Lektion 05: sì & ulte + hu & fa

& ulte

Ich möchte euch erst mal zwei kleine nüt­zliche Wörter vorstellen, die es uns erlauben entwed­er mehrere Dinge/Handlungen oder aber mehrere Sätze miteinan­der zu verbinden — und ulte. Bei­de bedeuten "und".
Im Deutschen ken­nen wir nur ein "und", Na'vi ken­nt allerd­ings zwei ver­schiedene, die in unter­schiedlichen Sit­u­a­tio­nen zum Ein­satz kom­men.

 

 

ulte ist eine Kon­junk­tion (conj. im Wörter­buch) bzw. ein "Binde­wort". Es verbindet mehrere (Teil-)Sätze miteinan­der.

Beispiele:

Trram oel mefayoangit syep ultetrr mefoti yom. Gestern fing ich zwei Fis­che und heute esse ich sie.

Die erste Aussage/Idee ist, dass ich gestern zwei Fis­che gefan­gen habe. Die andere ist, dass ich sie heute esse. Die Wahl fällt also auf ulte.

Beachtet, dass hier der Han­del­nde (Sub­jekt) bei­der Teil­sätze oel ist — man muss oel im zweit­en Teil­satz also nicht wieder­holen, weil es von sich aus schon impliziert/mit eingeschlossen ist bzw. sich aus dem Sinn des Satzes her­aus ergibt.
Und weil
oel eben­falls im zweit­en Teil ("fìtrr mefoti yom") das (wegge­lassene) Sub­jekt und yom ein tran­si­tives Verb ist, muss -ti an mefo ange­hängt wer­den.
Teil­satzüber­greifende Gram­matikregeln wer­den von kleinen Wörtchen wie ulte und Co. in der Regel nicht außer Kraft geset­zt! ;)

 

Oel ngati kameie, ma tsmukan, ulte ngaru seiyi irayo. Ich sehe dich, Brud­er, und ich danke dir.
Dass ich meinen Brud­er sehe ist die erste Idee/Aussage — dass ich ihm danke, ist die zweite. Die Wahl fällt also auf ulte.

Diese bei­den Teil­sätze sind Ele­mente ver­schieden­er Ideen/Aussagen, also müssen sie mit ulte ver­bun­den wer­den.
Anders aus­ge­drückt: Hier wer­den zwei Sätze bzw. Ideen/Aussagen miteinan­der ver­bun­den, die ohne ulte auch prob­lem­los als eigen­ständi­ge Sätze funk­tion­ieren wür­den ("Oel ngati kameie. Ngaru seiyi irayo.").
Wenn durch ein "und" ver­bun­dene (Teil-)Sätze auch ohne "und" Sinn ergeben, ist dies ein guter Indika­tor dafür, dass man hier ulte ver­wen­den sollte.

 

 

ist ein Binde­wort, dass mehrere Dinge/Lebewesen oder Hand­lun­gen in Form ein­er Aufzäh­lung aneinan­der­rei­ht. Diese aneinan­derg­erei­ht­en Ele­mente müssen Ele­mente der­sel­ben Idee bzw. des­sel­ben Konzepts/der sel­ben Aus­sage sein, um sie mit verbinden zu kön­nen.

Beispiele:

 

Oer sunu fwa slele sì yom sì hahaw. Ich mag es zu schwim­men, zu essen und zu schlafen.
Hier geht es darum, welche Hand­lun­gen mir gefall­en. Dies ist eine einzelne Idee/Aussage mit Auflis­tung der Hand­lun­gen, an denen ich Gefall­en finde, die Wahl fällt also auf .

Oel ayngati kameie, ma smukan sì smuke. Ich sehe euch, Brüder und Schwest­ern.
Hier wer­den smukan und smuke direkt aufge­lis­tet und ange­sprochen, also fällt die Wahl auf .

 

nume sivi poru fte pivlltxe sì tivìran nìayoeng. Bringe ihm bei auf unsere Weise zu sprechen und zu gehen.
Hier wer­den zwei Hand­lun­gen aufgezählt ("zu sprechen und zu gehen"). Diese bei­den Hand­lun­gen sind Teil der­sel­ben Aus­sage ("bringe ihm bei…"), die Wahl fällt also auf .
Übri­gens: nìayoeng wird [naj.ˈwɛŋ] aus­ge­sprochen, also eher wie "nayweng".

 

Sunu poru syulang sì mauti sì fwa tswayon yaka. Ihm/ihr gefall­en Blu­men, Früchte und durch die Luft zu fliegen.
Hier ist das Inter­es­sante, dass nicht nur zwei Sub­stan­tive aufgezählt wer­den, son­dern auch ein Na’vi-scher Neben­satz, "und die Sache welche ist: durch die Luft fliegen" — auch hier fällt die Wahl also auf . (Zu fwa bzw. den F-Wörtern ler­nen wir aber erst in Lek­tion 15 mehr.)

