02: Fürwörter/Pronomen + lu

Per­son­al­pronomen, oft auch nur Pronomen oder Für­wörter genan­nt, sind in jed­er Sprache essen­tiell. Wie son­st sollte man zwis­chen "ich" und "du" unter­schei­den?

Die Pronomen in Na'vi sind etwas kom­pliziert­er bzw. vari­anten­re­ich­er gestal­tet als im Deutschen, da die Na'vi mehrere For­men des Plu­rals haben (sie unter­schei­den zwis­chen einem Ding [Sin­gu­lar], zwei Din­gen [Dual], drei Din­gen [Tri­al] und vier oder mehr Din­gen [Plur­al]) und Unter­schiede dazwis­chen machen, ob man z.B. die ange­sproch­ene Per­son in das "wir" mit ein­bezieht (inklu­siv) oder nicht (exk­lu­siv):

oe = ich, moe = wir bei­de (2x ich), pxoe = wir drei (3x ich), ayoe = wir (4x oder mehr ich); nga = du; men­ga = ihr bei­de (2x du), pxen­ga = ihr drei (3x du), ayn­ga = ihr (4x oder mehr du); oeng = wir bei­de (ich & du), pxo­eng = wir drei (2x ich + du), ayo­eng = wir (4x oder mehr ich & du); po = er/sie, mefo = sie (2x er/sie), pxe­fo = sie (3x er/sie), ayfo = sie (4x oder mehr er/sie).

Vielle­icht macht es fol­gende Ver­bildlichung ja etwas klar­er (oenga, po — oe ist der Blick­winkel / Sprech­er und spricht die ganze Zeit mit nga):

 

Es gibt auch poe (sie, fem­i­ninum) und poan (er, maskulinum), was man anstelle von po benutzen kann. Dies ist in der Regel aber nur notwendig, wenn aus dem Kon­text her­aus nicht klar ist (z.B. wenn in einem Satz son­st 2x po für zwei ver­schiedene Per­so­n­en vorkom­men würde), wer genau gemeint ist oder man beto­nen möchte, dass man über sie/ihn spricht. Zudem kann man poe und poan nicht in den Plur­al set­zen.

Generell kann man sagen, dass Na'vi die ganze Genus-Angele­gen­heit (also das "Geschlecht" von Wörtern) sehr lock­er sieht — "geschlecht­sneu­tralen" Wörtern oder Pronomen wird generell der Vorzug gegeben.

Wenn man geschlechtsspez­i­fis­che Wörter wie poe, poan, tute oder tutan ver­wen­det, wird die Beto­nung nor­maler­weise auch auf die auf das Geschlecht bezo­ge­nen Suf­fixe -e oder -an gelegt. Aus­nah­men gibt's aber auch hier, z.B. 'ite, 'itan, muntxate, muntxatan, 'eve, 'evan.  Diese Suf­fixe sind übri­gens nicht pro­duk­tiv (man kann sie also nicht frei Schnau­ze an Wörter anhän­gen).

Anstelle von ayoeng wird vorwiegend awnga benutzt; bei­de Wörter bedeuten das­selbe. Apro­pos ayo­engoeng, pxo­eng und ayo­eng bilden mit Fal­l­en­dun­gen (siehe näch­ste Lek­tion) nicht oengìl, son­dern oengal, pxo­engal, ayo­engal, usw. … Das liegt daran, dass oeng (und die Plu­ral­for­men davon) aus oe + nga gebildet wur­den, aber das a von nga wurde ver­schluckt — es taucht aber wieder auf, sobald Fal­l­en­dun­gen hin­ten an dieses Pronomen gehängt wer­den.

Übri­gens, eine Über­sicht aller Per­son­al­pronomen inkl. aller möglich­er For­men der­sel­ben find­et ihr im Kern­gram­matik-Sam­mel­suri­um.

