul'ul.
  2. Neytir­il trram tìng tskoti sneyä Tyseykur.
  3. Sa'nok law si tìfkey­tokur even­gur sneyä.

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