 

kann man (wie auch Adpo­si­tio­nen → Lek­tion 20) entwed­er mit Leerze­ichen vor ein Wort stellen oder direkt dahin­ter anhän­gen.
Beispiele:
oe sì nga oder oe nga ich und du. nga oe du und ich. Ver­an­schaulicht an den Beispiel­sätzen von ger­ade eben:
Oer sunu fwa slele yom hahaw.
Oel ayn­gati kameie, ma smukan smuke.
Sänume sivi poru fte pivlltxe tivìran nìay­o­eng.

Bei ulte geht dies nicht; es muss immer frei ste­hen!

 

Übung I:

Set­zt ulte oder in fol­gende Sätze kor­rekt ein und über­set­zt sie:

  1. Tsmuke __ tsmukanran kxamna'rìng __ (mefol) ayutralit nìn.
  2. Nantangìl __ palulukanìl ultxarun yerik­it.
  3. Nga srung si oeru __ oe irayo si ngaru.
  4. Lu oer mipa nantangt­syìp __ 'efu oe nitramtxan.

Vok­a­beln: tsmuke = die Schwest­er; tsmukan = der Brud­er; ran = wan­deln, spazieren, wan­dern; kxam= durch, hin­durch; nìn = betra­cht­en, anschauen; nantang = der Nat­ter­wolf; palulukan = der Thana­tor; ultxarun = jeman­den (zufäl­lig) tre­f­fen / begeg­ben; srung si = (jeman­dem) helfen; irayo si = (jeman­dem) danken; mip = neu; nantangt­syìp = der Hund (Nat­ter­wölflein); 'efu = (sich) fühlen; nitram = glück­lich; txan = sehr.

 

hu & fa

Jet­zt geht's um ein weit­eres Wort­pärchen, die auf Deutsch über­set­zt zwar gle­ich klin­gen bzw. das gle­iche bedeuten ("mit"), aber eben­falls in ver­schiede­nen Sit­u­a­tio­nen zum Ein­satz kom­men; hu und fa.

hu und fa ver­hal­ten sich wie im Bezug auf Sub­stan­tive; man kann sie also mit Leerze­ichen voranstellen oder direkt hin­ten an ein Sub­stan­tiv anhän­gen; hu nga / ngahu, fa sä'o, sä'ofa.

 

 

 

 

hu wird ver­wen­det, wenn man in Begleitung von jeman­dem ist, also z.B. mit jeman­dem unter­wegs ist, mit jeman­dem essen geht, mit seinem Hund spielt etc.

Beispiele:

Eywa ngahu (livu). (Möge) Eywa mit dir (sein).

Hu 'eylan uvan si oe. Ich spiele mit einem Fre­und.

Po pängkxo Neytirihu. Er/sie plaud­ert mit Neytiri.

 

 

fa wird ver­wen­det, wenn man mit Hil­fe von ein­er Sache oder jeman­dem etwas macht, z.B. mit Mess­er und Gabel essen, mit Hil­fe ein­er Brille lesen, mit Hil­fe eines Ikran fliegen etc.

Beispiele:

Oe tswayon ikranfa. Ich fliege mit Hil­fe eines Ikran / Ich fliege mit einem Ikran. / Ich fliege einen Ikran.

Oel relit weyn fa relvul. Ich zeichne mit Hil­fe eines Stiftes ein Bild / Ich zeichne ein Bild mit einem Stift.

Oel omum tsat keyrelfa ngeyä. Ich weiß das durch deinen Gesicht­saus­druck.

Po pamtseo si fa 'otxang. Er/sie macht Musik mit Hil­fe eines Musik­intsru­ments. / Er/sie musiziert mit einem (Musik-)Instrument.

 

Es heißt zwar oe tsway­on ikran­fa, aber wenn man ein Pa'li reit­et, dann hieße es oel pa'lit mak­to. Der Grund dafür ist, dass tsway­on intran­si­tiv ist und fa die ele­gan­teste Lösung ist, um auszu­drück­en, dass man eben einen Ikran fliegt - aber mak­to ist tran­si­tiv und kann bzw. muss hier "reg­ulär" (siehe Lek­tion 03) ver­wen­det wer­den.

 

Übung II:

Fügt hu oder fa kor­rekt in die Lück­en ein und über­set­zt:

  1. Sempul taron __ 'itan.
  2. Pamrel si po 'upxareru pensìl__.
  3. Tsyeyk plltxe Tsu'tey__.
  4. Oe 'eylan__ uvan si rum__.

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