 

Ein paar all­ge­meine Beispiele zur Unter­schei­dung der unter­schiedlichen For­men von "wir":

  • Neytiri und Jake jagen im Wald. Sie tre­f­fen zufäl­lig auf Tsu'tey und bericht­en ihm von ihrem Erfolg: "Moel yerik­it tspolang." Wir bei­de haben einen Yerik getötet.
    Hier wird moe ver­wen­det, weil Neytiri und Jake über sich selb­st sprechen und Tsu'tey nicht in das "wir" mit ein­beziehen — er war ja schließlich nicht am Jagder­folg beteiligt, son­dern hört jet­zt nur davon. Und natür­lich rümpft er verächtlich die Nase. :P
  • Ninat und Peyral sam­meln zusam­men mit fünf anderen Na'vi Feuer­holz draußen vor dem Kelu­tral. Es wird langsam dunkel, daher sagt Ninat zu allen: "Sweylu txo set awnga tivätxaw." Es wäre das beste, wenn wir jet­zt zurück­kehren wür­den.
    Sie ver­wen­det hier awnga, weil sie alle in der Gruppe anspricht und in das "wir" mit ein­bezieht.
  • Mo'at und Eytukan sprechen darüber Neytiri und Tsu'tey miteinan­der zu ver­heirat­en. Als Grace sich den bei­den nähert, been­den sie das Gespräch plöt­zlich und unter­bre­it­en Grace fol­gen­den Vorschlag, um das The­ma zu wech­seln: "Pxoeng yom ko." Lasst uns essen.
    Sie ver­wen­den pxo­eng, weil sie Grace in das "wir" mit ein­beziehen.

  • Lìle', Zaza und drei ihrer Fre­unde spie­len zusam­men, wie Kinder es nun mal gerne tun. Nguzan kommt auf sie zu und fragt, ob er mit­spie­len darf. Gemein, wie Kinder manch­mal lei­der sind, brüllt Lìle' ihm ent­ge­gen: "Kehe! Ke new ayoe uvan sivi ngahu pak!" Nein! Wir wollen nicht mit dir Blöd­mann spie­len! — Nguzan legt die Ohren und den Schwanz an und trot­tet trau­rig davon.
    Lìle' hat hier ayoe benutzt, weil sie den armen Nguzan logis­cher­weise nicht in das "wir" mit ein­be­zo­gen hat.

 

Übung I:

Lasst uns das Ganze mal an ein paar Beispie­len üben.

  1. Wenn ich jeman­den direkt anspreche und ihm sagen möchte, dass ich und mein Fre­und, der neben mir ste­ht, ger­ade schwim­men, welch­es Pronomen wäre das richtige?
  2. Wenn ich mein­er Mut­ter erzäh­le, dass meine bei­den Fre­unde vorhin ger­an­nt sind, welch­es Pronomen wäre für die bei­den das kor­rek­te?
  3. Auf der Arbeit arbeit­en Team A und Team B ger­ade an ver­schiede­nen Pro­jek­ten. Team A teilt Team B mit, dass ihre eigene Arbeit qual­i­ta­tiv hochw­er­tiger ist. Welch­es Pronomen würde Team A hier benutzen, um Team B zu adressieren? Und welch­es, um über sich selb­st zu Team B zu sprechen?
  4. Welch­es Pronomen würde ich benutzen, um meinem Kol­le­gen vorzuschla­gen, dass wir bei­de jet­zt zu Mit­tag essen soll­ten?

So weit so gut. Jet­zt wen­den wir einige der Per­son­al­pronomen mal mit ein paar Ver­ben ("Tuwörter") in sehr sim­plen Sätzen an.

Na'vi-Verben sind in ihrer Grund­form (ohne Infixe, zu Infix­en wer­den wir später noch früh genug kom­men) sehr ein­fach gestrickt, anders als im Deutschen.

Bei uns heißt es "ich renne, du rennst, er/sie/es ren­nt, wir ren­nen, ihr ren­nt, sie ren­nen". Je nach ver­wen­de­tem Pronomen verän­dert sich das Verb (es wird kon­jugiert, damit es zum ver­wen­de­ten Pronomen bzw. Sub­jekt [der­jenige, der die Hand­lung tut, hier: ren­nen] passt).

