Lektion 08: peyä vs. sneyä + fko/fkeyä

In der let­zten Lek­tion haben wir einen flüchti­gen Blick auf po/fo, fko und sno bzw. ihre Gen­i­tiv­for­men peyä/feyä, fkeyä und sneyä gewor­fen. Jet­zt wer­fen wir ein oder zwei genauere Blicke auf das Ganze.

 

 

Fko ist ein Pronomen wie z.B. oe oder nga und bedeutet “man”. Es ist in sein­er Bedeu­tung das all­ge­me­in­ste ("unbes­timmte") Pronomen, was oft auch in speziellen Kon­struk­tio­nen Anwen­dung find­et, zum Beispiel, um die “pas­sive Stimme” zu bilden.

Fko dient auch als nüt­zlich­es Werkzeug, um generell all­ge­meine Aus­sagen zu tre­f­fen und wird im “fort­geschrit­te­nen” Sprachge­brauch oft ver­wen­det und min­destens genau­so oft “fall­en gelassen”; wenn sich näm­lich aus dem Kon­text her­aus nicht ergibt, um welch­es Sub­jekt es sich im (Teil-)Satz han­delt, wird dort immer ein nicht sicht­bares fko ver­standen. Beispiele:

Oeru (fko) syaw Lìle'. Man nennt/ruft mich Lìle'. / Ich heiße Lìle'.

(Fko) ke tsun yivom tsat. Das kann man nicht essen.

Tsun fko sivar hänit fte payoangit stivä'nì. Man kann ein Netz benutzen, um einen Fisch zu fan­gen.

Fko san ngaru lu mowan Txilte ulte poru nga. Man sagt/munkelt, dass du Txilte attrak­tiv find­est und sie dich.

Tsa'uri (fko) pamrel si fyape? Wie schreibt man jenes Wort?

Palulukan new fkoti yivom. Der Thana­tor möchte einen essen.

Kin fkol frainanfyat. Man braucht alle Sinne.

Eyawrfyari (fko) zene tslivam fya'ot a mìn kifkey. Was den richti­gen Weg bet­rifft, muss (man) ver­ste­hen, wie die Welt sich dreht.

 

 

Für die pas­sive Stimme braucht man nicht nur fko, son­dern auch eine bes­timmte Wor­tord­nung bzw. Satzstel­lung: OSV, also Objekt, Sub­jekt, Verb oder T, L und Verb. Fko dient hier­bei als Sub­jekt. Beispiele:

Seyluti fkol 'em. Man kocht die Tey­lu. = Die Tey­lu wer­den gekocht.

Kelutralti fkol ska'a. Man greift den Heimat­baum an. = Der Heimat­baum wird ange­grif­f­en.

Neytiriti fkol nutolìng oeru! Man hat mir Neytiri ver­sprochen = Neytiri wurde mir ver­sprochen!

 

 

Fkeyä ist der Gen­i­tiv von fko. Beispiel:

Zene fko hivawnu menarit fke. Man muss seine (bei­den) Augen schützen.

Zu fkeyä habe ich übri­gens nur diesen einen Beispiel­satz gefun­den. x) Es wird augen­schein­lich also nur sehr sel­ten ver­wen­det. Aber es schadet ja nicht zu wis­sen, dass es existiert ;) Weit­ere Anwen­dungsmöglichkeit­en von fkofkeyä aus dem Deutschen wären den­noch denkbar:

"In dieser Wech­sel­stube kann man sein Geld wech­seln lassen."
"Man sollte den Ölstand seines Autos über­prüfen, ehe man eine län­gere Reise antritt."
"An diesem Strand kann man so richtig seine Seele baumeln lassen, find­est du nicht?"

 

 

Sno ist ein reflex­ives Pronomen der drit­ten Per­son, soll heißen, dass es sich immer auf das Sub­jekt des Satzes (zurück) bezieht und für er/sie/es ver­wen­det wird. Es bedeutet so viel wie “er/sie/es selb­st” (Sin­gu­lar oder Plur­al, Haupt­sache dritte Per­son [er/sie/es, sie] — sno selb­st ken­nt aber keine Plu­ral­form, es bleibt immer sno). Beispiele:

Po yawne lu snor(u). Er/sie liebt sich selb­st.

