Lektion 07: Genitiv -yä & lu + -ru

Die Sprache der Na'vi hat lei­der kein Wort, das unserem "haben" entsprechen würde. Wenn ihr in einem Wörter­buch also danach sucht, werdet ihr lei­der nix find­en. Dies bedeutet aber nicht, dass es keine eigene Kon­struk­tion gibt, wie man das Ganze aus­drück­en kann.

Die Na'vi benutzen dafür das Wörtchen lu (sein; bin, bist, ist, sind) und den Dativ -ru. Auf den Dativ gehen wir später nochmal etwas genauer ein, für jet­zt soll er uns ein­fach nur für diese kleine "Besitz-Sch­ablone" dienen, die eigentlich gar nicht kom­pliziert ist.

Hier ein paar Beispiele:

Oeru lu fpom. Mir ist Wohl­sein. = Ich habe Wohl­sein. = Mir geht's gut.
Ngaru lu puk. Dir ist (ein) Buch. = Du hast ein Buch.
Meforu lu meveng. Den bei­den sind zwei Kinder. = Sie/die bei­den haben zwei Kinder.

Würde man den Dativ -ru hier weglassen, hieße es "Ich bin Friede/Wohlsein", "Du bist ein Buch" und "Die bei­den sind zwei Kinder". -ru ist also, wie jede andere Endung, enorm wichtig für die Bedeu­tung eines Satzes!

Den Dativ erken­nt man in der Regel an einem R. Er kann, wie die bere­its uns bekan­nten Fälle L & T, in ver­schiede­nen For­men auftreten; je nach­dem an welch­es Sub­stan­tiv er "ange­heftet" wird. Ihr erken­nt ihn also an -ru, -r oder -ur. Aber dazu erst später mehr.

 

 

 

Übung I:

Über­set­zt fol­gende Sätze ins Deutsche.

 

  1. Ngaru lu 'ite.
  2. Poru lu tsko.
  3. Kelku lu awngar.
  4. Syuve meyayor lu.

 

 

Neben dem Dativ ken­nt Na'vi auch den uns bekan­nten Gen­i­tiv. Ihn erken­nt man an -yä oder . Er kommt wie fol­gt zum Ein­satz:

oe puk mein Buch
nge palukantsyìp deine Katze
pe tsko sein/ihr Bogen
Neytiri tsn­gal Neytiris Bech­er
Tsyeykä 'eylan Jakes Fre­und

 

Ngar smon oe 'ite. Dir ist meine Tochter bekan­nt / Du kennst meine Tochter.
Tsatute lu 'eveng nge. Jene Per­son ist dein Kind.

 

Wie ihr sehen kön­nt, ändert der Gen­i­tiv das Erschei­n­ungs­bild manch­er Per­son­al­pronomen; aus einem A oder O macht er plöt­zlich ein E: Aus  nga + yä wird nicht ngayä, son­dern nge und so weit­er.

Hier eine Über­sicht darüber was der Gen­i­tiv mit (Personal-)Pronomen anstellt:

oe → oeyä
moe → moeyä
pxoe → pxoeyä
ayoe → ayoeyä
nga → ngeyä
men­ga → mengeyä
pxen­ga → pxengeyä
ayn­ga → ayn­geyä
oeng → oengeyä
pxo­eng → pxo­engeyä
ayo­eng → ayo­engeyä
awnga → awngeyä
po → peyä
mefo → mefeyä
pxe­fo → pxe­feyä
(ay)fo → (ay)feyä
fko → fkeyä
sno → sneyä

Für mehr Infos zu fko und sno bzw. fkeyä und sneyä, siehe Lek­tion 08.

Die -Endung wird wie fol­gt gebildet:

Sub­stan­tive, die auf ein… enden, bekom­men:

  • Kon­so­nant / O / U:
  • Vokal: -yä

Sub­stan­tive, die auf ein O oder U enden, bekom­men , nicht -yä ange­heftet! Beispiele: yay, tsk, kxut, re', hur.

Zudem gibt es einige wenige Aus­nah­men, bei denen der Gen­i­tiv noch ver­rück­ter spielt:
Neytiris Stamm,
Omatikaya → Omatikayaä; die Fam­i­lie, soaia → soa. (Nomen, die auf ia enden, wer­den immer in umge­wan­delt, also z.B. auch tìftia → tìftiä oder aungia → aungiä.) Von diesen Aus­nah­men gibt es allerd­ings zum Glück nicht viele.

 

Der Über­sicht und Ver­ständlichkeit zuliebe soll­ten Gen­i­tiv­for­men so nahe wie möglich am dazuge­höri­gen Sub­stan­tiv ste­hen; dies ist jedoch kein unbe­d­ingtes Muss, denn auch hier gibt es Aus­nah­men, zum Beispiel:
(Nga) Na'viyä lu hapxì. Anstatt: (Nga) Na'viyä hapxì lu.
Ich war mal so frei und habe den zer­e­moniellen Teil aus diesem Satz von Eytukan ent­fer­nt :P

 

 

 

Inter­es­sant wird's, wenn ein Satz mehrere Gen­i­tive bein­hält. Noch gibt es keine feste Regel dazu, in welch­er Rei­hen­folge man die in den Gen­i­tiv geset­zten Wörter platzieren muss, aber um unnötige Ver­wirrung zu ver­mei­den, sollte man sie in die gewollte bzw. logis­che Rei­hen­folge set­zen. Soll heißen, der­jenige, der etwas inne hat, wird direkt neben das entsprechende Wort gestellt, dann fol­gt der­jenige, der diesen inne hat, usw. — Beispiele:

Ich sehe die Frau meines Brud­ers.
Oel muntxatet tsmukanä oeyä tse'a.

Du kennst die Mut­ter des Fre­un­des mein­er Schwest­er.
Ngar smon sa'nok 'eylanä tsmukeoeyä.

Vergesst nicht, dass das ganze auch in die ent­ge­genge­set­zte Rich­tung funk­tion­iert:
Oeyä tsmukanä muntxatet oel tse'a.
Oeyä tsmuke'eylanä sa'nok smon ngar.

 

Außer­dem gibt es noch eine andere Möglichkeit Besitz in Worte zu fassen — zumin­d­est was "unveräußer­lichen" Besitz (Kör­perteile, Seele, Stimme, Geschwis­ter, Eltern etc.) ange­ht. Wie man das anstellt ler­nen wir aber erst in Lek­tion 15.

 

 

Übung II:

Über­set­zt fol­gende (Teil-)Sätze ins Deutsche.

 

  1. Ngaru lu tìyawr.
  2. Pol zamunge tskoti oeyä.
  3. Oel peyä payoangit tse'a.
  4. Awngal mokrit poeyä stawm.
  5. tseng lu awngeyä.

Fìt­sko lu ngeyädieser Bogen ist dein­er. Das ist eine vierte Vari­ante, wie man Besitz aus­drück­en kann; je nach­dem, was man aus­drück­en möchte, hat man also mehrere Kon­struk­tio­nen zur Hand. :)

 

Übung III:

Über­set­zt fol­gende Sätze in die Sprache der Na'vi.

  1. Ihr drei habt ein Boot.
  2. Unser Heimat­baum ist groß.
  3. Du siehst deine Mut­ter.
  4. Ich esse ihre (ayfo) Frucht.
  5. Meine drei Kinder sind jung.
  6. Ich trage meines Vaters Bech­er.

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