12: Modalverben mit L+T‑Endung & Verneinung

 

 

Das ganze kann man natür­lich auch mit anderen Ele­menten wie Zeit­for­men, Stim­mungsin­fix­en und so weit­er mis­chen. Beispiele:

Wir woll­ten schwim­men. Moe namew slivele.
Du wirst jagen dür­fen. Nga tsayun tivaron.
Sie durfte nicht sin­gen :( Po zolenängke rivol. (Nicht zolenkänge, mehr zu zenke und Infix­en siehe unten.)

Solche Infixe müssen dann aber ins Modalverb sel­ber und nicht in das darauf fol­gende Verb einge­set­zt wer­den. Eine Aus­nahme bilden da vor allem ab und an <eyk> und <äp>; sie kön­nen auch in das Verb auf das Modalverb fol­gend einge­fügt wer­den, damit das ganze Gefüge sin­nvoll bleibt:

Ke tsun tìvawm käpivurakx, nì'aw takem sivi atan. Die Dunkel­heit kann sich nicht selb­st aus­treiben, nur das Licht möge dies tun.
Ke new läpivawk oe nulkrr. Ich möchte nicht länger über mich reden.
Zene zeykivo poti tire­tul. Der Schamane muss ihn heilen.

 

 

Was ist aber nun, wenn man das Ganze in kom­plex­eren Sätzen (mit Fal­l­en­dun­gen usw.) anwen­den möchte? Nun ja, da kom­men einige beson­dere Regeln für Modalverb-Kon­struk­tio­nen hinzu, die man verin­ner­lichen und beacht­en sollte. (Für detail­liert­ere Infos auf Englisch dazu, lest euch gerne Karyu Pawls Blog­post dazu durch: http://naviteri.org/2011/03/word-order-and-case-marking-with-modals/)

Die generell bevorzugte und emp­foh­lene Satzstel­lung für Modalkon­struk­tio­nen mit L&T‑Endungen sieht wie fol­gt aus:

Ich möchte Tey­lu essen. Oe new yivom tey­lut.
(S vm. v. O / Sub­jekt Modalverb Verb Objekt)

Hier wird das L, was eigentlich an oe ange­hängt wer­den müsste, wegge­lassen — und das ist gram­matikalisch kor­rekt so, denn Modalkon­struk­tio­nen in dieser Satzstel­lung erlauben bzw. erfordern dies sog­ar.

Genau­so möglich und weit akzep­tiert bzw. noch mehr bevorzugt ist aber auch fol­gende Stel­lung:

Ich möchte Tey­lu essen. Oel tey­luti new yivom.
(S O vm. v. / Sub­jekt Objekt Modalverb Verb)

Andere Stel­lun­gen sind natür­lich auch möglich, aber je nach­dem weniger bis gar nicht akzept­abel (soll heißen, Na'vi wür­den darüber wahrschein­lich die Nase rümpfen). Bleibt also vorzugsweise bei den bei­den oben ste­hen­den Satzstel­lun­gen.
Öfters wird auch das Sub­jekt zwis­chen Modalverb und dazuge­höriges Verb gepackt, wie z.B. in New oe yivom tey­lut. Dabei wird wie im ersten Beispiel dieses Abschnitts keine L‑Endung ange­hängt.

 

Modalver­ben und Vernei­n­ung

In der let­zten Lek­tion zu Modalver­ben haben wir uns auch kurz mit der "Extrawurst namens zenke" beschäftigt und auch da haben wir ke bere­its gese­hen. Vernei­n­ung im Zusam­men­hang mit Modalver­ben ist rel­a­tiv span­nend und erlaubt einem feine Nuan­cen in Bedeu­tung bis hin zu kom­plett umgekehrten Bedeu­tun­gen auszu­drück­en.