Auf Na'vi sähe das allerd­ings fol­gen­der­maßen aus: "oe tul, nga tul, po tul, ayoeng/awnga tul, ayn­ga tul, fo tul". Tul bleibt hier immer gle­ich, wird also nicht verän­dert / kon­jugiert; es ändert aber während der Über­set­zung ins Deutsche je nach ver­wen­de­tem (Pro)Nomen seine Bedeu­tung, weil wir ja unsere Ver­ben im Deutschen entsprechend verän­dern.
Die Na'vi gehen da den wesentlich ein­facheren Weg, oder? :)

Noch ein klein­er Hin­weis zur Wort­stel­lung bzw. Wor­tord­nung bzw. Satzbau. Im Deutschen oder Englis­chen haben wir eine fest­gelegte Rei­hen­folge, in der die ver­wen­de­ten Wörter ange­ord­net wer­den müssen, damit ein Satz richtig ist und auch so klingt. Man sagt zum Beispiel "Ich sehe dich" und nicht "Ich dich sehe"; Deutsch ver­wen­det hier die fixe Wor­tord­nung ("Syn­tax") von Sub­jekt, Verb, Objekt, oder kurz: SVO.

Die Na'vi haben so etwas in ihrer Sprache allerd­ings nicht (zumin­d­est nicht so wie wir es ken­nen). Sie haben kein fix­es Gebot von SVO, SOV und so weit­er, son­dern ihrer Sprache fehlt eine fixe Wort­stel­lung, ein Syn­tax; man kann Sätze auf Na'vi also frei so herum wür­feln und die Wörter mehr oder min­der (die Aus­nah­men wer­den wir noch ken­nen ler­nen) frei Schnau­ze anord­nen, wie man eben lustig ist, ohne, dass dadurch die Bedeu­tung verän­dert würde.

"Ich sehe dich" kann auf Na'vi also dur­chaus auch so ausse­hen: "Ich dich sehe", "Dich ich sehe", "Dich sehe ich", usw. — Die Bedeu­tung wird von der Wort­stel­lung nicht bee­in­flusst. Da die Bedeu­tung davon also nicht bee­in­flusst wird, brauchen wir aber andere Hil­f­s­mit­tel, die ganz deut­lich kennze­ich­nen, wer hier was mit wem macht; dafür ver­wen­den wir vor allem Fal­l­en­dun­gen — aber die ler­nen wir erst in den kom­menden Lek­tio­nen nach und nach ken­nen.

 

Übung II:

Über­set­zt fol­gende Sätze entsprechend ins Deutsche.

  1. Po tul.
  2. Oe slele.
  3. Nga hahaw.
  4. Ayngaran.
  5. Awnga rol.
  6. Fo yom.

Vok­a­beln: tul = ren­nen; hahaw = schlafen; rol = sin­gen; slele = schwim­men, tìran = gehen, spazieren, wan­deln; yom = essen.

 

 

lu ist ein sehr hil­fre­ich­es (intran­si­tives, siehe Lek­tion 3 + 10) Verb, welch­es man auf mehrere Weisen ver­wen­den kann:

  1. Oe lu taronyu. Ich bin (ein/der) Jäger.Nga sa'nok lu. Du bist (eine/die) Mut­ter.Neytiri narlor lu. Neytiri ist schön.
    Hier wird lu ver­wen­det, um den Zus­tand von etwas oder jeman­den auszu­drück­en, qua­si wie ein Gle­ich­heit­sze­ichen: Ich = Jäger, Neytiri = schön, usw.
  2. Aun­gia lu. Es gibt ein Zeichen / (da) ist ein Zeichen.
    Hier wird die generelle Exis­tenz oder das Vorkom­men von etwas aus­ge­drückt.
  3. Oeru lu puk. Mir ist ein Buch = Ich habe ein Buch.
    Eine Möglichkeit, um Besitz auszu­drück­en. Mehr Details dazu und weit­ere Vari­anten gibt's aber erst in Lek­tion 7.

 

 

Übung III:

Über­set­zt fol­gen­des:

  1. Er ist Koch.
  2. Du bist jung.
  3. Sie ist ein Kün­stler.
  4. Es gibt Essen.
  5. Wir sind klug.

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