Olo'ä ayhapxìtul syuveti pxì­mun'i snokip. Mit­glieder eines Klans teilen Essen untere­inan­der.

Fo smon (snoru) fìtsapwotx. Sie ken­nen sich alle gegen­seit­ig.

 

 

Sneyä ist entsprechend der Gen­i­tiv von sno und bedeutet so viel wie “sein/ihr eigenes”. Beispiele:

Pol 'em sne wutsot. Er kocht seine eigene Mahlzeit.

 

 

Und was ist nun der
Unter­schied zwis­chen peyä/feyä und sneyä?
Nehmen wir mal den let­zten Beispiel­satz erneut als Beispiel:

Pol 'em pe wutsot. Er kocht seine Mahlzeit.
Aber wessen Mahlzeit genau? Nicht seine eigene Mahlzeit, son­st hätte man hier sneyä ver­wen­det.  Da hier peyä ver­wen­det wurde, ist es also die Mahlzeit eines anderen "po". Da peyä oft­mals zu "undeut­lich" sein und zu Ver­wirrung führen kann ("über wessen Besitz reden wir jet­zt eigentlich genau?"), schafft sneyä da Abhil­fe:

Pol 'em sne wutsot. Er kocht seine eigene Mahlzeit.

Diese Ver­wirrung bzw. Undeut­lichkeit tritt aber nur bei der drit­ten Per­son bzw. peyä auf, bzw. wenn es in dem Kon­text mehr als eine dritte Per­son gibt, die da zu Ver­wirrung führen kön­nte. Wenn ich z.B. über meinen oder deinen Besitz rede (oeyä/ngeyä), kann es ja unmissver­ständlich nur mein­er oder dein­er sein. Und sneyä ist in sein­er Bedeu­tung da genau­so "bomben­fest".

 

Ein weit­eres Beispiel:

Sa'nokìl tse'a pe 'ite. Die Mut­ter sieht ihre Tochter. - Aber wessen Tochter genau? Jeden­falls die Tochter ein­er anderen Frau/Mutter.

Sa'nokìl tse'a sne 'ite. Die Mut­ter sieht ihre eigene Tochter. Unmissver­ständlich ;)

 

 

Übung I:

Rutxe, ralpeng tsay'ukìn­git alu

 

  1. Poanìl 'itan­it sneyä vewng ulte meyam pot.
  2. Nguzanìl hangvurit tsmukeru 'eylanä sneyä peng.
  3. Oesa'nokìl tìng pe'eylanur mestxelit akosman.
  4. Srungit ngeyä vin oel.
  5. Mefenantangt­syìpìl trram mefalukantsyìpit oeyä frìp.

Vok­a­beln: rutxe = "bitte"; ralpeng = über­set­zen; lì'ukìng = der Satz;'itan = der Sohn; vewng = sich um jeman­den küm­mern; meyam = (jeman­den) umar­men; Nguzan = männlich­er Eigen­name; hangvur = lustige Geschichte, Witz; peng = bericht­en, erzählen; tìng = geben, schenken; stx­eli = das Geschenk, die Gabe; kos­man = wun­der­bar, toll, fan­tastisch; vin = ersuchen, erbit­ten, nach etwas fra­gen; frìp = beißen.

 

Übung II:

Fügt die kor­rek­ten Gen­i­tiv-For­men in die Lück­en ein:

  1. 'itel sa'nok­it ____ tse'a. Die Tochter sieht ihre Mut­ter.
  2. 'itanìl sempulit ____ tse'a. Der Sohn sieht seinen eige­nen Vater.
  3. Ngal wutsoti ____ yom. Du isst unser Essen.
  4. Ngal tskoti ____ ____ munge. Du nimmst deines Vaters Bogen.
  5. Pol 'upxaret ____ ____ nìn. Sie betra­chtet die Nachricht deines Lehrers.

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