Bei dieser spaßi­gen Angele­gen­heit hat man zwei fixe Sch­ablo­nen zur Auswahl:

  1. Modalverb ke V<iv>erb
  2. Ke Modalverb V<iv>erb

Ein­mal ste­ht ke vor dem Pärchen aus Modalverb+Verb und ein­mal mit­ten­drin. Bei bei­den Vari­anten brauch man aber den­noch immer <iv> im Verb nach dem Modalverb, so wie wir es in der let­zten Lek­tion gel­ernt haben. Jeden­falls sind bei­de Vari­anten zuläs­sig und kön­nen nur min­i­mal unter­schiedlich oder kom­plett ver­schieden in Bedeu­tung und Über­set­zung sein. Das liegt daran, dass entwed­er die erste oder die zweite Hand­lung verneint wird, was unter­schiedliche Resul­tate haben kann, die für das deutsche Hirn teils etwas schw­er ver­ständlich sein kön­nen, zumin­d­est auf dem ersten Blick (weil unsere Art der Vernei­n­ung im Ver­gle­ich so vage ist) — ver­gle­ichen wir mal:

 

1. Modalverb ke V<iv>erb

Schon bei zenke haben wir das sehen kön­nen, denn zenke stammt von zene ke ab. Obacht, man darf das, was mit zenke gemacht wurde (Zusam­men­ziehen), nicht ein­fach mit anderen Modalver­ben + ke machen. Zenke ist und bleibt eine Extrawurst unter den Modalver­ben. Na ja, genug zu zenke. New oder nul­new sind in dieser Kon­struk­tion oft schwierig bzw. sehr schwammig oder nicht ein­deutig genug.

Beispiele:

  1. Nga zene ke kivä. Zenke kivä. Du darfst/musst nicht gehen. (Du hast dir z.B. das Bein gebrochen und darf­st nicht gehen/laufen.)
  2. Oe fmi ke pivlltxe nìNa'vi. Ich ver­suche nicht auf Na'vi zu sprechen. (z.B. weil nicht jed­er um mich herum Na'vi ver­ste­ht und da ich nicht unhöflich sein möchte, spreche ich stattdessen z.B. Englisch.)
  3. Po kom ke tivaron. Er wagt es nicht zu jagen. (
  4. Po tsun ke yivom. Er kann nicht essen. (er kön­nte essen, macht aber z.B. einen Hunger­streik aus freien Stück­en; oder er hat ger­ade gegessen und ist satt und kann daher wählen, nicht mehr zu essen.)
  5. Po var ke slivele. Er führt fort nicht zu schwim­men. (z.B. gefällt es ihm sich vom Wass­er treiben zu lassen und düm­pelt lieber so daher anstatt seine Kraft zu ver­schwen­den.)
  6. Oe new ke riv­ol. Ich möchte nicht sin­gen. (Hmm… irgend­wie… hä?! In Bedeu­tung irgend­wie iden­tisch mit dem Gegen­beispiel unten, oder?)

2. Ke Modalverb V<iv>erb

Zum Ver­gle­ich:

  1. Nga ke zene kivä. Du musst nicht gehen. (z.B. weil denkst du müsstest gehen, aber du gerne hierbleiben darf­st.)
  2. Oe ke fmi pivlltxe nìNa'vi. Ich ver­suche nicht auf Na'vi zu sprechen. (z.B. weil ich nicht gerne auf Na'vi spreche, oder ich ver­mei­de es so gut es geht, oder ich bin ein­fach faul und anstatt das Sprechen zu üben, mache ich lieber andere Dinge.)
  3. Po ke kom tivaron. Er wagt es nicht zu jagen. (
  4. Po ke tsun yivom. Er kann nicht essen. (z.B. weil es ihm physikalisch oder gesund­heitlich nicht möglich ist.)
  5. Po ke var slivele. Er führt nicht fort zu schwim­men. (z.B. weil er kein Bock oder keine Kraft mehr hat.)
  6. Oe ke new riv­ol. Ich möchte nicht sin­gen. (z.B. weil ich nicht gut sin­gen kann und mich nicht blamieren möchte.)
Die 2. Vari­ante war übri­gens lange Zeit (ca. 9 Jahre) die einzig zuläs­sige — und daher werdet ihr zum Großteil nur dazu Beispiele find­en. Die erste Vari­ante wurde erst vor kurzem (im Juli 2019) von KP als gültig und zuläs­sig erk­lärt und ist daher ger­ade erst "im Kom­men" und teils aus (Un-)Gewohnheit ein­fach (noch) nicht so beliebt wie die zweite. Aber bei­de Vari­anten haben ihre Daseins­berech­ti­gung sowie ihre ganz eige­nen Vor- und Nachteile. Welche ihr lieber ver­wen­det kann von Sit­u­a­tion zu Sit­u­a­tion schwanken und auch wenn dies hier auf den ersten Blick etwas ver­wirrend bzw. vielle­icht sog­ar "klein­lich" erscheint, so ist es doch den­noch schön, solch Frei­heit im Bezug auf Aus­drucksmöglichkeit­en zu haben, oder? ;)

 

 

Die Extrawurst namens zenke

Mal davon ab, dass zenke umgangssprach­lich bzw. generell eher zengke aus­ge­sprochen wird, zickt es etwas rum, wenn man Infixe in dieses Modalverb pack­en möchte.

Ursprünglich stammt zenke von fol­gen­der Kon­struk­tion ab: zene ke (2. Verb), zum Beispiel zene ke kivä ("… darf nicht gehen"). Zene und ke wur­den also ein­fach zuerst zu zeneke und dann zu zenke zusam­menge­zo­gen.
Dies ist deswe­gen rel­e­vant, weil aus zenke wieder zeneke wird (das wegge­lassene zweite e schle­icht sich also wieder zurück ins Wort), sobald man <ats> oder <uy> in dieses Modalverb ein­fügt (da sich dadurch ille­gales Kon­son­tan­ten­chaos ver­mei­den lässt [ts+k, y+k]):
zenke + <ats> = zenatseke
zenke + <uy> = zenuyeke

Dies gilt aber nur für diese bei­den Infixe, bei allen anderen ver­hält sich zenke mehr oder min­der entsprechend vorherse­hbar:
zenke + z.B. <ol> = zolenke
zenke + z.B. <äng> = zenängke
zenke + z.B. <ay> + <ei> = zayeneike
Und nochmal das Beispiel von oben:
zenke + z.B. <ol> + <äng> = zolenängke

Die zweite Infix­poi­si­tion bei zenke ist also nicht zenk<2>e, son­dern zen<2>ke, weil das Usprungsverb zene (zen<2>e + ke) ist.
Nochmal mit allen Infix­po­si­tion­s­grup­pen: z<0><1>en<2>ke.

 

 

Übung III:

Welche Version/en ist/sind kor­rekt?

1. Sie ist schüchtern, daher kann sie nicht vor Leuten sin­gen.
  1. Po lu na loreyu 'awnampi, tafral ke tsun riv­ol eo sute.
  2. Po lu na loreyu 'awnampi, tafral ke new riv­ol eo sute.
  3. Po lu na loreyu 'awnampi, tafral ke tsun rol eo sute.
2. Ver­such (das) acht Mal schnell zu sagen!
  1. May' pivlltxe alo avol nìwin!
  2. Var pivlltxe alo avol nìwin!
  3. Fmi pivlltxe alo avol nìwin!
3. Die Schamanin muss dieses Omen deuten.
  1. Tsahìkìl fìaun­giati zene ralpiveng.
  2. Tsahìk zene fìaun­giati ralpiveng.
  3. Ralpiveng zene tsahìk fìaun­giati.
4. Ich würde es bevorzu­gen alleine zu essen.
  1. Oe nul­nivew yivom le'awtu.
  2. Oe nul­nivew yivom nì'awtu.
  3. Oe nivul­new yivom nì'awtu.
5. Er hat abgelehnt mit mir zusam­men zu arbeit­en.
  1. Sto­lo po oehu 'awsiteng tìkangkem sivi.
  2. Po sto­lo tìkangkem sivi oehu 'awsiteng.
  3. Sto­lo tìkangkem sivi 'awsiteng oehu po.
6. Wenn sich ein Ikran mit ein­er Per­son verbindet, hört er auf wild zu sein.
  1. Ikranìri krra hu tute tsa­heyl si, txey livu yrr.
  2. Ikranìri krra hu tute tsa­heyl si, ftang livu yrr.
  3. Krra tute­hu tsa­heyl si ikran, ftang livu yrr.
7. Ich hat­te ger­ade beab­sichtigt ihn zu töten.
  1. Pot oel vìmar tspi­vang.
  2. Pot oel kìman tspi­vang.
  3. Pot oel nìmew tspi­vang.
8. Nachts begin­nt der Wald durch Bio­lu­min­iszenz zu leucht­en.
  1. Na'rìng sngä'i nivrr txonkrr syu­ratan­fa.
  2. Na'rìng tsyul nivrr txonkrr syu­ratan­fa.
  3. Na'rìng sngä'i nrr txon fa syu­ratan.